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Goodbye Fitz Roy

Manchmal kann Farbe ablenken. Wir interpretieren eine Farbaufnahme neu als Schwarz/Weiss

Ausgangsbild

Unser Leser Klaus Meier aus Stuttgart hat uns das obige Bild unter dem Titel „Goodbye Fitz Roy” in der Kategorie ‚Landschaftsfotografie‘ zur Besprechung eingereicht.

Dieses Bild wurde am Vormittag ein stück nach unserer wehmütigen Abfahrt vom wirklich beeindruckenden wilden Fitz Roy/Argentinien gemacht

Ganz unbekannt sind das Motiv und der Standort nicht, wie eine Bildersuche mit Google ergab – bildwürdig ist die Szene aber zweifelsohne.

Sehr gefällig wirkt kompositorisch die ungefähre Dreiteilung des Bildes mit ausdrucksstarkem Himmel, detailreich gezeichnetem Berg (weswegen ich das Bild auch in der Einreichgröße von 2.738px mal 1.790 Pixel belassen habe) und gestaffelter Vordergrundpartie (wobei diese fast zu weitläufig wirkt und von unten her noch etwas beschnitten werden könnte).

Die Belichtung ist ausgewogen, nennenswerte Tonwertabbrüche liegen nicht vor.

Trotzdem stört mich etwas an diesem Bild – es ist der so pastös-breiige Farbauftrag mit den nach vorne und oben strebenden Warmtönen im Vordergrund und den nach hinten und unten strebenden Kalttönen im Hintergrund. Gemeinsam mit der recht dunkel gehaltenen Partie des vorderen Mittelgrundes vermittelt das Bild so einen schweren bzw. dumpfen Eindruck. Es fehlt das Leuchten, die Erhabenheit, das nach oben Strebende, welches das Hauptmotiv des Berges aus meiner Sicht erst richtig zur Geltung brächte.

Diese Gedanken flossen in die untenstehende Neuinterpretation mit Schwarzweißkonvertierung ein.

Neuinterpretation mit Schwarzweißkonvertierung

In der Rubrik ‚Bildkritik‘ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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7 Antworten
  1. DWL says:

    Mir gefällt das Original recht gut. Die Bildaufteilung ist ebenso gut wie die Blickführung mittels der Straße und den Zäunen links, welche in das schöne, geheimnisvolle Dunkel der Wolkenschatten führt (auch dieses Dunkel ist extrem reizvoll) und dann den Blick zum majestätisch schwebenden Massivs mitsamt spektakulärer Wolkenformation links und dem Himmel führt.

    wunderbares Motiv, sehr gut eingefangen.

    Einzig die Farbsättigung empfinde ich als einen Tick zu übertrieben, aber noch ok.

    Die S/W-Überarbeitung hat ebenfalls ihren Reiz, aber es wirkt auf mich nicht mehr wie ein Foto, sondern eher wie ein alter Stich. ZUVIEL ist klar sichtbar, zuwenig bleibt – wie es natürlich ist – kurz im Wolkenschatten versinkend. Ein wenig des Zaubers im Original geht mir dabei verloren.

    Wenn mir einmal ein auf den ersten Blick nicht sofort verständlicher vergleich erlaubt sei: Es ist so, als wenn man bei einem Aktfoto mit teilweiser, geheimnisvoller Bedeckung mittels Chiffon alle reizvollen und subtilen Textil-Facetten oder phantasieanregenden Schattenpartien durch rundum-Licht zunichte machen würde.

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  2. Chilled Cat
    Chilled Cat says:

    Mir gefällt Christians Farbüberarbeitung auch sehr gut, das Bild gewinnt für mich auf jeden Fall gegenüber der Originalversion durch den höheren Kontrast im Vordergrund.

    Vielen Dank dafür!

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  3. Christian Fehse says:

    Ich sehe in den Ausgangsbild zuerst ein Bild mit schönen Farben. Den etwas schweren und dumpfen Eindruck kann ich auch sehen.
    Thomas macht daraus ein dramatisches Schwarzweißbild. Die Wolken türmen sich auf, der Berg wie ein Kristall im Licht.

    Ich habe es mal in Farbe versucht:
    http://update.infomantis.de/download/cf/goodbuyfitzroy__farbe_cf.jpg

    Das ist natürlich längst nicht so dramatisch – weil ich auch nicht so gut bin wie Thomas – und ich habe es möglicherweise mit der Öffnung und der Klarheit übertrieben, aber so ohne Kick ist eine Version in Farbe für mich nicht.

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    • Thomas Brotzler says:

      Danke für die Überarbeitung in Farbe, Christian! Durch Anhebung der Mitten bringst Du die Szene „besser zum Leuchten“, was ja auch mein Ansatz war. Ich empfinde in Deiner Überarbeitung den Mitteltonkontrast vielleicht etwas zu sehr ausgereizt, so daß die Vordergrundstrukturen schon etwas zu schartig wirken und den Blick vom monumentalen (und motiventscheidenden) Berg ablenken.

    • Christian Fehse says:

      Ich hätte nicht genau sagen können, was es ist, aber da hast Du wohl Recht.

  4. Chilled Cat
    Chilled Cat says:

    Thomas, du bist aber streng heute…. ;-)

    Ich fand an der eingereichten Farbversion erst mal nichts wirklich zu bemängeln.

    Aber ich muss anerkennen, dass deine Schwarzweißversion einen Kick hat, den die Farbversion vorher nicht hatte.
    Nach dem Betrachten der Schwarzweißversion verstehe ich auch die Anmerkung mit dem „pastös-breiigen Farbauftrag“. Ich finde es immer wieder verblüffend, wie unterschiedlich der Kontrast in Farbe und Schwarzweiß ausfallen kann. Obwohl ich auch bei eigenen Bildern diesen Unterschied im Kontrast schon ein paar mal bemerkt habe, ist mir noch nicht ganz klar, wann der „Trick“ funktioniert und wann nicht. Bisher probiere ich halt aus, was besser wirkt.

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