Tutorial Streetfotografie (5/7):
Düsternis und andere Techniken

Gedanken zu einem schwierigen und auch umstrittenen Thema. Ein siebenteiliges Aufbaututorial mit 25 Bildbeispielen und Illustrationen.

Düsternis als gestalterisches Element ist auch ein wesentlicher Bestandteil der nächsten Bildgruppe. Es handelt sich um Low-Key-Aufnahmen, die zudem einen gewissen Film-noir-Eindruck vermitteln. Die Erkennbarkeit der Personen ist durch die Abdunklung eingeschränkt. Der Einwand, daß eine Aufhellung diesen Maskierungseffekt aufheben würde, greift meines Erachtens nicht, da dies wiederum ein rechtswidriger Eingriff von außen in das bestehende Urheberrecht des Fotografen wäre.

Abb. 16: ´Stranger´ (Quelle: Zorica Antonic, undatiert)Ein eindrucksvolles Beispiel hierfür ist etwa Zorica Antonics Bild ´Stranger´, welches hier im Juli 2014 besprochen wurde (siehe dazu auch Abbildung 16).

Die Szene bliebt geheimnisvoll, dynamisch und lädt zu manchen Interpretationen und Fortschreibungen ein, wodurch das Bild eine nachhaltige Wirkung entfaltet.

Abb. 17: ´Erschöpft´ (Quelle: Marcus Leusch, undatiert)Eine ganz andere Wirkung entfaltet Marcus Leuschs Bild ´Erschöpft´, welches hier im Juli 2013 besprochen wurde (siehe dazu auch Abbildung 17).

Es ist ebenfalls düster, doch herrschen hier eher Stille und Melancholie vor.

Hochinteressante Möglichkeiten eröffnen sich auch durch die Darstellung von Personen als Silhouetten. Die Erkennbarkeit der Abgebildeten ist damit quasi ausgeschaltet. Diese Gestaltungsart lenkt den Blick von der individuellen Darstellung Einzelner zu einer eher kollektiven Aussage, wie diese sich zur Umgebung stellen und wie diese wiederum auf die Personen einwirkt.

Abb. 18: ´Urbane Scherenschnitte´ (Quelle: Thalia Wettstein, undatiert)

Thalia Wettsteins Bild ´Urbane Scherenschnitte´ etwa, welches hier im Juni 2013 besprochen wurde (siehe dazu auch Abbildung 18), bietet trotz einer lebendigen und heiteren Gesamtanmutung auch manche geheimnisvolle und interpretationswürdige Aspekte, welche das Bild wiederum interessant und vielschichtig erscheinen lassen.

Ein ergänzenden Element ist die Parzellierung in vier Einzelbilder, die wie ein Comic Strip eine fortlaufende Geschichte erzählen.

Abb. 19: ´Düsterberg´ (Quelle: Dominik Haitz, undatiert)Ganz anders in seiner Gesamtwirkung ist Dominik Haitz‘ Bild ´Düsterberg´, welches hier im März 2013 besprochen wurde (siehe dazu auch Abbildung 19).

Es ist sehr düster, abgründig und vermittelt so fast einen endzeitlichen Eindruck.

Ein weiteres, probates Mittel zur Vermeidung unbotmäßiger Erkennbarkeit soll nicht unerwähnt bleiben: die Verkleinerung der Abgebildeten, die sich zum Beispiel durch die Verwendung weitwinkliger Objekte ergibt. Ein gestalterisches Plus besteht auch darin, den Blick von der individuellen Darstellung auf die Wechselwirkung zwischen Personen und Umgebung zu lenken.

Abb. 20: ´was ist schon Paris ...´ (Quelle: Dirk Wenzel, undatiert)Dirk Wenzel hat dazu eine interessante Arbeit mit dem Titel ´was ist schon Paris …´ eingereicht, welche hier im März 2014 besprochen wurde (siehe dazu auch Abbildung 20). Schon besagter Titel mag Diskussionsbedarf wecken, gleiches gilt auch für die Art der Gestaltung.

Eine Person (wiederum ein Scherenschnitt im Sinne des Punktes 3.4) strebt allen konventionellen Gestaltungsregeln zum Trotz nach links aus dem Bild und zieht einen langen Schatten, der wiederum von einem langen Zebrastreifen gekontert wird.

Abb. 21: ´Sommerimpression aus der Schoppingzone´ (Quelle: Marcus Leusch, undatiert)Auch Marcus Leusch zeigt uns zu diesem Thema ein interessantes Beispiel mit seinem Bild ´Sommerimpression aus der Schoppingzone´, welche hier im Oktober 2013 besprochen wurde (siehe dazu auch Abbildung 21).

Die beiden Protagonisten sind klein abgebildet, zudem sind diese durch einen Hutschatten (bei der älteren Frau) sowie den nach unten gewendeten Blick (beim jungen Mann) weiter maskiert.

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