Tutorial:
Folgt dem Untergang der Sonne derjenige der Fotografie auf dem Fuße? (3)

Betrachtungen zu einem ebenso wirkungsvollen wie überstrapazierten Motiv.

Überblick (bereits erschienene Teile sind verlinkt)
1. Einführung in das Thema
2. Ein meteorologisch-astronomischer Ausflug
3. Kompositorisch-dramaturgische Exkursionen
4. Eine psychologische Annäherung
5. Kurzer Boxenstop beim Kitschbegriff
6. Zurück im fotografischen Alltag: Was können wir tun?
7. Zusammenfassung und Schlußbemerkung
Bisherige Tutorials des Autors

 

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3. Kompositorisch-dramaturgische Exkursionen

Nach diesen Ausflügen in das Gebiet der Optik und Physik soll es nun ‚in heimatlichen Gefilde der Fotografie‘ weitergehen, wenngleich auf den etwas abstrakten Ebenen der Komposition und Dramaturgie (die ich in meinen Bildbesprechungen immer gerne abhandle). Dabei soll es nun freilich nicht um ein einzelnes Bild, sondern um den ‚typischen Aufbau eines typischen Sonnenuntergangsbildes‘ gehen …

Abb. 8: Bildersuche bei Google mit Auswahl

Abbildung 8 zeigt nochmals die Übersichtsdarstellung der Bildersuche bei Google aus dem ersten Abschnitt. Wie Ihr seht, habe ich 7 der 48 Bilder markiert (grüner Kreis), auf die ich nachstehend etwas bevorzugt eingehen möchte. Die Gliederung entspricht dabei demjenigen meiner gewohnten Bildbesprechungen.

3.1 Komposition

Die Bilder zeigen in der Regel einen klaren und übersichtlichen Aufbau, mit zumeist nur wenigen Bildelementen. Zentrales Motiv ist jeweils die Sonne, oftmals in die Mitte gesetzt bzw. dieser nahe. Sie ist immer markant, oft genug auch deutlich vergrößert dargestellt und zieht die Blicke unmittelbar auf sich. Ein weiteres, typisches Kennzeichen ist deren Spiegelung, da der Vordergrund zumeist aus Wasser (Meer oder See) besteht.

Das zweite markante Element ist der Horizont, auch dieser zumeist mittig bzw. mittennahe angelegt. Sofern weitere Bildelemente auftauchen, sind dies sehr häufig Bäume (insbesondere Palmen) und Menschen (zumeist Paare), seltener Küstenstrukturen, Berge oder Schiffe. Vom Rand her ragen bisweilen Äste wie eine ‚florale Vignette‘ in das Bild hinein. Alle genannten Ergänzungselemente sind in der Regel flächig, im Scherenschnitt angelegt.

Die Spannungsbögen beschränken sich zumeist auf den Gegensatz von Sonnenrund und Horizontlinie, nur selten ergibt sich weiterer Kontrapunkt zu besagten Ergänzungselementen wie Palmen, Paaren, Bergen oder gestaffelte Uferstrukturen. Der statische Eindruck wird durch die zumeist mittige Bildanlage verstärkt. Auch in der Blickführung findet sich zumeist keine Dynamik, das Auge des Betrachters ‚findet die Sonne und verweilt dort’.

3.2 Tonwerte

Die Sonne liegt zumeist in den Zonen VIII bis IX. Der Himmel weist größere Variationen über die Zonen II bis VI ab. Die erwähnten Ergänzungselemente sind regelmäßig den Zonen 0 bis I zugeordnet, nur selten finden sich auch geöffnete Schatten.

3.3 Farben

Eine gelbe Sonne, ein zumeist roter, seltener bzw. in Anteilen auch blauer Himmel und Vordergrund, des weiteren schwarze (unbunte) Ergänzungselemente stellen das typische Farbspektrum dar. Die Farbdichte ist dabei zumeist sehr hoch, die Töne beschränken sich dabei auf die Primär- und Sekundärfarben, während sich gebrochene Töne seltener finden.

3.4 Struktur

Die typischen Bildelemente der Sonne, des Himmels und der Ergänzungselemente weisen praktisch keine Binnenstruktur auf, es handelt sich stattdessen um rein flächige Konvolute.

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Soweit in der heutigen Folge. Die nächste Folge dieses Tutorials erscheint in der kommenden Woche.

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