Leserfoto:
Zwei Ebenen im Bild

Eine ungewöhnliche und interessante, in gewisser Weise fast ‚doppelbödige‘ Landschaftsaufnahme möchte ich Euch in der heutigen Bildbesprechung präsentieren.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (6 Bilder)

 
Ausgangsbild

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Unser Leser Beat Tschanz aus Hünenberg See im Kanton Zug hat uns das obige Bild unter dem Titel „Die Schönheit des Winters” in der Kategorie ‚Landschaftsfotografie‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Hallo fokussiert.com Team! Ich sende Euch hier eine Aufnahme von mir in der Hoffnung auf Kritik und Veröffentlichung ein. Ich beschäftige mich erst seit Ende Juli 2013 mit Digitaler Fotografie und bin stets am lernen und lesen, wie auch Bilder und deren Kritik zu lesen. Nebst meiner aktuellen Passion, der Langzeitbelichtung und Nachtfotografie habe ich einen Ausflug ins verschneite Zürcher-Oberland gemacht, dabei ist diese Aufnahme entstanden. Sie zeigt die rauhen Verhältnisse am Albis, dem Bergrücken zu Zürich, dessen kalte, trockene Winde dieses schöne Eis- und Farbenspiel entstehen liessen. Zur Aufnahme: Kamera: Canon EOS 60D Objektiv: Canon EF-S 60mm f2.8 / Macro Brennweite: 60mm Blende: f5.6 Belichtungszeit: 1/250 sISO 100 Ich würde mich sehr über Eure professionelle, konstruktive Kritik freuen und verbleibe mit freundlichen Grüssen, Beat Tschanz”

Über Ausrüstung und Aufnahmedaten hatte Beat bereits berichtet. Zu ergänzen wäre noch die kleinbildäquivalente Brennweite von 96 mm bei einem Formatfaktor von 1,6.

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Betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente.

Komposition (siehe dazu untenstehende, gleichnamige Bilder):

Beats Arbeit setzt sich im Grunde genommen aus einem ‚Strukturbild im Vordergrund‘ und einem ‚Landschaftsbild im Hintergrund‘ zusammen.

Dies macht unzweifelhaft seinen Reiz aus, doch bedingt es auch gewisse Schwierigkeiten, die kompositorische Elemente wie gewohnt zu visualiseren. Deswegen kommt zu den üblichen ‚bunten Linien‘ diesmal noch eine Posterisationsstudie dazu (siehe ggf. auch mein Tutorial ‚Posterisation als ergänzendes Hilfsmittel der Bildanalyse‘) …

Das ‚Strukturbild im Vordergrund‘ besteht aus quadratischen, um 45 Grad gekippten Feldern (den Maschen den Zaunes, siehe rote Linien ebd.) samt der sich dort anlagernden Vereisung (gelbe Linien ebd., nur für ein Feld exemplarisch eingezeichnet). Die Felder füllen das ganze Bild aus, deren Anschnitte an den Bildrändern sind links und rechts fast gleich, während sie oben und unten etwas auseinanderklaffen (ohne Abbildung).

Das ‚Landschaftsbild im Hintergrund‘ deutet sich in den Durchblicken durch besagte Felder an. Ganz rechts unten sehen wir eine dunkle Struktur, die wir anhand der Baumgipfel als Waldgruppe zuordnen können (siehe blaue Linie ebd.). Darüber folgt eine helle Struktur, die wir angesichts der winterlichen Szenerie als schmales Schneefeld identifizieren mögen (ohne Abbildung). Weiter oben, von links nach rechts leicht ansteigend im unteren Viertel beginnend und im unteren Drittel endend, folgt ein weiterer, dunkel gehaltener Streifen, den wir angesichts seiner Konturen als Hügelkette interpretieren dürfen (siehe türkisfarbene Linien ebd.). Ins Auge fällt links oben schließlich noch der in Unschärfe fallende Anschnitt eines winterlich entlaubten Baumes (siehe grüne Linie ebd.).

Nun noch zur angekündigten Posterisation, die mittels einer Reduktion von Tonwerten die wesentlichen Strukturen herauszuarbeiten versucht. Tatsächlich grenzen sich nach meinem Dafürhalten hier die Vorder- und Hintergrundebene deutlicher voneinander ab.

Tonwerte (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Die Belichtung ist sehr ausgewogen, das Histogramm zeigt sich mittenbetont und normalverteil bei einem Median von gut 130.

Die Strukturebene im Vordergrund zeigt eine gute Abstufung mit dunkel gehaltenem Draht in den Zonen I bis II, schattiger Eispartie in den Zonen V bis VI und lichter Eispartie in den Zonen IX bis X.

Die Landschaftsebenen im Hintergrund ist von dunklen zu hellen Tonwerten in die Baumreihe in Zone I, die Hügelkette in den Zonen II bis III, den Himmel in den Zonen IV bis VI und den Schneestreifen in den Zonen VI bis VIII gestaffelt.

Farben:

Blaue und blaugraue Töne beherrschen das Bild.

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Zusammenfassung:

Thomas Brotzler

  Thomas Brotzler

Das Bild überzeugt schon durch seine ausgewogene Belichtung und die ebenso fröhliche wie kräftige Farbgebung. Von besonderem Reiz ist auch die beschriebene Staffelung in eine vordergründige Struktur- und eine hintergründige Landschaftsebene. Hierdurch entsteht ein inhaltlicher Kontrast bzw. Spannungsbogen, der ein Bild vom üblichen Schnappschuß abhebt.

Man könnte noch den Kontrastumfang insbesondere im Schattenbereich ausschöpfen und der Mitteltonkonstrast anheben. Das Bild wirkte dadurch weniger flau, dafür prägnanter und leuchtender, wie die ‚Überarbeitung 1‘ (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild) skizzenhaft aufzeigen soll.

Nicht von der Hand zu weisen schiene auch eine Schwarzweißkonvertierung wie in ‚Überarbeitung 2‘ (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild, nicht zu verwechseln mit den einfachen Graustufenumwandlungen zu Illustrationszwecken). An Brillanz verlöre die Szene dadurch nicht, wohl aber an Lieblichkeit, während andererseits der dramatische bzw. ‚rauhe‘ Eindruck der Szene betont würde.

Was man letztlich bevorzugt, hängt natürlich in erster Linie vom Konzept und der Intention des Fotografen ab.

Wie die schon etwas ältere Vergleichsarbeit aus meinem eigenen Portfolio aufzeigen soll, beschäftigten auch mich solche ‚Zaunbilder mit doppelter Ebene‘, doch ging es mir hierbei um die Visualisierung einer ‚gefangenen bzw. ausgesperrten Natur‘ bzw. eines ‚gebrochenen Idylls‘.

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Bildteil:

Komposition: Grundelemente

Komposition: Posterisation

Tonwerte: Histogramm und Zonenverteilung

Überarbeitung 1: Kontrasterhöhung

Überarbeitung 2: Schwarzweißkonvertierung

Vergleichsarbeit: Gebrochenes Idyll (2009)

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Einfache Monitore mit sogenanntem TN-Panel sind werkseitig selten auf eine korrekte Farb- und Helligkeitswiedergabe eingestellt. Insbesondere die tiefen Schatten (Zonen 0 bis II) wirken oft wie verklumpt. Die Bilder sind so nur eingeschränkt beurteilbar, da der Monitor nicht das wiedergibt, was der Fotograf beabsichtigte.

Für eine orientierende Monitorprüfung eignet sich der nachstehende Graustufenkeil. Sind alle 26 Abstufungen unterscheidbar, ist zumindest hinsichtlich der Tonwerte alles in Ordnung.

Wenn nicht, ist eine Kalibrierung des Monitors zu empfehlen – softwareseitig bzw. unter Augenkontrolle mit kostenlosen Tools wie etwa dem Monitor Calibration Wizard (das bekannte Adobe Gamma ist mittlerweile nicht mehr verfügbar), hardwareseitig bzw. unter Sensorkontrolle mit Geräten etwa von Datacolor oder X-Rite.

Orientierende Monitorprüfung


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In der Rubrik ‚Bildkritik‘ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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