Leserfoto:
Quelle der Inspiration

Die Auswahl und Zusammenstellung der Bildelemente entscheidet bisweilen zwischen einem dokumentarischen und besonderen Foto.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (3 Bilder)

 
Ausgangsbild

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Unser Leser Gerhard Bonse aus Köln hat uns das obige Bild unter dem Titel „Der Posaunist” in der Kategorie ‚Event/Musik‘ zur Besprechung eingereicht. Er schreibt dazu: „Der Posaunist spielt auf einem alten Industriegelände, das ihn zu mancherlei Improvisationen inspiriert.”

Zur Aufnahme wurde eine Canon EOS 50D mit dem Zoomobjektiv Canon EF-S 17-85mm f/4-5.6 IS USM verwendet. Die Brennweite betrug 33 mm (entsprechend etwa 53 mm Kleinbildäquivalent bei einem Formatfaktor von 1.6), die Belichtungsdaten waren 1/1600 Sekunde bei Blende f/4,5 und ISO 100 .

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Diese ‚Bildgeschichte des architektonisch eingerahmten und inspirierten Posaunisten‘ gefällt mir recht gut. Auch die Zuordnung zur Kategorie ‚Street‘ wäre ohne weiteres denkbar gewesen. Doch betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente.

Komposition (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Weit links unten platziert fällt uns zum Bildeinstieg jener junge Mann ins Auge (rote Linien ebd.). Er spielt Posaune in einem industriellen Hinterhof, was uns Betrachter überraschen und erheitern mag.

Eingerahmt wird er zum einen durch den Hocker, auf dem er sitzt und den Notenständer vor ihm (orange Linien ebd.), zum anderen durch das verschlossene Tor und das Fenster mit Jalousie im Hintergrund (gelbe Linien ebd.). Diese Gruppe von Bildelementen fungiert als Motivzentrum.

Durch die Schrägansicht des Gebäudes ergeben sich Fluchtlinien nach rechts (grüne Linien ebd.), die zugleich die Blickführung markieren (schwarzer Pfeil ebd.). Nach weiterer Unterteilung des Bildes durch einen etwa im Goldenen Schnitt befindlichen Laternenmast endet die Blickführung bei jenem in die Wand eingelassenen Ventilator (blaue Linien ebd.).

Tonwerte (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Die Belichtung ist recht ausgewogen, das Histogramm zeigt entsprechend einen Median bei knapp 125. Allerdings fällt noch eine Zweigipfligkeit des Histogramm auf, die von der in Zone VIII liegenden, recht hellen Wand und dem in Zone IV liegenden, dunkleren Himmel und Asphalt herrührt.

Vereinzelte Tonwertabbrüche im Schatten- und Lichterbereich stören hier nicht.

Farben:

Orange- und Brauntöne im Hocker und Gebäudefundament kontrastieren mit dem Himmelsblau.

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Zusammenfassung:

Thomas Brotzler

  Thomas Brotzler

Gerhard betätigt sich, wie auch sein Account bei der Fotocommunity belegt (den er hier zwar nicht verlinkt hat, der aber leicht zu recherchieren ist) als ‚fotografischer Flaneur mit Blick für das Außergewöhnliche und Skurrille‘ – so auch in diesem Bild.

Mir gefällt zum einen die besondere Einrahmung des Musikers mit Hocker, Notenständer, Tür und Fenster, zum anderen die Bildgeschichte, die sich im Gegenüber von ‚blasendem Musiker‘ und ‚ausgedientem Gebläse‘ ergibt.

In besagtem FC-Account hat Gerhard das Bild auch als Schwarzweißbild gezeigt – allerdings als Graustufenversion, die auch ich für die Skizzierung der Komposition und Tonwerte verwandte. Hier ginge noch mehr, wenn man die Farbkanäle differentiell aussteuert.

Meine Überarbeitung (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild) zeigt skizzenhaft, wie das Bild mit einem simulierten Rotfilter, einer leichten Rücknahme des Gelbkanals (um den Hocker nicht allzu hell werden zu lassen) und einer leichten Vignettierung aussehen könnte. Es ist ‚ein anderes Bild‘, durch das Hervortreten des Kondensstreifens bekommt der Himmel plötzlich eine stärkere Bedeutung.

Welche Version man bevorzugt, ist dem Betrachter und insbesondere natürlich dem Fotografen unbenommen (mir persönlich gefällt hier die Farbversion fast etwas besser wegen der orange-braunen Farbkleckse); es soll eher die enormen Interpretionsmöglichkeiten aufzeigen, die sich in der Schwarzweißfotografie ergeben …

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Bildteil:

Komposition: Grundelemente und Blickfuehrung

Tonwerte: Histogramm und Zonenverteilung

Überarbeitung: Schwarzweißkonvertierung mit Betonung des Rotkanals

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Einfache Monitore mit sogenanntem TN-Panel sind werkseitig selten auf eine korrekte Farb- und Helligkeitswiedergabe eingestellt. Insbesondere die tiefen Schatten (Zonen 0 bis II) wirken oft wie verklumpt. Die Bilder sind so nur eingeschränkt beurteilbar, da der Monitor nicht das wiedergibt, was der Fotograf beabsichtigte.

Für eine orientierende Monitorprüfung eignet sich der nachstehende Graustufenkeil. Sind alle 26 Abstufungen unterscheidbar, ist zumindest hinsichtlich der Tonwerte alles in Ordnung.

Wenn nicht, ist eine Kalibrierung des Monitors zu empfehlen – softwareseitig bzw. unter Augenkontrolle mit kostenlosen Tools wie etwa dem Monitor Calibration Wizard (das bekannte Adobe Gamma ist mittlerweile nicht mehr verfügbar), hardwareseitig bzw. unter Sensorkontrolle mit Geräten etwa von Datacolor oder X-Rite.

Orientierende Monitorprüfung


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In der Rubrik ‚Bildkritik‘ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Antwort
  1. Gerhard Bonse says:

    Herzlichen Dank für den ausführlichen und professionellen Kommentar, den ich so auch gerne unterschreiben möchte. Mit herzlichen Grüßen Dr.Gerhard Bonse

    Antworten

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