Tutorial Landschaftsfotografie (5/6):
Farbe und Motiv

 Das Drama in der Natur besteht bisweilen auch in der Farbe, auf jeden Fall aber ist sie ein Element, das es zu beachten gilt. 

Abb. 17:

Mountainbiking Gardasee (© Christian Bertram)

Die Farben seien doch da in der Landschaft, was es also hier zu diesem Thema noch zu sagen gäbe? Eines vor allem, was mit dem ‚Kalt-Warm- bzw. Farbtemperatur-Kontrast‘ zu tun hat: regelmäßig finden sich in der Landschaft kühlere Töne (in Richtung Blau, Türkis und Grün) im Hintergrund, was auch mit Diesigkeit und einer Überlagerung durch das Himmelsblau zu tun hat; wärmere Töne (in Richtung Rot, Orange und Gelb) hingegen im Vordergrund.

Diese Verteilung der Farbtemperaturen macht Sinn und verstärkt den Eindruck von Räumlichkeit im Bild; es entspricht auch unserer Seherwartung, nach der kühlere Töne von uns abrücken, wärmere Töne hingegen auf uns zukommen.

Darüber hinaus spielt natürlich auch die Farbpsychologie bzw. der szenische Kontext eine Rolle – wir können uns vorstellen, daß ein sommerliches Himmelsblau eine andere (heitere) Wirkung entfaltet wie das Graublau eines (bedrohlich) heranziehenden Gewitters.

Einige Worte zur Vorbereitung …

An dieser Stelle möchte ich gerne nochmals beim Abschnitt ‚Motivsuche‘ anknüpfen. Ich hatte dort auf die Bedeutung der ‚Entschleunigung und Bewußtmachung‘ abgehoben und das Stativ als ein ‚Instrument der konstruktiven Verlangsamung‘ bezeichnet.

Wie kann eine Stativarbeit nun vonstatten gehen? Daß sie Zeit und Sorgfalt benötigt, daß ‚Mitschleppen, Aufbauen und Ausrichten‘ eine gewisse Mühsal bedeuten, war schon Thema – auch im Sinne einer ’nötigen Mühe, die ein besseres Bildergebnis verspricht‘. Doch müssen wir es in diesem Sinn auch nicht übertreiben, bis ‚unsere Bandscheiben Alarm schlagen‘ oder wir endgültig den Spaß an der Sache verloren haben …

Abb. 18: Blick auf Schafberganstieg und Lochenstein (Eigenes Portfolio, Schwäbische Alb 2014)Ein pragmatisches Vorgehen bietet sich insofern an – nach besagter innerer Einstimmung, die (wie oben bereits im Einzelnen dargestellt) durchaus einige kontemplative bzw. meditative Elemente beinhaltet, gehe ich vor Ort auf die Suche und ‚untersuche die Objekte‘ – ich suche also nach dem äußeren Bild, welches meinem inneren Bild (einer erweiterten sensorischen Wahrnehmung, einem Stimmungsbild …) in bestmöglicher Weise entspricht. Mir persönlich ist wichtig, dies nicht andersherum zu machen, also so lange dumpf durch die Szene zu latschen, bis ich irgendwann irgendwas finde, was mich irgendwie anspricht…

Hier ist ein Punkt in der Motivsuche bzw. -findung erreicht, der sich nicht ganz leicht in Worte fassen läßt: überspitzt formuliert wäre es eine Art ’suche nicht, und Du wirst finden‘; anders ausgedrückt würde man im Idealfall einen Gutteil jener kontemplativen bzw. meditativen Gestimmtheit aufrechterhalten und dann, wenn ‚äußeres und inneres Bild zusammenpassen‘, ein Evidenzgefühl (‚hier ist es richtig‘) verspüren können.

Gehen wir also davon aus, daß jenes innere ‚Pendel der Richtigkeit‘ ausgeschlagen hätte und wir entsprechend spürten, ‚am richtigen Ort zu sein‘. Dann gilt es, die Szene zu erforschen – etwas näher treten, wieder Abstand nehmen, auch einmal nach links oder rechts gehen, das Ganze von einem höheren und tieferen Standpunkt aus betrachten; bis wir den Eindruck gewinnen, die vor Ort vorhandenen Elemente in eine gute kompositorische Ordnung bringen zu können.

Wenn sich nun auch die Szene vor unserem optischen und geistigen Auge in solcher Weise abzuzeichnen beginnt, so plädiere ich doch weiterhin für ein gemächliches und bedachtes Vorgehen – man könnte etwa beide Hände zu einem Rahmen formen, diesen erweitern oder verengen (im Sinne einer simuliert kürzeren oder längeren Brennweite), um der Szene eine vorläufige Form zu geben; oder (wenn dies schwerfällt) das Ganze mit der freigeführten Kamera nachzustellen.

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