Leserfoto:
Abfotografiert

Mit Fragen eigener bzw. ‚ausgeliehener‘ Schöpfung wollen wir uns in der heutigen Bildbesprechung befassen.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (3 Bilder)

 
trommelwirbel_Ausgangsbild

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Unser Leser Bernd Plumhof aus dem rheinland-pfälzischen Gutweiler hat uns das obige Bild unter dem Titel „Trommelwirbel” in der Kategorie ‚Event/Musik‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Aufgenommen im Theater von Kunming im Nov. 2009 bei einer Aufführung mit traditionellen Trachten, wo Geschichten durch Tanz und Kostüme ‚erzählt‘ werden. Das Bild gefällt mir persönlich wegen der zwei Ebenen, die farblich von einander getrennt sind und Tiefe vermitteln. Nikon D700 mit Nikkor 1:2,8 24-70mm, Bl. 2,8; 1/125; ISO 1600”

Über Ausrüstung und Aufnahmedaten hatte Bernd bereits berichtet. Zu ergänzen wäre noch, daß abgelesene und kleinbildäquivalente Brennweite beim hier verwendeten Vollformat identisch sind.

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Das mit 4256 × 2832 Pixel eingereichte Bild wurde zur Darstellung auf normalen Monitoren auf 1000 x 665 Pixel verkleinert. Doch betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente.

Komposition (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Hauptperson ist jener nahe des unteren Bildrandes und etwa in Drittel von links platzierte Trommler (rote Linien ebd.). Seine ‚Arbeitsmittel‘ sind um ihn herum gruppiert (orange Linien ebd.), seine ‚Bodenhaftung‘ ist durch einen hellen Spot verdeutlicht (gelbe Linien ebd.).

Eine Reihe weiterer Trommler wird im Mittelgrund erkennbar (blaue Linien ebd.), während der Hintergrund durch eine große, symbolisierte Sonne markiert wird (grüne Linien ebd.).

Tonwerte (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Das Histogramm zeigt sich deutlich linksschief, bei einem Median von knapp 30. Der Bildeindruck ist insgesamt sehr dunkel, die Mitten sind gering belegt, die Lichter brennen an manchen Stellen aus.

Farben:

Fahle Gelbtöne bestimmen den Vorder- und Mittelgrund, kontrastiert von einem fast reinen Rot im Hintergrund.

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Zusammenfassung:

Thomas Brotzler

  Thomas Brotzler

Bernds Bild zeigt ein ‚wohlgestaltetes Bühnenbild‘ mit einer interessanten Staffelung der Ebenen, Tonwerte und Farben. Man kann dieser Arbeit zusprechen, etwas von anderen (Regisseur, Aufführende, Bühnenbildner, …) Geschaffenes ansehnlich festgehalten zu haben.

Doch genau an diesem Punkt wird es kritisch: dies ist eigentlich der Job von beauftragten ‚still photographers‚ (der deutsche Begriff des ‚Standfotografen‘ kommt mir doch etwas schräg vor) bzw. seines Pendants bei Bühnenproduktionen, dessen Bildergebnisse für das Marketing verwendet werden.

Hier geht es also um finanzielle und urheberrechtliche Interessen, und da kann es ‚rasch ungemütlich werden‘. Entsprechend wäre bei der Publikation solcher nichtautorisierter Fotografien (für unsere Zwecke möchte ich auf den ‚Schulungscharakter in einem überschaubaren Umfeld‘ verweisen) größere Zurückhaltung zu empfehlen.

Das Thema einer urheberrechtlich schadlosen Einbindung von Werken anderer ist eine hochkomplexe Angelegenheit, die hier nur angerissen werden kann.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist der Begriff der ausreichenden Gestaltungshöhe, die ein Bild durch eigene Komposition, Belichtung und Ausarbeitung klar als geistige Schöpfung erkennen läßt und zum ‚Lichtbildwerk‘ veredelt, für welches der Fotograf wiederum rechtsgültige Urheberschaft beanspruchen kann – dabei das ‚rechtebewehrte Werk anderer‘ in den Mittelpunkt zu stellen oder gar zum einzigen Bildinhalt zu machen, ist mit diesem Konstrukt jedenfalls kaum vereinbar.

Diese Hinweise, darauf muß ich in eigener Sache noch hinweisen, sind keine juristische Expertise und kein Vorgriff auf mögliche Entscheidungen im Streitfall – solches stünde mir als Nichtjuristen auch gar nicht zu. Sie sind vielmehr (juristisch laienhafte) Ableitungen der urheberrechtlichen Gegebenheiten, mit denen wir Fotografen uns tunlichst auch beschäftigen sollten.

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Bildteil:

Komposition: Grundelemente

Komposition: Blickführung

Tonwerte: Histogramm und Lichterbeschnitt

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Einfache Monitore mit sogenanntem TN-Panel sind werkseitig selten auf eine korrekte Farb- und Helligkeitswiedergabe eingestellt. Insbesondere die tiefen Schatten (Zonen 0 bis II) wirken oft wie verklumpt. Die Bilder sind so nur eingeschränkt beurteilbar, da der Monitor nicht das wiedergibt, was der Fotograf beabsichtigte.

Für eine orientierende Monitorprüfung eignet sich der nachstehende Graustufenkeil. Sind alle 26 Abstufungen unterscheidbar, ist zumindest hinsichtlich der Tonwerte alles in Ordnung.

Wenn nicht, ist eine Kalibrierung des Monitors zu empfehlen – softwareseitig bzw. unter Augenkontrolle mit kostenlosen Tools wie etwa dem Monitor Calibration Wizard (das bekannte Adobe Gamma ist mittlerweile nicht mehr verfügbar), hardwareseitig bzw. unter Sensorkontrolle mit Geräten etwa von Datacolor oder X-Rite.

Orientierende Monitorprüfung


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In der Rubrik ‚Bildkritik‘ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Antworten
  1. Borg Enders says:

    Hallo Thomas,
    das Thema „Copyright“ ist wie du schon sagst ein sehr komplexes Thema und eins mit dem sich einige Fotografen, glaube ich, nicht genug auseinandersetzen.
    Fuer mich persoenlich war in der Vergangenheit frustrierend, dass zum Beispiel auch temporaere Kunstinstallationen (in meinem Fall der BluePort in Hamburg) unters Copyright des Kuenstlers fallen.

    Man sollte auch nicht vergessen, dass haeufig der Ort von dem man ein Bild aufnimmt ebenfalls relevant ist (Thema hier ist das sogenannte Property Release).

    Last but not lease: Markenzeichen etc. fallen auch unters Copyright und es gibt einige spezielle „Markenzeichen“, wie zum Beispiel den Eifelturm bei Nacht.

    MFG Borg

    Antworten
    • Thomas Brotzler says:

      Eine wichtiger und richtiger Hinweis Deinerseits: der „nicht bleibende Charakter“ eines Kunstwerkes bzw. einer Installation im öffentlichen Raum schränkt unser normales, fotografisches Privileg der „Panoramafreiheit“ ein – so die gängige juristische Auffassung.

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