Leserfoto:
Fotografisches Stilleben

Es muß nicht immer das ‚Hammermotiv‘ sein – auch stille Szenen, schön aufbereitet und dargestellt, können den Betrachter einnehmen.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (4 Bilder)

 
Ausgangsbild

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Unser Leser David Witte aus München hat uns das obige Bild unter dem Titel „Ohne Titel” in der Kategorie ‚Stillleben‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Da im Winter die Tageslichtzeit mit meinen Arbeitszeit mit meiner kollidiert, habe ich den Entschluss gefasst, unabhängig vom Sonnenlicht zu photographieren und erste Gehversuche im Stillleben-Sujet zu unternehmen. [Pentax K7, SMC 1:4 15 mm Limited, f/16, ISO 100, entfesselter Blitz mit großer Bouncing Card]”

Über Ausrüstung (siehe auch ergänzte Links zu Testberichten) und Aufnahmedaten hatte David bereits berichtet. Zu erwähnen wäre noch die blitzassoziierte Belichtungszeit von 1/50 Sekunde sowie die kleinbildäquivalente Brennweite von 22,5 mm (Formatfaktor von 1,5).

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Betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente.

Komposition (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Die Bildanlage mit ihrem aufrechten, etwas gegen den Uhrzeigersinn verkippten Dreieck (gelbe Linien ebd.) weiß zu gefallen. Die darin eingeschlossenen ‚Hauptpersonen‘ in Form der drei Eier (rote Linien ebd.) werden so ansehnlich inszeniert.

Neben der erwähnten Dynamik durch die Verkippung gefällt die plastische Darstellung in der weichen Lichtsetzung und die räumliche Staffelung durch die Größenunterschiede. Die Linienführung der Maserung mit ihrer Flucht in einen Bereich hinter dem Tisch vertieft schließlich noch den Raumeindruck (blaue Linien ebd.).

Tonwerte (siehe dazu untenstehende, gleichnamige Bilder):

Das Histogramm zeigt sich deutlich linksversetzt und -schief bei einem Median von etwa 45, einer Low-Key-Aufnahme entsprechend.

Trotz der geringen Zonenspreizung ist eine gute Figur-Grund-Differenzierung festzustellen – Zone I bis VI im Sinne des größten Kontrastumfangs für das Motiv, Zone I bis IV für den Vordergrund und Zone 0 bis I für den Hintergrund.

Trotz der insgesamt dunklen Tonwerte sind die bildwichtigen Mitten ausreichend belegt und zeigen sich nur im Kernschatten und im Hintergrund einige, den Geamteindruck nicht störende Tonwertabbrüche im Schattenbereich.

Farben:

Warme und gebrochene Rot- und Brauntöne beherrschen das Bild.

Die Graustufenumwandlung, die ich aus Veranschaulichungsgründen vornahem, zeigt meines Erachtens auf, daß die Farben hier für die atmosphärische Anmutung des Bildes unverzichtbar sind.

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Zusammenfassung:

Thomas Brotzler

  Thomas Brotzler

Davids Arbeit weiß in Hinblick auf die Komposition sowie die Befassung der Tonwerte und Farben zu überzeugen.

Etwas ‚frischer‘ (im Sinne der Nutzung hellerer Zonen) könnte man den Bildeindruck noch durch Verwendung des Instruments ‚Tiefen/Lichter‘ (eines meiner Lieblingswerkzeuge in Photoshop, wie sich nach dem einschlägigen Tutorial wohl herumgesprochen haben mag) gestalten.

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Bildteil:

Komposition: Grundelemente

Tonwerte: Histogramm und Zonenverteilung

Tonwerte: Schattenbeschnitt

Überarbeitung: Auffrischung

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Einfache Monitore mit sogenanntem TN-Panel sind werkseitig selten auf eine korrekte Farb- und Helligkeitswiedergabe eingestellt. Insbesondere die tiefen Schatten (Zonen 0 bis II) wirken oft wie verklumpt. Die Bilder sind so nur eingeschränkt beurteilbar, da der Monitor nicht das wiedergibt, was der Fotograf beabsichtigte.

Für eine orientierende Monitorprüfung eignet sich der nachstehende Graustufenkeil. Sind alle 26 Abstufungen unterscheidbar, ist zumindest hinsichtlich der Tonwerte alles in Ordnung.

Wenn nicht, ist eine Kalibrierung des Monitors zu empfehlen – softwareseitig bzw. unter Augenkontrolle mit kostenlosen Tools wie etwa dem Monitor Calibration Wizard (das bekannte Adobe Gamma ist mittlerweile nicht mehr verfügbar), hardwareseitig bzw. unter Sensorkontrolle mit Geräten etwa von Datacolor oder X-Rite.

Orientierende Monitorprüfung


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In der Rubrik ‚Bildkritik‘ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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3 Antworten
  1. Erica di Motta says:

    Hoffe, daß man mir nicht böse ist, aber das vordere Ei ist mir zu weit herangezoomt;
    Im Querformat bringt es nicht die Tiefe, die durch das Streifenmuster der Unterlage eigentlich einen schönen Effekt zurFörderung der TIefe geben könnte.
    Ich würde sogar – obwohl Querformat ich ansonsten bevorzuge, hier ein Hochformat vorschlagen.

    Antworten
    • David Witte says:

      Vielen Dank für deinen Kommentar! Aber ich muss Dir widersprechen: Ich bin der Meinung, dass gerade die starke perspektivische Verzeichnung dem Bild Tiefe verleiht.
      Viele Grüße,
      David

    • Thomas Brotzler says:

      Hallo Erica,
      hallo David,

      in diesem Fall ist David eindeutig zuzustimmen. Die starke Weitwinkligkeit von kleinbildäquivalenten 22,5 mm Brennweite bedingt eine enorme Schärfentiefe mit einem ebensolchen Räumlichkeitseindruck – über den weiten Öffnungswinkel und die Vergrößerung der nahegelegenen Objekte ebenso wie über die Verkürzung der hyperfokalen Entfernung.

      Die optisch-physikalischen Grundlagen hierfür hatte ich schon in meinem Tutorial ‚Schärfentiefe‘ abgehandelt.

      Thomas

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