Leserfoto:
Das etwas andere Urlaubsbild

Urlaubsfotografie kann auch (und gerade) ohne Sehenswürdigkeit schön sein, wie die heutige Bildbesprechung aufzeigen möchte.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (3 Bilder)

 
Ausgangsbild

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Unser Leser Luigi Lauer aus Berlin hat uns das obige Bild unter dem Titel „Jonathan auf Korsika” in der Kategorie ‚Natur/Tier‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Dieses Bild entstand im April 2013 in Bonifacio an der Südspitze Korsikas. ‚Die Möwe Jonathan‘ war so geduldig, abzuwarten, bis ich an einer Hauswand hochklettern konnte, um die Steilküste mit auf das Bild zu bekommen. Mich hat die bleierne Stimmung fasziniert, die im Kontrast zu dem fast schon kitschigen Motiv steht. Es ist die Original-Bilddatei. Für den Bildschirmhintergrund meines Computermonitors habe ich unten und oben beschnitten und dann gezoomt, um das Ganze näher heranzuholen. (Die EXIF-Daten sollten einsehbar sein)”

Luigi vermutet richtig … laut Exif-Daten wurde eine Olympus Pen E-P1 (Olympus‘ erster Versuch im Micro-Four-Thirds-Format) mit Zoomobjektiv Olympus M.Zuiko Digital ED 14-42mm F3.5-5.6 verwendet. Die Brennweite betrug 42,0 mm (entsprechend Zahl 84,0 mm Kleinbildäquivalent bei einem Formatfaktor von 2,0), die Belichtungsdaten waren 1/500 Sekunde bei Blende f/11,0 und ISO 400.

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Betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente.

Komposition (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Übersichtlich präsentiert sich das Bild, und die einfachsten Komposition sind oft nicht die schlechtesten … eine Möwe, etwa im Goldenen Schnitt platziert, auf einer Straßenlampe mit Kugelleuchte (rote Linien ebd.), dahinter mehrfach gegliedert die Steilküste (gelbe Linien ebd.). Die Horizontlinie liegt tief, etwa im Fünftel von unten und ist gegenüber dem Himmel dezent abgegrenzt (blaue Punkte ebd.).

Tonwerte (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Das Histogramm zeigt sich mittenbetont bei einem Median von etwa 120. Der gleichwohl düstere Eindruck ist eine Folge der nicht belegten Zonen XIII bis X – siehe hierzu ggf. mein Tutorial zum Zonensystem.

Farben:

Gebrochene Blautöne dominieren das Bild.

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Zusammenfassung:

Thomas Brotzler

  Thomas Brotzler

Luigi benennt die ‚bleierne Stimmung im Kontrast zum kitschigen Motiv‘, die ihn in dieser Szene besonders faszinierte und die er auch anschaulich abbilden konnte.

Indem er darauf verzichtete, den möglichen Kontrastumfang auszuschöpfen (wie hier durch das Fehlen der Zonen VIII bis X), hat das Bild seine Atmosphäre bewahrt. Eine ‚Optimierung der Tonwerte‘ führt also nicht immer zum optimalen Ergebnis.

Was mich an diesem Bild besonders anspricht, ist die darin verwobene Skurrilität bzw. Situationskomik – die Steilküste als ‚touristisch relevante Sehenswürdigkeit‘ wird zum Randphänomen bzw. zur ‚Tapete‘, während die Möwe plötzlich die Hauptrolle bekommt und über die Szene wacht.

Dieses Motiv des ‚wachenden Vogels vor sehenswürdigen Kulisse‘ erinnert mich an ein schon etwas älteres Bild aus meinem Streetportfolio, welches ich abschließend noch als Vergleichsarbeit zeigen möchte.

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Bildteil:

Komposition: Grundelemente

Tonwerte: Histogramm

Vergleicharbeit: Heidelberg, 'Lebenswege' (2009)

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Einfache Monitore mit sogenanntem TN-Panel sind werkseitig selten auf eine korrekte Farb- und Helligkeitswiedergabe eingestellt. Insbesondere die tiefen Schatten (Zonen 0 bis II) wirken oft wie verklumpt. Die Bilder sind so nur eingeschränkt beurteilbar, da der Monitor nicht das wiedergibt, was der Fotograf beabsichtigte.

Für eine orientierende Monitorprüfung eignet sich der nachstehende Graustufenkeil. Sind alle 26 Abstufungen unterscheidbar, ist zumindest hinsichtlich der Tonwerte alles in Ordnung.

Wenn nicht, ist eine Kalibrierung des Monitors zu empfehlen – softwareseitig bzw. unter Augenkontrolle mit kostenlosen Tools wie etwa dem Monitor Calibration Wizard (das bekannte Adobe Gamma ist mittlerweile nicht mehr verfügbar), hardwareseitig bzw. unter Sensorkontrolle mit Geräten etwa von Datacolor oder X-Rite.

Orientierende Monitorprüfung


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In der Rubrik ‚Bildkritik‘ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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