Leserfoto:
Naturnahes Idyll

Ein sehr gelungenes Beispiel der Landschaftsfotografie möchte ich Euch in der heutigen Bildbesprechung vorstellen.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (5 Bilder)

 
Ausgangsbild

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Unser Leser Adrian Ritz aus Visp im Kanton Wallis hat uns das obige Bild unter dem Titel „Hamnøy” in der Kategorie ‚Landschaftsfotografie‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Das Foto zeigt das kleine Fischerdorf Hamnøy mit seinen idyllischen bunten Pfahlbauten und der atemberaubenden Naturschönheit der Lofoten. Aufgenommen wurde es an einem Septemberabend kurz vor Sonnenuntergang. Gerne würde ich eure Meinung zu dem Bild hören … Exifs: Kamera: Nikon D3s Objektiv: Nikon AF-S 24-70mm F/2.8G ED Brennweite: 24mm Belichtung: 1/25s bei f/10.”

Über seine sehr wertige Ausrüstung und die Aufnahmedaten hatte Adrian bereits berichtet. Zu ergänzen wäre noch, daß beim hier verwendeten Vollformat die abgelesene der kleinbildäquivalenten Brennweite entspricht.

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Betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente.

Komposition (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Ein anmutiges Landschaftsbild im Querformat, mit Gebirge, Meer und einer wie mit der Natur verwachsenen Ortschaft empfängt den Besucher.

Durch den an dieser Stelle maximalen Kontrast (ich komme auf diesen Aspekt bei den Tonwerten zurück) ragt die rechts unten im Bild liegende Ortschaft hervor (siehe rote Linien ebd.). Ihre eckigen Konturen werden durch die bogige Uferlinie gekontert und zugleich eingerahmt (siehe gelbe Linien ebd.).

Schräg hinter dem Ort, etwas oberhalb der Bildmitte liegend ragt ein kleiner Berg hervor, vielleicht der ‚Hausberg dieser Ortschaft‘ (siehe blaue Linien ebd.). Noch weiter im Hintergrund findet sich eine kleine Bergkette, die sich sowohl gegenüber dem Himmel wie dem Meer abgrenzt (siehe violette Linien und Punkte ebd.).

Die Blickführung entspricht hier einer ‚absteigenden Diagonale‘ (siehe grüner Pfeil ebd.), ohne daß hierdurch der in der klassischen Kompositionslehre angelegte ‚Symbolismus der Bedrückung bzw. des Niedergangs‘ zitiert wird. Wenn wir eine Beobachterwarte links unten vorstellen, entsteht hier eher ein reizvoller ‚Vorbeimarsch der Bildelemente am Betrachter‘.

Tonwerte (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Das Histogramm weist einen Median von gut 115 auf, die Mitten sind gut belegt, doch zeigt sich auch eine Zweigifligkeit in den Zonen I bis II und VIII bis IX. Die Belichtung ist gleichwohl noch als ausgewogen zu bezeichnen, indem keine nennenswerten Tonwertabbrüche im Schatten- und Lichterbereich vorliegen.

Bei der Beschriftung der Tonwertbereiche habe ich diesmal eine kleine Neuerung eingebaut, die hoffentlich noch zur besseren Veranschaulichung beiträgt: ein hoher Kontrastumfang eines Teilbereichs ist durch eine große, ein niedriger durch eine kleine Schriftgröße symbolisiert.

In diesem Sinn ragt, wie oben schon erwähnt, die Ortschaft durch die Belegung der Zonen I bis VIII heraus – ein hoher Kontrastumfang zieht den Blick besonders an und läßt das Element hervortreten. Es folgt der Hausberg in den Zonen I bis V, der immer noch sehr akzentuiert, doch schon etwas zurückgesetzt wirkt.

Im niederkontrastigen Milieu liegt das Meer mit den Zonen III bis VI, die Hintergrundberge in den Zonen II bis IV und auf der hellen Tonwertseite schließlich der Himmel in den Zonen VII bis IX.

Farben:

Eine angenehm ruhige, dem Auge gefällige Farbgebung herrscht im Bild vor.

Bestimmend sind dabei die Blautöne, die sich vom Meer über die Berge bis zum Himmel erstrecken. Einzelne Rot- und Grüntöne der Ortschaft ragen als Farbtupfer heraus.

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Zusammenfassung:

Thomas Brotzler

  Thomas Brotzler

Adrians Arbeit ist ein sehr gelungenes Beispiel der Landschaftsfotografie und zeigt ein Idyll ohne Kitschanmutung.

Das schon erwähnte ‚Défilé der Bildelemente‘ weiß zu gefallen, ebenso die ruhige Farbgebung und die schöne Raumstaffellung durch zunehmende Einschränkung des Kontrastumfang zum Hintergrund zu.

Die so naturnahe wirkende Ortschaft wirkt hier auch nicht als störendes Beiwerk (wie oft bei weniger gelungenen Landschaftsfotografien), sondern eher als reizvoller Maßstab, der dem Betrachter die Größenverhältnisse offenbart.

Das Bild könnte vielleicht noch etwas mehr ’strahlen‘, die Ortschaft noch etwas mehr hervorgehoben werden. Die untenstehende Überarbeitung zeigt skizzenhaft, wie dies aussehen könnte. Das dazugehörige Histogrammm-Manöver ist eingeblendet, wobei die Himmelspartie dabei ausgespart, die Bergkette im Hintergrund etwas abgewedelt und der Hausberg nachbelichtet wurde.

Norwegen erscheint mir persönlich als ein Land, welches in der Weitwinkligkeit mit am besten zur Geltung kommt. Ihr seht unten noch eine Vergleicharbeit aus meinem eigenen Portfolio. Meine Norwegenexkursion 2009 war übrigens das einzige Projekt, welches ich nicht vollständig in Schwarzweiß ausgeführt habe – so wunderschön und unverzichtbar erschienen mir vielerorts die Farben.

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Bildteil:

Komposition: Grundelemente

Komposition: Blickführung

Tonwerte: Histogramm und Zonengewichtung

Überarbeitung

Vergleichsarbeit: Exkursion 2009, Ålesund am Abend, 28 mm Brennweite

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Einfache Monitore mit sogenanntem TN-Panel sind werkseitig selten auf eine korrekte Farb- und Helligkeitswiedergabe eingestellt. Insbesondere die tiefen Schatten (Zonen 0 bis II) wirken oft wie verklumpt. Die Bilder sind so nur eingeschränkt beurteilbar, da der Monitor nicht das wiedergibt, was der Fotograf beabsichtigte.

Für eine orientierende Monitorprüfung eignet sich der nachstehende Graustufenkeil. Sind alle 26 Abstufungen unterscheidbar, ist zumindest hinsichtlich der Tonwerte alles in Ordnung.

Wenn nicht, ist eine Kalibrierung des Monitors zu empfehlen – softwareseitig bzw. unter Augenkontrolle mit kostenlosen Tools wie etwa dem Monitor Calibration Wizard (das bekannte Adobe Gamma ist mittlerweile nicht mehr verfügbar), hardwareseitig bzw. unter Sensorkontrolle mit Geräten etwa von Datacolor oder X-Rite.

Orientierende Monitorprüfung


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In der Rubrik ‚Bildkritik‘ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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