Tutorial Streetfotografie (7/7):
Zusammenfassung

Gedanken zu einem schwierigen und auch umstrittenen Thema. Ein siebenteiliges Aufbaututorial mit 25 Bildbeispielen und Illustrationen.

4. Zusammenfassung und Schlußbemerkung

Ich komme nun zum Ende meiner Ausführungen.

Den Eingangsteil im Sinne eines Definitionsversuchs der Streetfotografie hatte ich kurz gehalten. Dies sollte nicht der Schwerpunkt dieses Tutorials sein, zumal dazu von verschiedener Seite bereits viel gesagt wurde.

Ein erster Schwerpunkt ergab sich dann bei den Fallstricken der Streetfotografie, insbesondere bei der potentiellen Verletzung von Persönlichkeitsrechten der auf unseren Bildern Abgebildeten. Ein länderübergreifender Vergleich sollte dieses Kapitel abrunden. Weitere Widrigkeiten benannte ich im Sinne der Verwechslung mit bzw. unzureichenden Abgrenzung gegenüber der Porträt-, Dokumentar- und Pressefotografie. Auch das Abgleiten in Erinnerungsbild und Schnappschuß, kurzum in Trivialität, fand als eine aus meiner Sicht beträchtliche Gefahr für eine anspruchsvoll verstandene Streetfotografie Erwähnung.

Ausführlich war ich dann auf Lösungsansätze eingegangen, insbesondere auf das ´Wann und Wie´ der nötigen Einwilligung, aber auch auf gestalterisch-kompositorische Ansätze, die das Zustimmungsdilemma einzudämmen vermögen. Die Darstellung endete bei der kurzen Erwähnung meines eigenen Ansatzes ´Streetfotografie mit dem Lensbaby´, welchen ich beizeiten noch ausführlicher darstellen will.

Wichtig über die Erwähnung einzelner Lösungsansätze hinaus war mir noch, aufzuzeigen, daß die Streetfotografie trotz ihrer nicht unerheblichen rechtlichen und gestalterischen Herausforderungen auch hierzulande sehr wohl möglich ist. Ich kann mittlerweile jene Unkenrufe, daß „die Streetfotografie unter den hiesigen Verhältnissen eigentlich tot“ sei, fast schon nicht mehr hören. Sie ist es nicht, nämlich tot. Sie wäre es allenfalls, wenn wir wie die Axt im Walde vorgingen und uns nicht ausreichend mit Lösungsansätzen und Alternativen beschäftigten. Bei subtiler Befassung hingegen ist sie nach meinem Dafürhalten quicklebendig und angesichts der nicht unerheblichen gesellschaftlichen Umbrüche unserer Zeit auch notwendig …

 

15 Antworten
  1. thomasD says:

    So richtig es auch ist, dass jeder sein Auskommen haben soll, muss ebenso bedacht werden, dass durch den Verkauf von Wissen (Abbo u. Ä.), Segregation zwangsläufig die Folge ist. Es gibt zu viele Menschen die ums tägliche Brot kämpfen und somit von motivierendem Wissen ausgeschlossen wären.
    Ihr könnt die Welt im Ganzen nicht besser machen aber ein ganz kleines Stückchen vielleich schon.
    Das amerikanische System ist für nur ganz wenige ein erfolgreiches System.
    War nur so ein Gedanke.

    Auf alle Fälle möchte ich Euch ein ganz großes DANKE für Eure sehr anerkennenswerte Arbeit sagen und Euch für die Zukunft viel Phantasie und Kraft wünschen.

    LG Thomas

    Antworten
    • Thomas Brotzler says:

      @ thomasD

      Ich bin sicher der Allerletzte, der im US-amerikanischen Modell der Durchkommerzialisierung des täglichen Lebens einen Segen erkennen könnte. Die Rede war ja auch von angloamerikanischen Verhältnissen. Meine Information über die dortigen Gegebenheiten (im Sinne der qualifizierten Bildkritik) entstammen der Seen.by-Redaktion, die sich des Themas bald einmal annehmen will und der ich (als Mann an der Quelle quasi) einigen Input dazu geben konnte.

      Dein Argument der Segregation wiegt stark, und doch hebt es die (schon beschriebene) drohende Idealismusfalle und das nötige „Quid pro Quo“ nicht auf. Hinzu kommt, daß sich breite Bevölkerungskreise hierzulande alle möglichen Abos (Handy, Pay-TV, FC etc.) leisten können und wollen, die aus Sicht mancher Altvorderer (zu denen ich mich auch langsam zähle) sicher nicht überlebensnotwendig sind.

      @ Christian Fehse

      Gerne, ja. Vielleicht aber nach den Feiertagen, daß wir mal mailen. Du bist ja ansonsten auch in meinem Verteiler und insofern auf dem Laufenden.

    • thomasD says:

      „Quid pro Quo“ ein KO Argument, was wesentliche Aspekte des kapitalistischen Prinzips verschweigt – nämlich: Wer setzt die tatsächliche Wertigkeit einer Leistung fest? Tauschhandel, bei dem alle Parteien glücklich werden, gibt es schon lange nicht mehr. Einen weiteren Aspekt lässt Du in Deiner Argumentationskette ebenfalls unbeachtet: „Bedürfnisschaffung“. Das haben schon ältere der Altvorderen (wie wir) sehr genau beschrieben.
      Aber „Quid pro Quo“ rutsch halt sehr leicht von der Zunge.

    • Thomas Brotzler says:

      Diese kapitalismuskritische, in gewisser Weise auch marxistische anmutende Diskussion und Sichtweise ist mir vertrauter bzw. näher, wie Du vielleicht ahnst. Laß es mich ironisch ausdrücken und wie Marcus Leusch sinngemäß, als Karl Jaspers in einem meiner Tutorials auftauchte und wir Teile seines Vermächtnisses in der Diskussion tranchierten: „Daß ich so etwas hier noch erleben darf!“

      Gleichwohl erscheint mir die Diskussion über gebührliche Wertschöpfung und fragwürdige Bedürfnisweckung fast eine Nummer zu groß für die hier anstehende Frage der Fortführung qualifizierter Bildkritik an anderer Stelle.

    • thomasD says:

      Einverstanden.
      Ich konnte mir nur nicht verkneifen, Deine Kompetenz über die 0% Mietfinanzierung, Abfragen zu wollen. :)

      Wünsche Dir ein paar schöne und geruhsahme Tage
      Gruß

    • Thomas Brotzler says:

      Es ist ein bißchen wie bei der Kunst: man muß nicht alles verstehen, und trotzdem ist es schön :o) … Dir / Euch auch geruhsame Feiertage, und eben vielleicht ‚bis bald an anderer Stelle‘ …

  2. Stefan says:

    Es ist wirklich sehr schade, dass ihr beide hier nicht mehr weitermachen könnt oder wollt. Ich habe eure Artikel und Bildbesprechungen immer sehr genossen und, wie viele andere sicherlich auch, viele Erkenntnisse daraus für meine eigene Arbeit nutzen können. Vielen Dank euch beiden dafür!

    Ich bin wirklich sehr gespannt, wie es mit fokussiert.com nun weitergehen wird, denn bisher hat Weka ja noch nichts darüber verlauten lassen, wie das zukünftige Konzept aussehen soll. Die spärlichen Hinweise in Form von „neuen“ Artikeln waren jedenfalls nicht sehr vielversprechend.

    Ich wünsche euch auf jeden Fall weiterhin alles Gute (langweilig wird’s euch wohl kaum werden ;-) ) und ebenfalls allzeit gut Licht!

    Stefan

    Antworten
    • Thomas Brotzler says:

      Gewiß eher ein ’nicht könnt als ein nicht wollt‘ … wenn es keine Honorargrundlage mehr gibt, dann bliebe nur der Idealismus, und der wäre (trotz seines unbestrittenen Stellenwerts für den Zusammenhalt der menschlichen Gemeinschaft) vor dem Hintergrund professionellen Arbeitens (und nicht weniger wie das durftet Ihr von uns und unseren Artikeln erwarten) alsbald zum Scheitern verurteilt.

      Andererseits stirbt eine gute Idee (wie diejenige der qualifizierten Bildkritik) nicht an der vorübergehenden Umsetzungsschwäche. Es liegt auf dieser Idee auch kein Copyright. Insofern bin ich mit einigen Leuten durchaus dran, neue Wege und Plattformen hierfür zu suchen. Auch Abonnement- bzw. Einzelhonorarmodelle wollen hierfür bedacht sein, wie sie in angloamerikanischen Ländern offensichtlich schon etabliert sind.

      Wäre so etwas denn auch aus Eurer Sicht nachvollziehbar? Die Alternative dazu ist halt Werbung, und man sieht ja, wie das endet, wenn ein Mister Wichtig plötzlich den Stecker zieht …

    • Christian Fehse says:

      Eine solche Idee habe ich auch schon gehabt. Vielleicht sollte man sich zu solchen Themen mal austauschen…

    • Sofie Dittmann
      Sofie Dittmann says:

      Lenswork zieht das schon seit Jahren erfolgreich durch. Ich bezweifle, daß Brooks Jensen dadurch reich wird, aber ich denke, er hat eine ganze Menge Spaß.

      @Thomas Brotzler, wenn Ihr jemanden wie mich gebrauchen könnt, weißt Du ja, wo Du mich finden kannst. :)

  3. Sofie Dittmann
    Sofie Dittmann says:

    Es gilt für mich das gleiche, wie für Thomas auch: die Zeit hier war super, und für Euch zu schreiben war für mich gewinnbringender, als vieles, was ich davor unternommen habe. Leider scheint Weka kein Interessa daran zu haben, sich auf die Stärken von fokussiert zu konzentrieren, und bisherige Vorschläge meinerseits, die Publikation umzuarbeiten, blieben vollständig unbeantwortet. Meine Autorentätigkeit wird sich wohl auch in anderer Hinsicht fortsetzen. Ansonsten, allzeit gut Licht, und vielen Dank für die positive Rückmeldung!

    Antworten
  4. Marcus Leusch says:

    Lieber Thomas,

    es ist ein bisschen wie in „Der Herr der Ringe“, wenn Frodo das Auenland für immer verlässt. … Ja, das macht wehmütig, und wahrscheinlich geht es nicht nur mir so. Vor rund zwei Jahren fand ich den Weg zu fokussiert und fühlte mich gleich irgendwie heimisch – und aufgehoben im doppelten Wortsinn. Daran hattest Du mit Deinen Beiträgen einen ganz erheblichen Anteil, die ja auch immer wieder meine eigenen fotografischen Arbeiten, die ich hier erstmals einem „größeren“ Publikum zeigen durfte, 
zum Gegenstand hatten. Deine Kritiken haben mich nicht nur „reicher“ gemacht, sie waren auch immer das ganz persönliche Zeugnis einer respektvollen Hinwendung: „Le style, c‘est l‘homme mème.“ Auch diese Diskussionskultur werde ich sehr vermissen, 
wie all jene, die sich daran beteiligt haben. … Auch deine „Ermutigungen“ nehme ich für kommende Projekte mit (– eine erste kleinere Ausstellung meiner Arbeiten in Kassel im nächsten Jahr…).


    In diesem Sinne schließe auch ich mich Christians Weihnachtsgrüßen gerne an …

    Antworten
  5. Christian Fehse says:

    Dann möchte ich bei dieser Gelegenheit auch allen, die man hier so gelesen hat, ein frohes Weihnachtsfest wünschen. Vielleicht sieht man von dem einen oder anderen mal was woanders.*gg*

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  6. Thomas Brotzler says:

    Zitat: „Sieben auf einen Streich und kein Ende.“ Ich fürchte doch, lieber Marcus. Also …

    Liebe Leute,

    das war es nun vorerst von Seiten meiner Tutorials hier auf Fokussiert. Einige Bildbesprechungen stehen zwar noch zur Verfügung und werden beizeiten sicher noch veröffentlicht werden. Sofern sich dazu Diskussionen ergeben, nehme mich daran natürlich gerne teil. Wie sich bereits herumgesprochen haben dürfte, werden derzeit aber keine neuen Beiträge im Bereich der Tutorials und Bildbesprechungen mehr angenommen.

    Erlaubt mir einen etwa wehmütigen Rückblick: Vor gut zwei Jahren, Anfang August 2012, erschien hier mein erster Beitrag für Fokussiert – eine eigentlich ganz schön lange Zeit für das so schnelle und wandlungsfähige Internet. 284 Artikel später, darunter 24 mehrteilige Tutorials, gilt es nun allmählich Abschied zu nehmen.

    Besonders gut gefielen mir die lebhaften und kontroversen Diskussionen und die freundliche und respektvolle Atmosphäre dabei. Das war etwas ganz anderes wie die in vielen Foren vorherrschende Rechthaberei und Selbstdarstellung. Ich denke, daß ich über die Rückmeldungen selbst noch eine Menge lernen konnte und möchte Euch herzlich dafür danken.

    Der sich nun abzeichnende Abschied von Fokussiert markiert gewiß kein Ende meiner publizistischen Tätigkeit. Eher verlagern sich meine Schwerpunkte in Richtung des dpunkt- und Heise-Verlags. Wer mag, wird mich etwa beim Fotoespresso oder bei C’t Digitale Fotografie wiederfinden. Wer noch mehr über meine fotografischen Aktivitäten erfahren möchte, kann sich gerne auch in den Verteiler meiner Newsletter eintragen.

    Macht’s gut und vielleicht bis bald.

    Ich drück‘ Euch jetzt einfach mal alle …
    Thomas

    Antworten
  7. Marcus Leusch says:

    Hallo Thomas,

    „Sieben auf einen Streich“ und kein Ende. … Im Märchen wird der Schneider glücklich, und wir dürfen es vielleicht auch in der Wirklichkeit sein, wenn wir mit sooo vielen Anregungen an unseren eigenen „Märchen“ (Bildideen) herumschneidern. Sehr herzlichen Dank für die zahlreichen Inspirationen zum Thema, auch hinsichtlich einer gewissen „Ehrenrettung“ für das tot geglaubte „Street“: Ja, gerade in Zeiten wie diesen, ist es nötig, dass wir mit Hirn und Herz auf die Straße gehen, um festzuhalten, worüber ein blinder Zeitgeist so eilig hinwegschreitet …

    Herzliche vorweihnachtliche Grüße
    Marcus

    Antworten

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