Tutorial Landschaftsfotografie (3/6):
Den Raum gliedern

In der Lndschaftsfotografie geht es unter anderem darum, den Raum zu erfassen und auf einem zweidimensionalen Medium dreidimensional erscheinen zu lassen.

Abb. 9: Abendstimmung bei Tréguier (Eigenes Portfolio, Bretagne 2010)

Abendstimmung bei Tréguier (Eigenes Portfolio, Bretagne 2010)

Es soll in diesem Abschnitt noch nicht um die Feinplatzierung der Einzelelemente, sondern um die grundsätzliche Gliederung der aufnahmewürdigen Szene gehen.

In irgendeiner Weise müssen wir den Raum in unserer Bildfassung ja strukturieren und verteilen. Gerade bei Amateurfotografen ist die vertikale Mittigkeit des Horizonts immer wieder anzutreffen – dies entspricht zwar der natürlichen (geraden bzw. unverkippten) Ausrichtung der Kamera, doch ist es im Sinne einer spannungsvollen Komposition nur selten eine gute Lösung.

Wirksamer und überzeugender ist es, die Horizontlinie in den Bereich zwischen Bilddrittel und Goldenem Schnitt zu legen – so entsteht ein ‚konstruktives Ungleichgewicht‘, ein Spannungsbogen zwischen den Bildpartien. Ob man dabei nun der Land- oder der Himmelspartie den Vorzug gibt, hängt von der Szenerie ab – ein Seestück mit ruhigem Wellengang und dramatischer Wolkenstruktur wird zumeist von einer Überbetonung des Himmels profitieren, während es sich bei einer reich gegliederten Landschaft mit Bergkette im Hintergrund anbietet, den Horizont eher hochzuziehen.

Abb. 10: Col de la Pierre Saint-Martin (Eigenes Portfolio, Pyrenäen 2009)

Col de la Pierre Saint-Martin (Eigenes Portfolio, Pyrenäen 2009)

Indem man den Horizont aus der Bildmitte bringt, resultiert etwas, was man als ‚Drittelregel der Landschaftsfotografie‘ kennt – am Beispiel besagter Landschaft wäre dies ein Drittel Vordergrund, ein Drittel Mittel- bzw. Hintergrund, ein Drittel Himmel.

6. Komposition (3) – Die Platzierung der Elemente …
Abb. 11: Blick auf den Lochenstein (Eigenes Portfolio, Schwäbische Alb 2014)Das Moment der ‚Drittelteilung des Bildes‘ klang im vorherigen Abschnitt schon an. Durch eine solche Staffelung werden im Bild Räume geschaffen, die dann durch verschiedene Elemente gefüllt werden können.

Für die reichgegliederte Landschaft würde demnach gelten, daß sich im Vordergrund bzw. unteren Bilddrittel zweckmäßigerweise jene scharf gezeichneten und bildwichtigen Objekte wiederfänden, die dem Betrachter als Blickfang und Einstiegspunkt in die weitere Bildbetrachtung dienten. Dem mittleren Bilddrittel käme in diesem Konzept die Funktion eines Kontrapunktes des Hauptmotivs zu – die üblicherweise im Mittel- bis Hintergrund befindlichen Strukturen würden demnach Form und Anmutung des Hauptmotivs aufgreifen und darin teilweise fortführen, teilweise variieren. Das obere Bilddrittel diente dann als eine Art Abschluß bzw. ‚Versiegelung des Bilddurchgangs‘ – die Himmelsstruktur mit ihren Wolkenformationen würde dann die Landschaftsszene mit besagter Staffelung überspannen (siehe dazu auch Abb. 11).

Abb. 12: Pointe du Van (Eigenes Portfolio, Bretagne 2010)Für das im vorherigen Abschnitt ebenfalls schon angedeutete Seestück ergäbe sich eine andere Ordnung – das mittlere Bilddrittel umfaßte hier bei herabgezogenem Horizont ebenfalls Strukturen des Himmels, die aber in Diesigkeit bzw. Unschärfe verfielen und somit wenig Detailstruktur aufweisen; die entscheidenden Ebenen wären hier also das untere und obere Bilddrittel, indem etwa sichtbare Strukturen des Vordergrunds wie etwa Küstenelemente, Wellengang oder Buhnen in einen Dialog mit einer dramatischen Wolkenstaffelung im Himmel träten.

3 Antworten
  1. jörg eberl says:

    ganz gut aber ansehen und verstehen,ABER nicht nur „NACHMACHEN“
    sehr gute Informationen,bitte so weiter,für alle zu verstehen,diese sprache..je

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  1. […] Auch den Standort hast Du mit einem gewissen Bedacht gewählt: Die Tannen im Vordergrund sind ein wichtiges gestalterisches Element, das viele Landschaftsfotografie-Anfänger auslassen, weil sie möglichst viel der spektakulären Ferne abbilden wollen – und damit auf die Tiefe verzichten, die so ein Bild unbedingt mitbringen muss, damit es nicht flach wirkt. […]

  2. […] durch einen Artikel in der neusten Ausgabe der Fotoespresso und der Seite fokusiert.com hat mich meine 50mm Reise in Woche #29 noch einmal raus in die Natur gezogen. Bin noch nicht so […]

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