Leserfoto:
1000 Sonnen

Eine verdichtete Bildbetrachtung.

Ausgangsbild

Unser Leser Heiko Rau aus dem württembergischen Hattenhofen hat uns das obige Bild unter dem Titel „1000 Sonnen” in der Kategorie ‚Abstraktion‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Hallo, nach heftigem Regen kam am Abend noch die Sonne durch die Wolken. Zuerst wollte ich ein Bild vom ganzen Fenster machen, denn die Tropfen, die am ganzen Fenster hingen, schienen wie viele kleine eigene Sonnen. Ich bin immer weiter ins Detail gegangen und habe am Schluss das 55-200 rausgeholt um einen möglichst kleinen Ausschnitt zu erhalten (ein Makro fehlt leider noch…). Jetzt wiederholt jeder Tropfen die Szene vor dem Fenster. Es hat mich überrascht, wie schnell die Sonne sinkt und wie wenig Zeit ich hatte, mich um Ausschnitt und Hintergrund zu kümmern. Es gibt auch noch eine Aufnahme mit komplett orange-farbenem Hintergrund, doch diese hier gefällt mit dem kühlen oberen Bereich besser. Weil ich wegen der Hintergrundfarben schräg durchs Fenster fotografieren musste, sind wegen der Kombination aus kürzestmöglicher Entfernung und längster Brennweite leider die Tropfen rechts und links in die dann unvermeidbare Unschärfe geraten (Danke übrigens Thomas für das Tutorial über die Schärfentiefe neulich :-) ). In der Nachbearbeitung habe ich 2-3 Staubkörner des Fensters weggestempelt und die Farben intensiviert. Was hätte man technisch (Makro?) und gestalterisch (nicht schon wieder ein quietschbunter Sonnenuntergang?) besser machen können? Vielen lieben Dank vorab, Heiko”

Betrachten wir zunächst die Aufnahmedaten: ‚300 mm kleinbildäquivalenter Brennweite, eine Belichtungszeit von 1/125 Sek bei Blende f/5,6 und ISO 100‘ sprechen eindeutig bzw. wahlweise für …

  1. eine ‚feste Betonhand‘,
  2. einen ‚hochwirksamen Bildstabilisator‘,
  3. eine ’nützliche Auflage‘ der Kamera (oder)
  4. noch anderes, was mir gerade nicht einfällt …

Heikos Dilemma ist nachvollziehbar – in der Aufnahmesituation herrschte offensichtlich geringes Licht, weswegen er eine offene Blende wählte, was natürlich die Problematik der geringen Schärfentiefe verstärkt und die seitlichen Bildpartien (durch die Schrägaufnahme) in relativer Unschärfe beläßt.

Doch sollten wir uns darin nicht verbeißen – gerade der abstrakte Charakter des Bildes scheint mir geeignet, über das genannte Dilemma wohlwollend hinwegsehen zu können.

Auch Heikos Besorgnis („nicht schon wieder ein quietschbunter Sonnenuntergang”) möchte ich energisch entgegentreten. Über dieses Thema hatte ich mich im Tutorial ‚Folgt dem Untergang der Sonne derjenige der Fotografie auf dem Fuße?‘ weitschweifig ausgelassen. Der Bildwitz dieser Aufnahme (daß also so etwas Großes, Mächtiges und Einzigartiges wie die Sonne plötzlich ganz klein und dann noch multipliziert erscheint) ‚haucht dem alten Thema doch genug neues Leben ein‘ und zeugt insofern von einer kreativen Herangehensweise …

Die fokussiert.com-Bildkritik ist die Besprechung einer von Leserseite eingesandten Fotografie. Sie zeigt Tipps und Tricks zu Technik, Komposition und Nachbearbeitung. Sie wollen dabei sein? Reichen Sie Ihre Fotografie ein. Oder buchen Sie eine private Kritik.

Fazit: das Bild gefällt, besonders durch seine frische Idee.

Gewiß könnte man durch eine (mithilfe Stativverwendung und höherer Empfindlichkeit mögliche) kleine Blende das Dilemma der Schärfentiefe mildern. Ein Makroobjektiv würde hier vermutlich wenig bringen, denn dieses spielt seine Qualitäten ja erst in extremer Objektnähe aus, wo die Schärfentiefe oft nur Millimeter (bzw. Bruchteile dessen) beträgt …


2 Antworten
  1. Heiko says:

    Hallo Thomas,

    danke für die Berücksichtigung meines Bildes und die freundliche Rückmeldung dazu.

    Zur Frage der Stabilisation: ich hatte beide Ellenbogen aufgestützt.

    Viele Grüße
    Heiko

    Antworten

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