Tutorial Landschaftsfotografie (6/6):
Die Checkliste

Abb. 19: Cirque de Gavernie (Eigenes Portfolio, Pyrenäen 2009)

Cirque de Gavernie (Eigenes Portfolio, Pyrenäen 2009)

In der entschleunigten Landschaftsfotografie lohnt sich ein sorgsam aufbauendes Vorgehen bei der Fotografie. 
Wir haben nun (um beim vorherigen Abschnitt anzuknüpfen) einen ‚Ort der subjektiven Richtigkeit‘ entdeckt, diesen ausreichend erforscht und eine uns überzeugende Vorstellung von Blickwarte und Ausschnitt entwickelt. Nun bauen wir das Stativ auf, montieren die Kamera darauf und versuchen, die Szene in solcher Weise nachzustellen.

Das Stativ verwandelt sich nun von einem ‚Instrument der Entschleunigung‘ zu einem wichtigen ‚Helfer der Aufnahme‘ – Fokussierung und Lichteinmessung sind auf solche Weise wesentlich genauer und subtiler zu bewerkstelligen wie mit Hilfe der freigeführten Kamera.

  • Einzelheiten der Aufnahmesteuerung hatte ich in den verschiedenen Grundlagentutorials auf Fokussiert schon erwähnt, deswegen hier nochmals stichwortartig:

    Exakte Festlegung des Ausschnitts,
  • Wechsel in den Live-View-Modus,
  • Darstellung und akkurate Fokussierung des Hauptmotivs mit wanderndem Cursor in der maximalen Zoomstufe,
  • Rückkehr in die Normalansicht des Live-View-Modus‘,
  • Überlegungen zur gewünschten Schärfentiefe und damit Blendenwahl,
  • Einblendung des Histogramms,
  • Ausmessung der hellsten und dunkelsten Bildpartien mit wanderndem Cursor, ggf. manuelle Belichtungskorrektur zur Erzielung eines leicht rechtsgeneigten Histogramms unter Meidung von Tonwertabbrüchen im Lichterbereich,
  • verwacklungsmeidende Auslösung mittels Fernauslöser und zwei Sekunden Verzögerung,
  • Anfertigung einer Belichtungsreihe als Grundlage möglicher Ebenenüberlagerung oder HDR-Verarbeitung

Zusammenfassung 

Es ist zu diesem Thema nun doch einiges zusammengekommen, wie ich beim Abfassen des Tutorials merkte: „hier muß noch etwas dazu, da ist etwas zu viel, dort müßte noch klarer formuliert oder illustriert werden …

Freilich ist die Landschaftsfotografie auch ein hochkomplexes Thema, und es erschiene mir vermessen, hierin eine erschöpfende Abhandlung oder gar einen Alleinvertretungsanspruch beanspruchen zu wollen. Eine Bündelung und Mitteilung eigener Erfahrungen in einem langwierigen, oft genug auch mühsamen und frustrierenden Lernprozeß sollte es stattdessen sein …

Ich hoffe auch, mit der hiesigen Darstellung einen vertretbaren ‚Kompromiß zwischen Fülle und Klarheit‘ gefunden zu haben. Gerne will ich abschließend nochmals einige Gedanken und Thesen herausstellen, die mir persönlich zu diesem Thema besonders wichtig erscheinen …

  • Man kann sich mit offenem Auge und Herzen ‚an der Landschaft wohl leichthin berauschen‘, denn ‚die Natur selbst malt Bilder‘, die wir Menschen uns in ihrer Vielfalt und Schönheit wohl schwerlich ersinnen können.
  • Man kann ‚an der Landschaft aber auch schier verzweifeln‘, denn die Vielzahl der Landschaftselemente, die Übermacht der Naturgewalten, die von uns nicht beeinflußbaren Wetterstimmungen und Lichtwirkungen mögen uns Menschen bisweilen auch eine ziemlich klare Idee unserer Kleinheit und unseres Ausgeliefertseins vermitteln.
  • So sind wir also unweigerlich nur ‚Gast in der Landschaft‘, und wir können hierin allenfalls ‚das für uns Richtige finden‘, was nicht wenig ist. Die sonst gegebenen Einflußmöglichkeiten der Platzierung und Ausleuchtung (wie etwa bei Studioarbeit, Porträt- und Innenraumaufnahmen) stehen uns hier hingegen nicht zur Verfügung.
  • Ich hatte relativ deutliche Position gegen die ‚weitverbreitete Übersteigerungsform des Sensationismus‘ in der Motivwahl‘ bezogen und dazu ermuntert, auch und gerade in schlichten, nahegelegenen und oftmals übersehenen Motiven Schönheit und Tiefe zu suchen.
  • Des weiteren hatte ich die Bedeutung einer ’subjektiven und entschleunigten Fotografie‘ dahingehend betont, daß es letztlich um unsere eigenen, ‚inneren Bilder‘ (jene unserer Vorstellungen, Sichtweisen und Empfindungen) geht, für welche wir eine Entsprechung oder zumindest Annäherung in den ‚äußeren Bildern‘ suchen.
  • Bei den kompositorischen Aspekten hatte ich auf die grundsätzliche Bedeutung der (rahmenbildenden) Formatwahl, des weiteren auf die nötige Gliederung des Raums und Platzierung der Elemente hingewiesen.
  • Von großer Bedeutung für eine gelungene Landschaftsfotografie sind auch die dramaturgischen Aspekte. Hier spielen Wetter und Licht die entscheidende Rolle, wie ich an einigen Beispielen aufzuzeigen versuchte.
  • Auch die Farbe blieb nicht gänzlich unerwähnt, was man mir als passioniertem Schwarzweißfotografen ja grundsätzlich auch zugute halten könnte :o) …
  • Schließlich ging es noch um einige Aspekte der Aufnahmesteuerung, wobei dem Stativ hierbei eine doppelte Funktion als einem ‘Instrument der Entschleunigung’ und zugleich einem ‘Helfer der Aufnahme’ zukommt.

2 Antworten
  1. Sascha Ley says:

    Vielen Dank für diese ausführliche und sehr angenehm formulierte Beschreibung. Als Neuling in der Fotografie suche ich mir zurzeit aus diversen Quellen Anregungen und Tipps heraus. Das Problem ist oft entweder die schreckliche Verknappung, die für den interessierten Anfänger nur bedingt hilfreich ist, oder der Brustton der Überzeugung, mit dem die eigenen Dogmen vorgetragen werden („Ich bin im Besitz der einzig seligmachenden Weisheit…“). Ich suche aber nach „Appetizern“ und Tipps, die mich (aktuell zum Thema Motivsuche & Bildkomposition) weiterbringen. Danke übrigens auch ganz ausdrücklich für den Hinweis zu den „sensationellen“ Bildern. Wieviele bis zur Unkenntlichkeit „gephotoshopte“ HDR-Bilder in den abstrusesten, buntesten Farben habe ich bisher gesehen? Und jedesmal dachte ich: „DAS soll eine Landschaftsfotografie sein? Davon soll ich Lernen??“

    Vielen Dank dafür. Ich werde fokussiert.com weiter interessiert verfolgen!

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  1. […] Einige nützliche Tipps zu diesem Thema findet ihr auch im Blog von fokussiert.com von Thomas Brotzler in seinem mehrteiligen Blogartikel. […]

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