Leserfoto:
Atmosphärische Stadtlandschaft (3)

Um Grundlagen der Streetfotografie soll es in der heutigen Bildbesprechung gehen.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (4 Bilder)

 
Ausgangsbild

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Unser Leser Uwe Henke aus der ‚Kolpingstadt‘ Kerpen in Nordrhein-Westfalen hat uns das obige Bild unter dem Titel „Was bringt der Tag?” in der Kategorie ‚Schnappschuss‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Das Bild entstand morgens kurz nach ‚Ladenöffnungszeit‘ in einer Kölner Vorstadt. Die Atmosphäre an diesem kalten und trüben Dezembermorgen war noch sehr verschlafen. Nur wenige Menschen waren zu diesem Zeitpunkt unterwegs. Dementsprechend hat auch dieser Ladenbesitzer die Muße, den Tag mit einer Zigarettenpause zu beginnen. Mir gefällt an dieser Aufnahme, dass sie nach meinem Empfinden diese Atmosphäre recht prägnat wiedergibt und außerdem dazu anregt, sich in die Gedankenwelt des Ladenbesitzers hineinzuversetzen. Als blutiger Anfänger in Sachen Fotografie würde ich mich sehr über ein professionelles Feedback freuen. Das Kameramodell ist eine Canon EOS 650d. Als Objektiv kam ein EF-S 15-85 bei einer Brennweite von 70mm zum Einsatz. Die Verschlusszeit betrug 1/125s bei einer Blende von 5.6.”

Über Ausrüstung und Aufnahmedaten hatte Uwe bereits berichtet. Zu ergänzen wären noch die Sensorempfindlichkeit von ISO 800 sowie die kleinbildäquivalente Brennweite von 112 mm bei einem Formatfaktor von 1,6.

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„Eine recht reife Arbeit für den selbstzugeschriebenen Anfängerstatus”, dachte ich spontan. Doch betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente.

Komposition (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Trotz der schönen atmosphärischen Anmutung ’stolperte‘ ich spontan über etwas in diesem Bild – die Gewichtung der Bildelemente. Bei konventioneller Leserichtung von links nach rechts (siehe hierzu ggf. auch mein Tutorial ‚Blickwege bei der Bildbetrachtung‚) bekommt die entfernte Nebenfigur (siehe 1) Vorrang gegenüber der nahen Hauptperson (2).

Aus diesem Grund entschloß ich mich, das Bild horizontal zu spiegeln, was mir Uwe hoffentlich nachsehen wird.

Hier erfolgt der Blickeinstieg nun bei der erwähnten Hauptperson nahe des linken Bildrandes (rote Linien ebd.) und springt danach zum Gegenpol der entfernten Nebenperson (orange Linien ebd.). Die Blickführung gestaltet sich somit von links nach rechts (blaue Linien ebd.).

Die gebogenen Fluchtlinien (gelbe Linien ebd.) unterstützen diese Blickführung und schaffen räumliche Tiefe. Auch durch die Staffelung der Senkrechten (grüne Linien ebd.) wird der Raum markiert und der Tiefeneindruck unterstützt.

Tonwerte (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Die Belichtung ist recht ausgewogen, entsprechend zeigt das Histogramm einen Median von knapp 120 und eine mittenbetonte Struktur. Tonwertabrüche im Schatten- und Lichterbereich liegen nicht vor.

Farben:

Der durch die Schwarzweißkonvertierung bedingte ‚Verzicht auf Farben‘ ist dem Motiv angemessen. Ganz im Sinne des ‚Häusserschen Diktums‘ („Das Schwarz-Weiß reduziert die Dinge auf das Wesentliche und zwingt uns dazu, Bildideen bewußt zu gestalten”) wird der Betrachter so auf die wesentlichen Aspekte der Komposition, Dramaturgie und Blickführung hingeführt.

Struktur:

Der Fokus liegt auf der erwähnten Hauptperson, wo er hingehört. Die entfernten Strukturen fallen in weiche Unschärfe, so daß die Raumtiefe auch durch den Schärfeverlauf betont wird.

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Zusammenfassung:

Thomas Brotzler

  Thomas Brotzler

Wie schon eingangs angedeutet meine ich, daß Uwe die Besonderheit dieses Augenblicks (insbesondere ‚die Melancholie des in die Ferne schweifenden Blicks der Hauptperson‘) gut wahrgenommen und festgehalten hat.

Reiz und Anliegen der Streetfotografie ist es, die ‚Bildgeschichte des Menschen in der Stadtlandschaft‘ immer wieder aufzugreifen und neu zu erzählen, dem Betrachter somit Einstiegspunkte für eigene Interpretationen zu bieten (siehe auch untenstehende Vergleichsarbeit aus dem eigenen Portfolio).

Den Bildinhalt dann noch mit den technischen und kompositorischen Gegebenheiten vor Ort abzustimmen, stellt die wahre Kunst in der Streetfotografie dar. Der technische Aspekt erscheint hier im Sinne der ausgewogenen Belichtung berücksichtigt. Zur Problematik der Bildanlage hatte ich oben schon einiges gesagt und auch einen Lösungsvorschlag (Spiegelung) unterbreitet.

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Bildteil:

Komposition: Gewichtung der Bildelemente im Ausgangsbild

Komposition: Grundelemente und Blickrichtung nach Spiegelung

Tonwerte: Histogramm

Vergleichsarbeit

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Einfache Monitore mit sogenanntem TN-Panel sind werkseitig selten auf eine korrekte Farb- und Helligkeitswiedergabe eingestellt. Insbesondere die tiefen Schatten (Zonen 0 bis II) wirken oft wie verklumpt. Die Bilder sind so nur eingeschränkt beurteilbar, da der Monitor nicht das wiedergibt, was der Fotograf beabsichtigte.

Für eine orientierende Monitorprüfung eignet sich der nachstehende Graustufenkeil. Sind alle 26 Abstufungen unterscheidbar, ist zumindest hinsichtlich der Tonwerte alles in Ordnung.

Wenn nicht, ist eine Kalibrierung des Monitors zu empfehlen – softwareseitig bzw. unter Augenkontrolle mit kostenlosen Tools wie etwa dem Monitor Calibration Wizard (das bekannte Adobe Gamma ist mittlerweile nicht mehr verfügbar), hardwareseitig bzw. unter Sensorkontrolle mit Geräten etwa von Datacolor oder X-Rite.

Orientierende Monitorprüfung


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In der Rubrik ‚Bildkritik‘ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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12 Antworten
  1. Christian Bartusch says:

    Dirks Gedankengang finde ich äußerst interessant. Tatsächlich fände ich auch den Ansatz, den Schärfepunkt auf die Person in der Distanz zu legen grundsätzlich authentischer, wenn man die Szenerie aus den Augen des Ladenbesitzers zeigen möchte. In dem vorliegenden Bild hätte ich mich aber trotzdem dagegen entschieden, da der dann unscharfe Vordergrund für meinen Geschmack einen zu gewaltigen Bildanteil eingenommen hätte. Der unscharfe hintere Bildteil stört mich nicht, da der Informationsgehalt der Szene nicht geschmälert wird. Auf eine durchgängige Schärfe von Vorder – bis Hintergrund hätte ich wohl zugunsten der Raumtiefe und unter dem Aspekt der Beugungsunschärfe ebenfalls verzichtet. Allerdings finde ich das Bild grundsätzlich etwas unscharf – könnte natürlich an der Verkleinerung liegen.

    Über die Notwendigkeit der Spiegelung kann man kontrovers diskutieren, was ja auch schon passierte. Ich bin der Meinung, dass dies beim vorliegenden Bild nicht zwingend notwendig gewesen wäre, da die Komposition an sich stark genug ist, um die übliche Betrachtungsrichtung zu durchbrechen. An diesem Punkt bin ich nicht ganz bei Borg. Für mich liegt der Bildeinstieg auch in der Originalversion beim Ladenbesitzer, da dieser m. E. die dominierende Figur des Bildes ist, die sofort den Blick auf sich zieht. Mein Blick folgt dann dem Verlauf des Weges zur zweiten Person in der Ferne. Dieser Betrachtungsweise folge ich grundsätzlich bei beiden Versionen des Bildes. Bei der gespiegelten Variante wirkt das Ganze auf mich etwas flüssiger und harmonischer. Dies „erkauft“ man mit einer „Verfälschung“ der Ausgangsszene (spiegelverkehrter Straßenverlauf). Der dokumentarische Wert des Bildes wird meines Erachtens somit geschmälert. Letztlich muss jeder selbst entscheiden, welchem Aspekt er mehr Bedeutung zumisst. Ich persönlich hätte mich bei diesem Bild tendenziell gegen die Spiegelung entschieden – schwanke allerdings in meiner Einschätzung. Das bestärkt mich wieder in meiner Überzeugung, dass es keine perfekte Bildgestaltung gibt. Hierzu auch: http://de.wikipedia.org/wiki/No-free-Lunch-Theoreme ;)

    Zum Vergleich sehr hilfreich finde ich die von Christian verlinkte Mittelformataufnahme. Hier leidet die Gesamtkomposition tatsächlich unter der Durchbrechung der üblichen Leserichtung (Bild „richtig“). Der Unterschied zu Uwes Fotografie liegt m. E. darin, dass die zum rechten Bildrand laufende Wand keinen Punkt (vgl. oben: Ladenbesitzer) aufweist, der sich dem Betrachter als Blickeinstieg aufzwingt. Dadurch wird man verleitet, das Bild wie üblich von links nach rechts zu betrachten. Der Bildeinstieg beginnt somit ausgerechnet im leeren Raum (Fußboden), wodurch mir als Betrachter die Orientierung genommen wird. Das Bild wirkt dann entsprechend unstrukturiert auf mich. Mit der Spiegelung (Bild „Sucher“) gewinnt das Bild erheblich, da an die Stelle des leeren Raums die Richtung Hauptmotiv führende Wand tritt. In diesem Fall hätte ich mich zweifelsfrei ebenfalls für eine Spiegelung entschieden. Was ich mit diesem Vergleich sagen will: Die tatsächliche Blickführung des Betrachters wird zwar tatsächlich maßgeblich von der (in unserem Kulturkreis) üblichen Leserichtung beeinflusst. Allerdings sehe ich hierin keinen Automatismus. Eine schlüssige Figur-Raum-Konstellation kann dieses Muster durchaus erfolgreich auflösen.

    Soweit meine Gedanken zu dieser gelungenen Schwarz-Weiß-Aufnahme.

    Grüße Christian

    Antworten
  2. Uwe Henke says:

    Hallo zusammen,

    zunächst einmal danke ich Thomas für die wohlwollende und konstruktive Bildbesprechung! Besonders freut es mich natürlich, dass sich in der Folge eine derart rege Diskussuion entsponnen hat. Gerne trage ich noch zu zwei angesprochenen Aspekten etwas bei.

    Die Bildschärfe bzw. der Schärfeverlauf wurden von mir nicht nachträglich bearbeitet, so wie von Tilman vermutet. In der konkreten Aufnahmesituation habe ich diesen Punkt auch ehrlicherweise nicht reflektiert. Hätte ich allerdings auf eine durchgehende Schärfe bewusst Wert gelegt, wäre ich vermutlich an die Grenzen der Kameratechnik gestoßen. Überschlägig gerechnet wäre hierfür wohl ein Abblenden auf eine Blendenzahl von ca. 22 vonnöten gewesen. Aber abgesehen davon bin ich mit dem Schärfeverlauf so wie er ist nicht unglücklich.

    Die Idee, das Bild horizontal spiegeln zu können, hatte ich auch schon. Allerdings erst nachdem ich es hier eingereicht hatte ;). Seitdem liegen nun beide Versionen in meiner Sammlung, ohne dass ich mich eindeutig für „die optimale“ Variante entscheiden könnte. Die von meinen Vorrednern aufgezeigten Aspekte verdeutlichen mir überdies einmal mehr, dass es ein solches „Optimum“ vor dem Hintergrund der subjektiv geprägten Wahrnehmung ohnehin nicht geben kann. Als weiteren Aspekt würde ich ggf. noch anfügen, dass in der gespiegelten Variante von Thomas die Bildaussage nach meinem Empfinden wesentlich eindeutiger ist. Der Einstieg bei der Hauptperson ist im Sinne der „konventionellen“ Leserichtung ja vorgegeben, sodass man eben eher geneigt ist, dessen Perspektive einzunehmen und sich aus dieser das Bild zu erschließen. Dies kann sicherlich als Vorteil gesehen werden. Demgegenüber bietet das Ausgangsbild nach meinem Empfinden mehr Freiraum bei der Rezeption. Zumindest mir geht es auch nicht so, dass der Blick zu sehr auf der Hauptperson rechts hängen bleibt.

    In jedem Fall ist es spannend mitzuerleben, wie sich hier im Forum diese unterschiedlichen Sichtweisen offenbaren. Mir persönlich hilft das jedenfalls wesentlich mehr als die von Thomas bereits angesprochenen „meinungsstarken“ aber u.U. substanzarmen Kommentare. In diesem Sinne nochmals ein herzliches Dankeschön an alle Mitdiskutanten….;)

    Uwe

    Antworten
    • Thomas Brotzler says:

      Zitat: „spannend mitzuerleben, wie sich hier im Forum diese unterschiedlichen Sichtweisen offenbaren“

      Ich halte es für sehr gut möglich, daß sich alle Facetten eines gehaltvollen und interpretationswürdigen Bildes (im Gegensatz dazu ist die Postkarte schnell erklärt) erst in solch angeregter und kontroverser Diskussion darstellen können.

      Auch mir half die Diskussion, mir noch mehr Klarheit über das Bild und dessen Vielschichtigkeit zu verschaffen. Im Original ist es für mich (auf Grundlage dessen, wohin der Blick führt und wo er letztlich endet) „die Betrachtung des Betrachters“, in der Spiegelung „die Betrachtung des Betrachtens“ …

  3. Dirk Wenzel says:

    Moin Moin …

    Zitat Tilman „Der Passant ist nicht einmal wichtig, er ist unscharf (was ich als interessant empfinde). Ich befinde mich also in der selben Situation wie der Händler, und führe dieselbe Tätigkeit wie er aus: ich lasse die Stimmung auf mich wirken. Es ist, wie Uwe schreibt: der Beobachter versetzt sich sich in die Gedankenwelt des Ladenbesitzers.“

    wenn ich es richtig lese und verstehe … ich nehme die Subjektive des Händlers ein … dabei kann die „unscharfe Person“ den Gehweg hinunter nicht unscharf sein …

    als der Händler fokussiere … ah hallo Redaktion … :-) …

    also, focussiere ich doch diese Person oder das Umfeld in der nach Ausschnittsgröße halb Totale bis Total nach meinem Empfinden „mit der Augenschärfe für den Weitblick …

    ich kann also nicht die Sicht des Händlers mit Brille einnehmen nur die des unbekannten Dritten … also der Einstellung des Objektives und der Einsteller …

    … diese Unschärfe so finde ich kann nicht ganz die Gedankenwelt usw… find ich einfach mal so … es ist meine Gedankenwelt als Betrachter …

    und wenn ich dem Händler doch so nah … dann passt für mich auch das gespiegelte Bild von Thomas aber top dabei …

    beide Präsentationen bieten Raum und es ist so find gut … mir über beide Gedanken und so …

    vom Krabbenkutter an der Seehundbank liebste Grüße Dirk

    Antworten
  4. Thomas Brotzler says:

    Es gibt ja mittlerweile eine Vielzahl von Diskussionsforen zur Fotografie im Internet. Sehr oft geht es um Ausrüstung oder Aufnahmesetup, seltener schon um Bildstimmungen oder -konzepte, und oft wird (nach meinem Eindruck) ‚viel behauptet und wenig argumentiert‘. Daß es hier anders ist, daß also ’schon auch behauptet, vor allem aber argumentiert‘ wird, ist zunächst das Verdienst Eurer Beiträge. Wenn wir Autoren solche gehaltvollen (jeder lernt daraus, auch wir) Diskussionen anstossen können, haben wir unseren Job wohl gut getan …

    Zur Sache, in der Reihenfolge der Beiträge und als Einladung zur vertieften Diskussion:

    Christian hat mit seiner Frage noch etwas in petto (das spüre ich richtiggehend, so gut meine ich ihn mittlerweile zu kennen), doch er sagt es (noch) nicht. Mal schauen …

    Tilman stößt sich an der Spiegelung (meinerseits) und der Unschärfe (im Originalbild). Seiner Besorgnis, daß die Darstellung des Betrachtenden so zum ‚profil perdu‘ verkäme (siehe auch zweiter Abschnitt meines Tutorials zur Porträtfotografie), kann ich jedoch nicht folgen. Der Betrachtende wird so ganz und gar zum ‚Identifikationseinstieg‘, er fungiert also als unser ‚Stellvertreter im Bild‘. Eine Person kann (psychologisch ausgedrückt) nicht gleichzeitig Gegenstand unseres Interesses und Projektionsfläche unserer Sichtweise sein.

    Borg argumentiert mit der Blickführung und Verweildauer. Den Blick lange genug im Bild zu halten und insofern Sorge zu tragen, daß der Blickdurchgang nicht allzu rasch und oberflächlich bleibt, ist ein berechtigtes Anliegen für uns Fotografen; dies ist allerdings kein Selbstzweck, und im Extremfall würde ‚der Blick ewig im Bild herumirren‘ und keinen Abschluß finden. Mein eigener Blick findet im Originalbild nicht mehr aus der rechten Ecke heraus, diese ist insofern ‚zu schwer, zu betont‘.

    Antworten
    • Christian Fehse says:

      Ich hatte bei der Bildkritik für dieses Bild:

      http://fokussiert.com/2013/11/08/leserfoto-eine-verstellte-strasenszene

      mit der Spiegelung Probleme, weil sie aus meiner Sicht das Bild zu sehr veränderte (auch in Kombination mit dem Beschnitt).

      Bei diesem Bild ist es mir wieder aufgefallen: das Bild „verändert“ sich, wenn man es spiegelt – allerdings fand ich es hier nicht so dramatisch

      Das gleiche Phänomen hatte ich bei einer Mittelformataufnahme von mir letzte Woche:

      http://update.infomantis.de/download/cf/spiegelung.jpg

      Da habe ich mich auf das Bild im Sucher (Schachtsucher – spiegelverkehrt) eingeschossen und das „richtige“ Bild wollte nicht so ganz „passen“. Deswegen die Nachfrage an den Psychologen, warum das so ist.*gg*

      Allerdings ist auch bei der Spiegelung für dieses Bild wieder problematisch, das man die Schrift im Schaufenster und die Hausnummer spiegelverkehrt sieht. Deswegen, würde ich es wahrscheinlich nicht machen.

    • Tilman says:

      “Verlorenes Profil”, “Gegenstand unseres Interesses”, … da habe ich mich wohl krumm ausgedrückt.

      Ich meinte, dass der Händler nach der Spiegelung zu viel Gewicht bekommt. Ich beobachte zunächst ihn, sehe seine Zigarette, seine Haltung. Das rechte Teil des gespiegelten Bildes, tja, irgendwann gucke ich dann da auch mal hin. Und (wie Borg), das war’s dann… dieses Bild könnte man “Verlorenes Profil eines Händlers” nennen.

      Im Original dagegen, sehe ich den Händler erst gar nicht, ich empfinde die Atmosphäre. Der Passant ist nicht einmal wichtig, er ist unscharf (was ich als interessant empfinde). Ich befinde mich also in der selben Situation wie der Händler, und führe dieselbe Tätigkeit wie er aus: ich lasse die Stimmung auf mich wirken. Es ist, wie Uwe schreibt: der Beobachter versetzt sich sich in die Gedankenwelt des Ladenbesitzers.

      Also, ich bevorzuge eindeutig das nicht gespiegelte Bild.

      Ich stoße mich übrigens nicht an der Unschärfe, ich habe nur den Eindruck, dass sie durch nachträgliche Bearbeitung hinzugefügt wurde.

      Mit freundlichen Grüßen,
      Tilman

    • Thomas Brotzler says:

      Zitat: „das ‚richtige‘ Bild wollte nicht so ganz ‚passen’”

      Ich möchte gerne auch auf Dein Vergleichsbild eingehen. Wie Du und Christian Bartusch weiter unten (siehe Kommentar 7) empfinde ich das seitenverkehrte Bild (im Sucher) als wesentlich ‚leichter lesbar‘, das richtige Bild hingegen als viel ’sperriger‘. Doch bin ich auch hier etwas zwiespältig – diese ’sperrige‘ bzw. ‚kompositorisch weniger glatte‘ Version hat schon auch ihre Qualitäten, weil sie das ‚aus der Zeit Gefallene‘ dieses Motivs betont und insofern viel provokanter wirkt …

  5. Borg Enders says:

    Ich würde as Bild auch nicht spiegeln.
    Wenn man das Bild von Links nach Rechts im Original liest, endet man Verkäufer, dessen Blick einen dann zurück ins Bild lenkt.
    Wenn du das Bild spiegelst, siehst du den Verkäufer zuerst, folgst seinem Blick und verläßt mit der Straße das Bild nach rechts.
    Ich persönlich habe dabei in der gespiegelten Version weniger Zeit verbracht, da mir am rechten Bildrand etwas fehlt, dass mich zurück ins Bild zieht.

    MFG Borg Enders

    Antworten
  6. Tilman says:

    Hallo,
    Ein tolles Bild, Uwe. Ich finde, dass Du die Stimmung gut eingefangen hast.
    Spiegeln würde ich das Bild auf keine Fälle. Uwe wollte ja die Atmosphäre einfangen. Nach Spiegelung jedoch wird sein Bild zu einem Porträt des Tabakladenhändlers. Oder anders ausgedrückt: ohne Spiegelung ist der Betrachter des Bildes in derselben Situation wie der Händler, der seinen Blick über die ruhige Straße schweifen lässt.
    Unschärfe: eigentlich passt die sehr gut zu dem Bild. Aber sie wirkt unnatürlich. Zumal die Spiegelungen im Schaufenster gestochen scharf sind.
    Mit freundlichen Grüßen,
    Tilman

    Antworten
  7. Christian Fehse says:

    Hallo Thomas,

    ich habe mir das angesprochene Tutorial noch mal angeschaut. Sehe ich das richtig, das der Grund für Deinen Spiegelungsvorschlag auf der folgenden Aussage beruht:

    Zitat: In einer auffälligen Vergleichssetzung zur Texterfassung wird nun in der Populärwissenschaft (in Lehrbüchern und Tutorials also) auch auf eine ‘übliche Richtung der Bilderfassung’ hingewiesen, wobei diese als ‘von links unten nach rechts oben’ charakterisiert wird.“

    Nur mal so gefragt für mich zum Verständnis…

    Antworten

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