Farbe in der Schwarzweißfotografie (2/5):
Die Geschichte von Sepia

Sepiagetönte Fotografie steht schlichtweg für die meisten von uns für vergangenheit und Historie. Sie hat aber einen eigenen Platz in der Schwarzweiss-Fotografie.

Ist das jetzt Schwarzweiss-Fotografie? Oder einfach alt?

Tatsächlich weisen viele dieser historischern Fotografien (Affiliate-Link) eine braunen Grundton auf. Doch bedeutet Tonung nicht automatisch Sepia – zum einen kamen in der vormaligen Dunkelkammerpraxis eine Vielzahl von Verfahren zum Einsatz und standen entsprechend auch eine Vielzahl von Farbtönen wie Blau, Magenta, Aubergine, Rot, Gelb oder Grün zu Verfügung; zum anderen ging der Zahn der Zeit unerbittlich über diese Aufnahmen hinweg und setzte gerade diejenigen Bilder, die etwas nachlässig ausgearbeitet und nicht mit teilweisem Silberaustausch zur Besserung der Archivfestigkeit behandelt wurden, dem UV-Licht und weiteren Witterungseinflüssen im Sinne eines Vergilbungsprozesses aus.

Daß Fotografien aber früher oft und gerne getont wurden, ist unbestreitbar.

In früherer Zeit waren (heute leider als fast schon verlorenes Kulturgut anzusehen) eine enorme Vielzahl von Papieren und Chemikalien verfügbar. Dies war Folge und zugleich Anstoß einer enormen Experimentierfreudigkeit der damaligen Fotografen. Daß sie dabei auch mit enorm stinkigen (Schwefel) bzw. sogar giftigen Substanzen unter der Maßgabe eines aus heutiger Sicht doch recht laxen Arbeitsschutzes hantierten, sei hier nicht unerwähnt.

Zu welchen Zwecken erfolgte die Tonung in früherer Zeit?

Die Verbesserung der Archivfestigkeit wurde bereits erwähnt, sie beruhte auf einem teilweisen Ersatz des im Bild befindlichen Silbers durch verschiedene, chemisch stabilere Metallsalze. Die indirekten Verfahren, bei welchen vor der eigentlichen Tonung noch eine Bleichung zur Anwendung kamen, waren diesbezüglich effektiver wie die direkten Verfahren mit einer unmittelbaren Tonung des fixierten und gewässerten Bildes.

Von großer Bedeutung waren auch die durch einzelne Tonungsverfahren möglichen Kontrast- und Dichteänderungen. Durch eine indirekte Schwefeltonung ließen sich etwa die tiefen Schatten etwas öffnen und der Kontrast in den dunklen Partien verbessern. Eine Selentonung erlaubt es zum anderen, die Dichte in den Schatten zu erhöhen und so ein satteres Schwarz (im Sinne eines hohen Dmax-Wertes) zu erzielen.

Schließlich, und dieser Aspekt knüpft an das heutige Einsatzgebiet der Tonung an (siehe Abschnitt 4), ließ sich auch die Bildstimmung verändern. Im Idealfall ließen sich das dargestellte Motiv und die beabsichtigte Wirkung durch einen wärmeren bzw. kühleren Ton noch besser in Szene setzen.

3. Die Bedeutung der Farbkanäle

Nicht selten höre ich in Workshops oder einzelnen Diskussionen, daß Schwarzweiß doch durch Wegnahme der Farben entstünde bzw. ein Bild ohne Farben sei. Dies stimmt aber nur vordergründig, sofern man sich auf das gesehene Bild beschränkt. Ausgeblendet bleibt bei dieser Auffassung jedoch, wie die Farben auf dem Weg dorthin verwendet werden.

Abb. 3: Das farbige Ausgangsbild

Abb. 4: Die monochrome Endversion

Zwei Bildbeispiele sollen das unterstreichen. Die Abbildungen 3 und 4 zeigen das farbige Ausgangsbild und die schwarzweiße Endversion. Wie das Original nach schlichter Entsättigung (Menü ‚Bild > Korrekturen > Farbton/Sättigung‘) oder Graustufenumwandlung (Menü ‚Bild > Modus > Graustufen‘) aussähe, zeigen die Abbildungen 5 und 6.

Schwarzweisser Marienkäfer, entsättigt in der Fotografie

Abb. 5: Ergebnis nach Entsättigung

Schwarzweiss-Fotografie des Marienkäfers in der Graustufenumwandlung

Abb. 6: Ergebnis nach Graustufenumwandlung

Interessant daran ist, daß sich die Ergebnisse unbenommen der Bemessung der Tonwerte an den Lichtwerten der Einzelfarben leicht unterscheiden. Beiden Versionen gemeinsam und wichtiger für unsere Betrachtung ist jedoch, daß diese ausgesprochen flau wirken.

Die Scharzweiss-Fotografie nach Farbskalenaussteuerung

Abb. 6: Ergebnis nach Farbkanalaussteuerung

Die Schwarzweißfotografie ist also mehr als nur ein ‚Entzug von Farben‘ – es gilt, die Farbkanäle gemäß dem vorhandenen Motiv und der beabsichtigten Wirkung auszusteuern.

Im Beispielbild war es mir angelegen, den Kontrast zu verstärken und das Hauptmotiv des Käfers nicht nur im Sinne des Schärfeverlaufs, sondern auch tonal vom Hintergrund abzuheben. Die Einzelheiten der Bearbeitung, insbesondere die deutliche Anhebung des Rot- und Gelbkanals zeigt die Rekonstruktion in Abbildung 7.

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