Leserfoto:
Tierporträt

Der Schwierigkeit der Darstellung von Personen mit dunkler Haut bzw. Geschöpfen mit dunklem Fell, aber auch der Gefahr der Ablenkung durch entbehrliche Bildteile widmet sich die heutige Bildbesprechung.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (4 Bilder)

 
Ausgangsbild

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Unser Leser Daniel Knieper aus dem nordfriesischen Husum hat uns das obige Bild unter dem Titel „Gorilladame im Berliner Zoo” in der Kategorie ‚Natur/Tier‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Bei einem Besuch im Berliner Zoo faszinierte mich diese Gorilladame mit ihrem ausdrucksstarken Gesicht. Kamera Canon EOS 650D Objektiv Canon EF 70-200L Brennweite 176mm Blende f4 Verschlusszeit 1/500s ISO 800”

Über Ausrüstung und Aufnahmedaten hatte Daniel bereits berichtet. Zu ergänzen wäre noch die kleinbildäquivalente Brennweite von etwa 282 mm bei einem Formatfaktor von 1,6.

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Betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente.

Komposition (siehe dazu untenstehende, gleichnamige Bilder):

Die Abgebildete ist in die rechte Bildhälfte gelegt.

Das aus der Menschenfotografie bekannte ‚umgedrehte Gesichtsdreieck‘ nimmt angesichts der ausladenden Kinnpartie der hier Abgebildeten eher die Form eines nach unten spitzen Fünfecks an (rote Linien ebd.). Dieser zentrale Blickfang wird direkt durch die Halspartie (orange Linien ebd.), mittelbar durch die Körpersilhouette und den an die Brust gehaltenen rechten Arm (gelbe Linien ebd.) eingerahmt.

Ein Gebüsch auf der linken Seite trägt nicht zur Bildwirkung bei und lenkte die Blickführung ab (blaue Linie ebd.).

Tonwerte (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Das Histogramm ist zweigipflig und etwas linksversetzt bei einem Median von etwa 110. Nennenswerte Tonwertabbrüche im Bereich der Schatten und Lichter liegen nicht vor.

Die Darstellung der Abgebildeten beschränkt sich auf die Zonen 0 bis VI. Der Lichterbereich ist somit nicht ausgeschöpft, der Schattenbereich hingegen recht geschlossen – viele Details bleiben so unerwähnt, der rechte Arm hebt sich zum Beispiel kaum gegenüber dem Körper ab.

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Zusammenfassung:

Thomas Brotzler

  Thomas Brotzler

Die Problembereiche des Bildes im Sinne der recht geschlossenen Schatten, der dadurch eingeschränkten Detailzeichnung und vor allem der die Bildwirkung abschwächenden Ablenkung durch das Gebüsch hatte ich erwähnt.

Die Abbildung von Personen mit dunkler Haut bzw. dunklem Fell ist oftmals eine Herausforderung. Umso mehr Augenmerk sollte der guten Durchzeichnung der bildwichtigen Partien gewidmet werden.

Meine Überarbeitung (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild) umfaßt eine vorsichtige Öffnung der Schatten, ein punktuelles Abwedeln markanter Bereiche der Abgebildeten und einen verdichtenden Beschnittvorschlag.

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Bildteil:

Komposition: Grundelemente

Komposition: Blickführung

Tonwerte: Histogramm und Zonenverteilung

Überarbeitung: Schattenöffnung und Beschnittvorschlag

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Einfache Monitore mit sogenanntem TN-Panel sind werkseitig selten auf eine korrekte Farb- und Helligkeitswiedergabe eingestellt. Insbesondere die tiefen Schatten (Zonen 0 bis II) wirken oft wie verklumpt. Die Bilder sind so nur eingeschränkt beurteilbar, da der Monitor nicht das wiedergibt, was der Fotograf beabsichtigte.

Für eine orientierende Monitorprüfung eignet sich der nachstehende Graustufenkeil. Sind alle 26 Abstufungen unterscheidbar, ist zumindest hinsichtlich der Tonwerte alles in Ordnung.

Wenn nicht, ist eine Kalibrierung des Monitors zu empfehlen – softwareseitig bzw. unter Augenkontrolle mit kostenlosen Tools wie etwa dem Monitor Calibration Wizard (das bekannte Adobe Gamma ist mittlerweile nicht mehr verfügbar), hardwareseitig bzw. unter Sensorkontrolle mit Geräten etwa von Datacolor oder X-Rite.

Orientierende Monitorprüfung


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In der Rubrik ‚Bildkritik‘ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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