Farbe in der Schwarzweißfotografie (3/5):
Die Bedeutung der Farbkanäle

In der Schwarz-Weiss-Fotografie ist die Farbe zwar nicht mehr vorhanden. Aber in der Umwandlung der farbigen Digitalfotografie spielt sie eine wesentliche Rolle.

Abb. 8: Warmtonung mit Luminanzerhaltung

Man kann auch heute noch, und zwar sehr einfach, Tonungen vornehmen an Fotografien, die man in Schwarzweiss umwandelt. Insgesamt ist die Beachtung der Farbkanäle sehr wesentlich bei diesem Vorgang.

Abb. 9: Warmtonung ohne Luminanzerhaltung

Photoshop bietet für die Einfachtonung (also die einheitliche Tonung des gesamten Bildes) recht komfortable Möglichkeiten. Nach Aufruf von Menü ‚Bild > Korrekturen > Fotofilter‘ öffnet sich ein Fenster, in welchem aus 20 Farbtönen ausgewählt oder auch eine eigene Farbe definiert werden kann. Auch die Stärke des Effekts kann über den Regler ‚Dichte‘ bemessen werden.

Die Standardeinstellung ist ferner ‚Luminanz erhalten‘, und das ist auch wichtig, wie der Vergleich zwischen den Abbildungen 8 und 9 zeigt. Ohne Luminanzerhaltung findet statt einer Tonung eine Überfärbung statt, welche auf die Tonwerte Einfluß nimmt – im Beispiel wird das Bild dunkler und flauer.

Die Analogfotografen, um nochmals kurz auf Abschnitt 2 zurückzukommen, benötigten diese Einflußmöglichkeiten im Sinne der Kontrast- und Dichteänderung. Wir Digitalfotografen haben hierfür andere und bessere Instrumente (Gradationskurve, Tiefen/Lichter).

Abb. 10: Sepiatonung mit Silver Efex Pro

Noch schicker gelingt die Tonung mit dem Photoshop-Plugin Silver Efex Pro (vormals Nik Software, jetzt von Google aufgekauft), wie Abbildung 10 zeigt. Neben den 24 Vorgaben können die Farben auch hier ’selbst angerührt werden‘. Besonders interessant ist dies natürlich für die Split- oder Teiltonung, die ich im Anschluß besprechen will.

Daß auch dieser Tonungsprozeß luminanzerhaltend arbeitet, versteht sich (mit Hinblick auf die mit anderen Instrumenten besser mögliche Einflußnahme auf die Tonwerte) von selbst.

4.1.2 Split- oder Teiltonung

Wir kommen nun zum sehr interessanten Kapitel der Split- oder Teiltonung. Dies bedeutet, daß nicht alle Bildinformationen einheitlich, sondern dessen Schatten und Lichter getont werden.

Auch hierfür gibt es einen Vorläufer in der Analogfotografie dahingehend, daß das Silber (als Träger der ‚Schatteninformationen‘ quasi) und das Papier (als Träger der ‚Lichterinformationen‘ quasi) unterschiedliche Reaktionen auf Tonung aufwiesen.

Abb. 11: Teiltonung mit Lightroom

Abb. 12: Teiltonung mit Silver Efex Pro

Auch dies läßt sich heutzutage recht komfortabel erledigen. Im Lightroom findet sich das Instrument ‚Teiltonung‘ im Menü ‚Entwickeln‘ (siehe Abbildung 11), allerdings ohne Presets und mit etwas wenig Einstellmöglichkeiten wie im Photoshop-Plugin Silver Efex Pro (siehe Abbildung 12).

In beiden Varianten habe ich ein leichtes Blaugrün auf die Schatten, ein leichtes Rotorange auf die Lichter gesetzt.

4.2 Kolorierung

Um die Begriffe auseinanderzuhalten: ‚Kolorierung‘ ist hier definiert als teilweise Verwendung der Originalfarben im Schwarzweißbild.

4.2.1 Kolorierung durch Entsättigung

Die Entsättigung ist der einfachste Weg zu einem solchen ‚Zwitter aus Farb- und Schwarzweißbild‘.

In Photoshop rufen wir nochmals das Menü ‚Bild > Korrekturen > Farbton/Sättigung‘ auf und reduzieren die Sättigung beispielsweise um 50%.

Abb. 13: Das farbige Ausgangsbild

Abb. 14: Entsättigung um 50%

Die Abbildung 13 zeigt nochmals das farbige Ausgangsbild, die Abbildung 14 das Ergebnis einer solchen Entsättigung um 50%. Man kann diesen Stil mögen. Ob es aber ‚das Beste aus Farb- und Schwarzweißbild‘ ist, darf bezweifelt werden – die Farben wirken flau und die Kontraste ebenso.

Vielversprechender erscheint hier der Ansatz der Farbtonzugabe, den ich nachfolgend noch beschreiben möchte.

4.2.2 Kolorierung durch Farbtonzugabe

Diese Prozedur ist etwas komplizierter wie die vorgenannte.

Man nimmt das fertige Schwarzweißbild, legt darüber das ursprüngliche Farbbild als neue Ebene (auf ‚Modus RGB‘ achten, sonst wird dieses in Graustufen umgewandelt. ändert den Ebenenmodus auf „Farbe‘ (zweiter Eintrag von unten) und reduziert die Deckung beispielsweise auf 50%.

Abb. 16: Farbtonzugabe von 50%

Die Abbildung 15 zeigt nochmals das fertige Schwarzweißbild, die Abbildung 16 das Ergebnis einer solchen Farbtonzugabe von 50%. Der Vergleich zeigt auf, daß die Tonwertverteilung und Kontrastverteilung vollständig aus dem Schwarzweißbild entnommen und mit einem Teil der Originalfarben angereichert wurde.

Abb. 15: Das fertige Schwarzweißbild

Abb. 15: Das fertige Schwarzweißbild

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  1. […] in der Übersetzung auf Schwarz/Weiss zu tun haben. Eine ausführliche Anleitung zur Behandlung von Farbe in der Schwarzweissfotografie hat Thomas Brotzler hier […]

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