Leserfoto:
Die Schule der Vögel

Eine charmante Bildidee und Komposition mit technischen Problemen wollen wir in der heutigen Bildbesprechung diskutieren.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (5 Bilder)

 
Ausgangsbild

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Unsere Leserin Christina Weirich aus dem saarländischen St. Ingbert hat uns das obige Bild unter dem Titel „Möwenunterricht” in der Kategorie ‚Natur/Tier‘ zur Besprechung eingereicht.

Sie schreibt dazu: „Im Januar 2012 in Montreux am Genfer See aufgenommen. Mir gefiel der Moment der Stille, kurz bevor alle Möwen über den See weggeflogen sind … Daten: Canon Ixus, Blendenzahl: 5,9, Belichtungszeit: 1/200, Brennweite 20, Frabraum: RGB”

Über Ausrüstung (es handelt sich um das Modell 115 HS) und Aufnahmedaten hatte Christina bereits berichtet. Zu ergänzen wäre noch die Sensorempfindlichkeit von ISO 500 und die kleinbildäquivalente Brennweite von gut 110 mm bei einem Formatfaktor von etwa 5,6.

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Betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente.

Komposition (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Im Sinne der Ausrichtung zeigt sich das Bild um gut zwei Grad im Uhrzeigersinn verdreht und mit leicht nach unten stürzende Linien.

Blickfang ist zweifelsohne die etwa im Viertel von oben und rechts platzierte Möwe (rote Linien ebd.), die auf einem Pfahl orange Linien ebd.) sitzend auf ihre Artgenossen (gelbe Linien ebd.) herabzuschauen scheint.

Dies mag Christina zu ihrer Assoziation des Unterrichts bewogen haben – die Möwe rechts oben wäre demnach der Lehrer, die Gruppe die Klasse.

Sehr wichtig für den Zusammenhalt der Bildelemente ist noch jener Handlauf des Geländers, auf welchem die Möwengruppe sitzt und der sich ‚durch das Bild schlängelt‘ (blaue Linien ebd.). Dieser ruht auf entsprechenden Streben, welche die Bildelemente im Raum verankern (grüne Linien ebd.).

Der Hintergrund des Bildes besteht aus mit feinen Wellen und Tonwertmodulationen gezeichneter Wasserfläche.

Die Blickführung ergibt sich zwanglos dem Handlauf des Geländers und der Gruppe der Möwen folgend und schließlich zur vereinzelt sitzenden Möwe rechts oben führend (violetter Pfeil ebd.).

Tonwerte (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Das Histogramm zeigt sich rechtsverschoben bei einem Median von etwa 165. Ein deutlicher Peak der Zonen VII bis VIII zeichnet sich ab, der weitläufigen Wasserfläche entsprechend.

Einige Tonwertabbrüche im Bereich der Schatten sind über den Schwanzspitzen, im Bereich der Lichter über den Blessen der Möwen zu verzeichnen, ohne daß dies als störender Belichtungsfehler in Erscheinung tritt.

Die Möwen sind kontrastreich in den Zonen I bis IX gezeichnet, der Pfahl tritt demgegenüber kontrastärmer in den Zonen I bis IV zurück.

Struktur (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

In der vergrößerten Abbildung zeigt sich eine markante Unschärfe der maßgeblichen Bildteile.

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Zusammenfassung:

Thomas Brotzler

  Thomas Brotzler

Die Bildidee und Komposition ist charmant. Auch die leichte Verkippung ist aufgrund der eleganten Blickführung nach meinen Dafürhalten nicht übermäßig störend.

Als sehr schade, weil das Potential dieses Bildes deutlich mindernd, ist die generelle Unschärfe zu bezeichnen. Ich vermute als Ursache eine generelle Abbildungsschwäche dieser Schnappschußkamera (7,7 mm Sensordiagonale und 12,0 Millionen Bildpunkte stellen aus meiner Sicht, allen Unkenrufen der verkaufsinteressierten Industrie zum Trotz, ein Mißverhältnis dar) …

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Bildteil:

Komposition: Ausrichtung

Komposition: Grundelemente

Komposition: Blickführung

Tonwerte: Histogramm und Zonenverteilung

Struktur

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Einfache Monitore mit sogenanntem TN-Panel sind werkseitig selten auf eine korrekte Farb- und Helligkeitswiedergabe eingestellt. Insbesondere die tiefen Schatten (Zonen 0 bis II) wirken oft wie verklumpt. Die Bilder sind so nur eingeschränkt beurteilbar, da der Monitor nicht das wiedergibt, was der Fotograf beabsichtigte.

Für eine orientierende Monitorprüfung eignet sich der nachstehende Graustufenkeil. Sind alle 26 Abstufungen unterscheidbar, ist zumindest hinsichtlich der Tonwerte alles in Ordnung.

Wenn nicht, ist eine Kalibrierung des Monitors zu empfehlen – softwareseitig bzw. unter Augenkontrolle mit kostenlosen Tools wie etwa dem Monitor Calibration Wizard (das bekannte Adobe Gamma ist mittlerweile nicht mehr verfügbar), hardwareseitig bzw. unter Sensorkontrolle mit Geräten etwa von Datacolor oder X-Rite.

Orientierende Monitorprüfung


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In der Rubrik ‚Bildkritik‘ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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