Leserfoto:
Extremes Gegenlicht

Eine eindrucksvolle Gruppenaufnahme im Gebirge, zugleich aber auch einige typische Artefakte der Gegenlichtfotografie möchte ich Euch in der heutigen Bildbesprechung vorstellen.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (3 Bilder)

Ausgangsbild

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Unser Leser Kim Jonas Meier aus Meierskappel bei Luzern hat uns das obige Bild unter dem Titel „Licht und Schatten” in der Kategorie ‚Landschaft‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Das Foto ist bei einem Wochenendausflug im schweizerischen Tessin entstanden. Es war ein sehr dunstiger Tag, und ich wusste da noch nicht, was für tolle Effekte man erreichen kann, wenn man sich bei solchem Wetter in die Sonne stellt und fotografiert. So entstand eine tolle Reihe von Fotografien mit allen möglichen Silhouette-Figuren. Natürlich musste auch noch ein Gruppenfoto her. Der Selbstauslöser wurde eingestellt, und so brauchte ich mich nur noch links daneben zu stellen und schon ist dieses Foto hier entstanden. Mir gefällt die natürlich entstandene Vignette und die flächig wirkenden Bergreihen, die auf die schöne Aussicht schliessen lassen. Diese Fotografie wurde nicht bearbeitet, nur zurecht geschnitten, damit die Gruppe schön im Zentrum liegt (da auch das Licht zum Zentrum hin verläuft). Kameraeinstellungen: ISO: 100 Verschlusszeit: 1/640 Blende: f/16 Liebe Grüsse Kim”

Zur Aufnahme wurde eine Canon EOS 400D mit Weitwinkelzoom Canon EF-S 10-22mm f/3,5 – 4,5 USM verwendet. Die Brennweite betrug 10 mm (entsprechend 16 mm Kleinbildäquivalent bei einem Formatfaktor von 1.6). Über die Belichtungsdaten hatte Kim Jonas bereits berichtet.

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Um entsprechenden Fragen zuvorzukommen: „ja, das reicht, um nach zeitverzögertem Selbstauslöser zur Gruppe zu flitzen und sich dort ganz entspannt hinzustellen. Die Kamera ist nicht weit von der Gruppe postiert, denn ’16 mm KBÄ machen große Dinge ziemlich klein’” … doch betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente.

Komposition (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Perfekt eingepaßt zeigt sich die Bildanlage – der Rahmen des Goldenen Schnitts umschließt die Gruppe der jungen Leute einschließlch der von diesen verdeckten Sonne und einem kleinen Saum der Bergsilhouettenkante (türkisfarbene Linien ebd.).

Zetraler Blickfang ist die erwähnte Gruppe (rote Linien ebd.), welche auf einem kleinen Hügel oder Nebengipfel zu stehen scheinen (orangefarbige Linien ebd.). Auch die schemenhaft im Hintergrund erkennbaren Bergkanten laufen auf die zentralen Gruppe zu (gelbe Linien ebd.).

Tonwerte (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Das Histogramm ist deutlich linksversetzt und -steil bei einem Mittelwert von etwa 50. Ein deutlicher Peak zeichnet sich im Bereich der tiefsten Schatten ab.

Die Personengruppe und der kleine Hügel bzw. Nebengipfel fallen in die Zone 0, sie erscheinen damit als reine Silhouette ohne Detailstruktur und Tonwertmodulation. Die Berge im Hintergrund umfassen die Zonen II bis III. Der Himmel durchwandert fast alle Zonen, beginnend bei Zone X im Bereich der etwas durchblitzenden Sonne und endend bei Zone I am Bildrand.

Farben:

Im Bildzentrum überwiegen warme Rot- und Gelbtöne, sie verkürzen damit den Raum und scheinen die Personengruppe etwas aus dem Bild heraustreten zu lassen. Kühle Blautöne überwiegen dagegen zu den Bildrändern hin, diese lassen somit die Umgebung in den Hintergrund treten.

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Zusammenfassung:

Mir gefällt Kim Jonas‘ Bildidee recht gut.

Die Komposition ist übersichtlich, sie wirkt in ihrer zentralen Anlage statisch, fast streng. Das Bild wirkt in solcher Weise nicht sonderlich dynamisch, doch ist die Bildidee der Heraushebung und Betonung der Personengruppe überzeugend umgesetzt. Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch, daß alle Nebenlinien der vorder- und hintergründigen Bergkanten auf eben diese Gruppe zulaufen.

Erwähnt sei noch, daß bei derart extremen Kontrastverhältnissen einer Gegenlichtaufnahme die heutige Sensortechnik an ihre Grenzen gerät – gemeint ist hier nicht der Dynamikumfang, denn dieser ist durch die geschickte Verdeckung der Sonne soweit ‚eingefangen‘, sondern vielmehr der rasante Durchgang durch die verschiedenen Tonwertstufen auf relativ knappem Raum. Wir sehen im oberen Bildteil deutliche Bildartefakte im Sinne von streifigen Tonwerttrennungen (auch als Banding bzw. Posterisation bezeichnet).

Dies ist das einzige Manko dieser ansonsten so überzeugend angelegten und komponierten Arbeit.

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Bildteil:

Komposition: Bildanlage

Komposition: Grundelemente

Tonwerte: Histogramm und Zonenverteilung

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Einfache Monitore mit sogenanntem TN-Panel sind werkseitig selten auf eine korrekte Farb- und Helligkeitswiedergabe eingestellt. Insbesondere die tiefen Schatten (Zonen 0 bis II) wirken oft wie verklumpt. Die Bilder sind so nur eingeschränkt beurteilbar, da der Monitor nicht das wiedergibt, was der Fotograf beabsichtigte.

Für eine orientierende Monitorprüfung eignet sich der nachstehende Graustufenkeil. Sind alle 26 Abstufungen unterscheidbar, ist zumindest hinsichtlich der Tonwerte alles in Ordnung.

Wenn nicht, ist eine Kalibrierung des Monitors zu empfehlen – softwareseitig bzw. unter Augenkontrolle mit kostenlosen Tools wie etwa dem Monitor Calibration Wizard (das bekannte Adobe Gamma ist mittlerweile nicht mehr verfügbar), hardwareseitig bzw. unter Sensorkontrolle mit Geräten etwa von Datacolor oder X-Rite.

Orientierende Monitorprüfung


 

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In der Rubrik ‚Bildkritik‘ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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