Leserfoto:
Nebelstimmung (2)

Eine gelungene Darstellung einer Nebelstimmung mit einigen kompositorischen Schwächen möchte ich Euch in der heutigen Bildbesprechung vorstellen.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (5 Bilder)

 
Ausgangsbild

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Unser Leser Thomas Bannenberg aus dem niedersächsischen Vechelde hat uns das obige Bild unter dem Titel „Einsame Strasse” in der Kategorie ‚Landschaftsfotografie‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Das oftmals surreale Erscheinungsbild und die mystische (Licht-)Stimmung von Landschaften im Nebel fasziniert mich, und ist auch immer wieder meine Motivation, die Kamera in die Hand zu nehmen und raus in die Natur zu gehen. Bei dieser Aufnahme habe ich versucht, durch die mittig im Bild liegende Landstrasse räuml. Tiefe zu erzeugen, die am Horizont quasi im Nichts endet.”

Zur Aufnahme wurde eine Nikon D7000 mit Zoomobjektiv (vermutlich Nikon 16-85mm f/3.5-5.6G ED VR AF-S DX) verwendet. Die Brennweite betrug 62,0 mm (entsprechend 93,0 mm Kleinbildäquivalent bei einem Formatfaktor von 1,5), die Belichtungsdaten waren 1/40 Sekunde bei Blende f/11,0 und ISO 400 .

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Betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente.

Komposition (siehe dazu untenstehende, gleichnamige Bilder):

Die Konstruktion des Bildes, also die Platzierung der Elemente im vorgegebenen Rahmen (auch ‚Cadrage‚ genannt), vermag nicht ganz zu überzeugen.

Zum einen ist der Fluchtpunkt (grünes X ebd.) nicht mittig, er weicht stattdessen etwas nach links ab. Der prominente Baum im rechten Vordergrund schwächt diesen Aspekt etwas ab, bei genauerer Betrachtung bleibt jedoch eine Irritation. Zum anderen fallen keine wichtige Elemente bzw. Linien auf den Goldenen Schnitt (türkisfarbene Linien ebd.).

Bildwichtig sind natürlich die Fluchtlinien, von denen ich die besonders wichtigen der Randmarkierung auf beiden Seiten, der Verlängerung der Baumgipfel auf der linken Seite und jener der Baumsattel auf der rechten Seite dargestellt habe (gelbe Linien ebd.).

Neben dem schon erwähnten, prominente Baum im rechten Vordergrund (blaue Linien ebd.) markiert die sich zum Hintergrund hin verdichtende Stafette der Baumstämme und -kronen den Raum und visualisiert den Tiefeneindruck (grüne Linien ebd.).

Ein Problembereich ganz links oben in Form einiger kleiner Wolkenlücken ist noch anzusprechen (siehe oranges Rechteck). Auch hierdurch entsteht eine gewisse Irritation, der Blick wird vom Motivzentrum abgelenkt.

Tonwerte (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Das Histogramm zeigt sich etwas rechtsschief bei einem Median von etwa 125. Tonwerteabbrüche im Schatten- oder Lichterbereich liegen nicht vor.

Reizvoll ist der konstrastreiche Wechsel zwischen den Baumstämmen in den Zonen I bis II und den jeweiligen Durchblicken zum Himmel in den Zonen VI bis VII (gelbe Schrift ebd.). In der zarten Zeichnung und den weichen Übergängen der Nebelpartie, die sich in den Zonen V bis VII (rote Schrift ebd.) spielt die Aufnahme schließlich ihre Stärken aus.

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Zusammenfassung:

Thomas Brotzler

  Thomas Brotzler

Thomas‘ Arbeit hinterläßt einen gemischten Eindruck bei mir – die Nebelstimmung ist außerordentlich schön visualisiert, doch schwächen einige Probleme das Bild auch wieder ab.

Die ablenkenden Stellen in den Wolken links oben wären leicht wegzuretuschieren. Des weiteren wäre bei solcher Konzeption eine exakt mittige Ausrichtung des Bildes empfehlenswert. Schließlich würde ich anregen, im Sinne einer harmonischeren Proportionierung den Horizont bzw. Fluchtpunkt in den Goldenen Schnitt (untere Linie) zu bringen.

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Bildteil:

Komposition: Konstruktion

Komposition: Fluchtlinien

Komposition: Grundelemente

Komposition: Problembereich

Tonwerte: Histogramm und Zonenverteilung

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Einfache Monitore mit sogenanntem TN-Panel sind werkseitig selten auf eine korrekte Farb- und Helligkeitswiedergabe eingestellt. Insbesondere die tiefen Schatten (Zonen 0 bis II) wirken oft wie verklumpt. Die Bilder sind so nur eingeschränkt beurteilbar, da der Monitor nicht das wiedergibt, was der Fotograf beabsichtigte.

Für eine orientierende Monitorprüfung eignet sich der nachstehende Graustufenkeil. Sind alle 26 Abstufungen unterscheidbar, ist zumindest hinsichtlich der Tonwerte alles in Ordnung.

Wenn nicht, ist eine Kalibrierung des Monitors zu empfehlen – softwareseitig bzw. unter Augenkontrolle mit kostenlosen Tools wie etwa dem Monitor Calibration Wizard (das bekannte Adobe Gamma ist mittlerweile nicht mehr verfügbar), hardwareseitig bzw. unter Sensorkontrolle mit Geräten etwa von Datacolor oder X-Rite.

Orientierende Monitorprüfung


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In der Rubrik ‚Bildkritik‘ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Antworten
  1. Thomas Bannenberg says:

    Lieber Herr Brotzler,

    zunächst einmal möchte ich mich bei Ihnen herzlich für die wirklich intensive Diskussion meiner Aufnahme bedanken. Ihre Analyse der techn. Aspekte des Bildaufbaus was höchst interessant wie auch lehrreich für mich! In diesem Zusammenhang hatten Sie sich stets am Goldenen Schnitt (GS) orientiert, was natürlich so auch völlig in Ordnung ist. Um gleich an dieser Stelle einmal ein- bzw. nachzuhaken möchte ich kurz erwähnen, dass ich mich bei der Bildgestaltung eigentlich nicht am GS orientiert hatte, sondern bei der Bildbearbeitung nach der 1/3-Regel vorgegangen bin. Hierbei liegen die relevanten Linien und deren Schnittpunkte etwas weiter auseinander, wodurch z.B. der Horizont weiter nach unten im Bild rutscht.

    Meine Frage nun an den Experten; spricht etwas dagegen, zukünftig so weiter vorzugehen (1/3-Regel), oder würden Sie sich IMMER am GS orientieren? Die Literatur ist diesbzgl. nicht einheitlich und vermittelt eher den Eindruck, dass beide Vorgehensweisen gleichberechtig sind.

    Vielen Dank für Ihr En­ga­ge­ment und die Zeit, die Sie hierfür bereits investiert haben! Ich weiß es wirklich zu schätzen.

    Mit freundlichem Gruß
    T.Bannenberg

    Antworten

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