Leserfoto:
Auf Elliott Erwitts Spuren (2) …

Erfrischende Hundefotografie fernab der ‚ebenso niedlichen wie schon zu oft gesehenen Haustierdarstellung‘, zugleich auf den Spuren eines großen Fotografen möchte ich Euch in der heutigen Bildbesprechung vorstellen.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (4 Bilder)

 
Ausgangsbild

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Unsere Leserin Christine Frick aus dem oberschwäbischen Ravensburg hat uns das obige Bild unter dem Titel „Kein bunter Hund” in der Kategorie ‚Haustier‘ zur Besprechung eingereicht. Passend zum launigen Bildtitel kommentiert sie ihr Bild knapp mit „Netwatching”

Zur Aufnahme wurde die spiegellose Systemkamera Panasonic DMC-G5 mit dem Festbrennweitenobjektiv Leica Summilux DG 25mm f/1,4 verwendet. Die Brennweite betrug 25 mm (entsprechend 50 mm Kleinbildäquivalent bei einem Formatfaktor von 2,0), die Belichtungsdaten waren 1/4000 Sekunde bei Blende f/1,4 und ISO 200.

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Betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente.

Komposition (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Als bildwichtige Strukturen zu nennen sind der recht weit oben platzierte Hund mit keck vorgestrecktem Fang (rote Linien ebd.), sein tonwertmäßig nur wenig abgesetzter Schatten mit Schlappohr (orange Linien ebd.) und die Bodenbegrenzung des Zaunes (gelbe Linien ebd.).

Aus den tatsächlichen bzw. vervollständigten Linien läßt sich ein aufrechtes, leicht nach links gekipptes Dreieck konstruieren (grüne Linien ebd.), welches als entscheidendes Strukturelement des Bildes fungiert.

Die Blickführung folgt dem Schatten aus dem linken unteren Bildeck steil nach rechts oben, um dann auf der Höhe des Hundes dessen Blick nach rechts zu folgen (blaue Linien ebd.).

Tonwerte (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Das Histogramm hat seinen Median bei etwa 115, gleichwohl ist es zweigifplig, was bei der hochkontrastigen Anmutung des Bildes nicht verwundert.

Der wie schon angedeutet fast unmerkliche Übergang von Hund zu Schatten spiegelt sich in der Belegung der Zonen I bis II (Hund) bzw. I (Schatten) aus. Man könnte dieses ‚Konglomerat der Schatten‘ noch etwas öffnen, wie die untenstehende Abbildung zeigt, doch dann erschiene das Bild eher flau und würde ‚an Kraft verlieren‘.

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Zusammenfassung:

Thomas Brotzler

  Thomas Brotzler

Wie im Bildtitel schon erwähnt, knüpft diese Arbeit an die wunderschönen und ironischen Hundebilder von Elliott Erwitt an. Christine läßt damit die ausgetrampelten Pfade einer längst im süßlich-niedlichen Klischee erstarrten Haustierfotografie weit hinter sich.

Speziell bei dieser Arbeit gefällt mir auch die Bildanlage, indem sich das kompositorische Dreieck recht spannend und geschickt mit dem quadratischen Rahmen verbindet; des weiteren der Bildwitz, indem wir Betrachter augenzwinkernd eingeladen werden, uns mit dem ‚hundlichen Sehnsuchtblick durch die Barriere‘ zu identifizieren.

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Bildteil:

Komposition: Grundelemente

Komposition: Strukturdreieck und Blickrichtung

Tonwerte: Histogramm und Zonenverteilung

Tonwerte: Schattenaufhellung

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Einfache Monitore mit sogenanntem TN-Panel sind werkseitig selten auf eine korrekte Farb- und Helligkeitswiedergabe eingestellt. Insbesondere die tiefen Schatten (Zonen 0 bis II) wirken oft wie verklumpt. Die Bilder sind so nur eingeschränkt beurteilbar, da der Monitor nicht das wiedergibt, was der Fotograf beabsichtigte.

Für eine orientierende Monitorprüfung eignet sich der nachstehende Graustufenkeil. Sind alle 26 Abstufungen unterscheidbar, ist zumindest hinsichtlich der Tonwerte alles in Ordnung.

Wenn nicht, ist eine Kalibrierung des Monitors zu empfehlen – softwareseitig bzw. unter Augenkontrolle mit kostenlosen Tools wie etwa dem Monitor Calibration Wizard (das bekannte Adobe Gamma ist mittlerweile nicht mehr verfügbar), hardwareseitig bzw. unter Sensorkontrolle mit Geräten etwa von Datacolor oder X-Rite.

Orientierende Monitorprüfung


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In der Rubrik ‚Bildkritik‘ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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6 Antworten
  1. Christine Frick says:

    Zunächst möchte ich mich ganz herzlich bei Thomas , Alex und Christian für ihre ausführliche Bildanalyse bedanken.
    Das Bild entstand auf einem Tennisplatz ganz in der Nähe meines Wohnortes, so dass ich mir natürlich schon Gedanken über den Bildaufbau gemacht habe. Nun ist das bei der Tierfotografie natürlich wie bei Kleinkindern, die selten das machen, was erwartet wird und deshalb muss man unendlich geduldig sein, den Moment abwarten und dann froh sein, wenn überhaupt was brauchbares dabei ist.
    Ja, bei diesem Bild war ich gerade im Besitz meines neuen Objektives mit der gigantischen Blende 1,4 und der Festbrennweite von 25mm . Umgerechnet mit Faktor 2 entspricht das 50mm. Die Aufnahmen mit meinem kleinen Pinscher habe ich ja jahrelang mit dem Weitwinkel fotografiert, was natürlich den Vorteil hat, dass ich ganz nah beim Hund dran sein kann. Testfotos ohne Hund zeigten mir dann, dass es mit dem neuen Objektiv auch klappen könnte und so bin ich dann mit Leckerli in der Tasche hin, um meine Bildidee zu realisieren. Meinen Hund kann ich mittlerweile so platzieren, dass er auch einen Moment still sitzen bleibt, aber wo er dann hinschaut muss ich ihm überlassen und seiner Geduld :-)
    Meine Bilder bearbeite ich mit PS CS5 und Silver Efex pro 2. Da gibt es ja bekanntlich viele Möglichkeiten, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen. Vor drei Jahren habe ich den Hochpassfilter öfters eingesetzt, aber damit auch oft mein Bild überschärft. Heute nachmittag versuchte ich es bei einer anderen Aufnahme und war erstaunt, was an Schärfe noch ans Licht kommen kann. Aber wie gesagt dieser Filter ist mit Vorsicht zu genießen, wenn man damit nicht umgehen kann, so wie ich damals.
    Gerade die Bearbeitung mit PS und dem Silver Efex pro 2 braucht sehr viel Erfahrung und Übung. Thomas du hast über das Tool Tiefen
    und Lichter meinen Hund viel deutlicher erscheinen lassen. So wirkt das nicht mehr so flach wie bei meiner Bearbeitung.
    Christian, danke für diese ausgezeichnete Bearbeitung mit dem Hochpassfilter, den ich seit heute wieder öfters einsetzen werde. Du kennst nicht nur deine Werkzeuge, sondern kannst auch perfekt damit umgehen.
    Danke !

    Antworten
  2. Christian Bartusch says:

    Obwohl ich selbst relativ viel Erfahrung im Bereich der Hundefotografie gesammelt habe, kann ich kein derartig ausdrucksstarkes Bild vorweisen. Nun schwanke ich gerade zwischen Hochachtung und Neid. Der Wert einer gelungenen Tieraufnahme ist m. E. nicht hoch genug zu bewerten, wenn man bedenkt, dass unsere vierbeinigen Freunde nur selten geneigt sind, irgendwelchen Regieanweisungen zu folgen oder auch nur drei Sekunden in einer Position zu verweilen. ;)

    Die durch Thomas bearbeitete Version würde ich dem Ausgangsbild vorziehen. Die Bedenken, dass durch das Öffnen der Schatten das Bild flau wirke, teile ich eigentlich nicht. Für meinen Geschmack ist auch diese Variante noch ausreichend kontrastreich. Aber was spräche eigentlich dagegen, nach dem Öffnen der Schatten den Kontrast wieder moderat anzuheben? Den kritischen Bereich zwischen den Vorderbeinen könnte man hierbei ggf. per Ebenenmaske aussparen.

    Grüße Christian

    Antworten
    • Thomas Brotzler says:

      Hättest Du vielleicht Muße, das in der genannten Weise einmal auszuarbeiten?

      Ich bin auch gespannt, was Christine selbst zu den Variationen Ihres Bildes meint – ob sie hierin also eine Verdichtung oder eher Verwässerung ihrer Bildabsichten erkennt …

    • Thomas Brotzler says:

      Vielen Dank, Christian. „Da kennt jemand seine Werkzeuge“, dachte ich mir …

      Der Hochpassfilter ist allgemein weniger bekannt, deswegen darf ich hier für unsere Leser ergänzen, daß dies ein Instrument für den Bereich Schärfung und Lokalkontrast ist – weiteres bei Interesse in meinem einschlägigen Tutorial

  3. Alex says:

    Ein wirklich grossartiges Bild von dir Christine und ich kann mich Thomas hier nur anschliessen.
    Lange habe ich mir über die leichte Unschärfe des Hundes Gedanken gemacht. Der Protagonist des Bildes (auf den ersten Blick der Hund) sollte doch eigentlich scharf abgebildet sein, statt dessen hast du wohl absichtlich auf das Netz fokussiert, mit der geringst möglichen Schärfentiefe durch die Blende f/1.4.
    Die Aussage von Thomas „der hundliche Sehnsuchtsblick in Richtung Barriere“, oder Freiheit wird durch diesen bewusst gewählten Schärfeverlauf äusserst gelungen betont und für mich zur Message des Bildes.

    LG Alex

    Antworten

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