Leserfoto:
Ein Lichtfeuerwerk

Ein Beispiel dafür, daß die Lebendigkeit einer Szene manche Konstruktions- und Belichtungsprobleme überdecken kann, möchte ich in der heutigen Bildbeprechung vorstellen.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (4 Bilder)

 
Ausgangsbild

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Unser Leser Mathias Ondraczek aus Brilon im nordrhein-westfälischen Hochsauerlandkreis (was es alles gibt!) hat uns das obige Bild unter dem Titel „turn on the lights” in der Kategorie ‚Street/Strasse‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „ich habe diese Bild anfang Dezember in Amsterdam gemacht (licht festival) die zwei Lichter sind zwei 3D projecktoren die auf das Museum hermitage gerichtet waren!Ich fand diese Aussicht interessanter als das lichtspiel was auf der Fasade projektiert wurde!”

Zu Ausrüstung und Aufnahmedaten liegen uns diesmal leider keine Informationen vor.

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Mathias Ondraczek: 'Berliner Momente'Mancher von Euch wird sich vielleicht noch an Mathias‘ ‚Berliner Momente‘ (siehe nebenstehendes Bild) erinnern, die wir im August 2013 hier besprochen und diskutiert haben – eine recht atmosphärische, aber aus meiner Sicht auch zu düster ausgearbeitete und damit zu viel verbergende Fotografie.

Doch kehren wir zur heutigen Aufnahme zurück und betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente …

Komposition (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Ein Querformat mit den Abmessungen 3:2 empfängt den Betrachter. Wir sehen eine sehr dynamische und lichtdurchflutete Szene. Häuser und Kanäle werden erkennbar, desgleichen ‚anflutende Lichtquellen‘, sich ausbreitende Lichtstrahlen, beschienene und fast wie Rauch wirkende Wolken, einrahmende und haltgebende Spiegelungen …

Die beiden starken Lichtquellen, deren Bedeutung Mathias uns oben erklärte, fungieren mitsamt ihrem ‚Lichthof‘ (es handelt sich letztlich um ‚Blooming‘, da der Sensor bei solcher Lichtfülle völlig am Anschlag war) als Blickfang und Hauptmotiv (rote Linien ebd.).

Vor dem Hintergrund besagter Wolkenstrukturen werden auch vom Zentrum ausgehende Lichtstrahlen eindrucksvoll sichtbar (orange Linien ebd.). In der Mitte der oberen Bildhälfte schiebt sich geradezu vorwitzig ein gegenläufiger Lichtstrahl dazwischen (grüne Linien ebd.) – dieser wirkt als Kontrapunkt und Auflockerung.

Eingebunden wird dieses ‚Lichtspektakel‘ durch die Hintergrundstrukturen besagter Häuser und Kanäle. Auch die Silhouetten der Hausboote und Fahrzeuge tragen dazu bei (gelbe Linien ebd.).

Hinsichtlich der Konstruktion (siehe graue Linien) ist das Bild in vertikaler Hinsicht etwa dreigeteilt zwischen Wasser, Häuserfront und Himmel – ‚etwa‘, denn der Himmel überwiegt, was dem Bild im Sinne des ‚Wolken- und Lichterspiels‘ aber keine Abbruch tut. Auch eine gewisse Unentschiedenheit hinsichtlich der horizontalen Platzierung – die Lichtquellen können sich nicht ganz zwischen Mitte und Goldenen Schnitt entscheiden – scheint in der sehr dynamischen Szene nachrangig.

Die stützenden Linien fallen ins Auge, die Häuserfront ‚kippt deutlich nach hinten‘. Ähnliches war auch schon im vorbesprochenen Bild erkennbar, hier könnte Mathias ‚im Eifer des fotografischen Augenblicks‘ vielleicht noch etwas mehr Achtsamkeit walten lassen oder nachträglich jeweils eine Korrektur durchführen …

Die Blickführung ist angesichts der Vielzahl der Bildelemente, die ja alle durchgeschaut werden möchten, nicht so einfach zu beschreiben (deswegen ohne Abbildung hier). Diskutieren kann man ein ‚Lesen der Häuserzeile seitwärts (am ehesten von links nach rechts)‘, aber auch ein ‚Bilddurchgang von der Lichtquelle über die Lichtstrahlen zum Wolkenspiel‘ ist sehr plausibel.

Tonwerte (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Das Histogramm ist zweigipflig, wobei der linke Gipfel in den Zonen I bis IV liegt und der rechte Gipfel weithin im Sinne eines Tonwertabbruchs im Lichterbereich abgeschnitten ist.

Gleichwohl wirkt das Bild von Seiten der Belichtung besser, wie es das Histogramm mit dieser recht problematischen Konstellation vermuten läßt – es dürfte damit zu tun haben, daß an eine Nachtaufnahme mit zahlreichen Lichtquellen bescheidenere Seherwartungen wie an eine Tageslichtaufnahme gerichtet werden.

Farben:

Die Farben mit ihren leuchtenden Gelb- und Orangetönen vor blaugrauem Hintergrund tragen zweifellos zum Reiz dieser Aufnahme erheblich bei – diese wirkt dadurch lebendig, dynamisch, einnehmend, es mag uns gar wie eine ‚Explosion der Lichter und Farben‘ erscheinen.

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Zusammenfassung:

Thomas Brotzler

  Thomas Brotzler

Einige Anmerkungen hatte ich diesmal schon in den beschreibenden Teil einfließen lassen, so daß ich mich hier kurz fassen darf.

Das Bild lebt von der Dynamik und Lebendigkeit der Lichter- und Farbenspiels. All dies mag den Betrachter ‚einnehmen und mitreißen‘, so daß kleinere Problembereiche (nicht exakte Konstruktion, ausufernder Dynamikumfang) hier als nachrangig aufgefaßt werden können.

Die stürzenden Linien jedoch, die schmälern den guten Eindruck nach meinem Dafürhalten deutlich, sie lassen das Bild entgrenzt und unambitioniert erscheinen. Die faktische Untersicht habe ich in der Überarbeitung (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild) zur leichten Draufsicht korrigiert.

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Bildteil:

Komposition: Konstruktion

Komposition: Grundelemente

Tonwerte: Histogramm und Lichterbeschnitt

Überarbeitung: Neuausrichtung

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Einfache Monitore mit sogenanntem TN-Panel sind werkseitig selten auf eine korrekte Farb- und Helligkeitswiedergabe eingestellt. Insbesondere die tiefen Schatten (Zonen 0 bis II) wirken oft wie verklumpt. Die Bilder sind so nur eingeschränkt beurteilbar, da der Monitor nicht das wiedergibt, was der Fotograf beabsichtigte.

Für eine orientierende Monitorprüfung eignet sich der nachstehende Graustufenkeil. Sind alle 26 Abstufungen unterscheidbar, ist zumindest hinsichtlich der Tonwerte alles in Ordnung.

Wenn nicht, ist eine Kalibrierung des Monitors zu empfehlen – softwareseitig bzw. unter Augenkontrolle mit kostenlosen Tools wie etwa dem Monitor Calibration Wizard (das bekannte Adobe Gamma ist mittlerweile nicht mehr verfügbar), hardwareseitig bzw. unter Sensorkontrolle mit Geräten etwa von Datacolor oder X-Rite.

Orientierende Monitorprüfung


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In der Rubrik ‚Bildkritik‘ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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