Nebel in Marokko:
Märchenhafte Landschaft

Eine sehr stimmungsvolle Landschaftsaufnahme möchte ich Euch in der heutigen Bildbesprechung präsentieren.

 

Leserin Patricia Szabo aus dem niedersächsischen Springe hat uns das obige Bild unter dem Titel „Am Strand von Essaouira” in der Kategorie ‚Schnappschuss‘ (auch ‚Landschaft‘ wäre hier in Frage gekommen) zur Besprechung eingereicht.

Dieses Foto entstand an einem nebeligen Nachmittag in Essaouira (Marokko – April 2014). Ich unternahm eine einwöchige Reise in dieses spannende Land. Auf eigene Faust. Mit Rucksack. Einfach mal umsehen. An diesem Tag wollte ich einfach etwas Sonne tanken. Der dichte Nebel jedoch, versetzt mit Staub machte mir einen Strich durch die Rechnung. Die Kulisse wirkte fast märchenhaft, die nur schemenhaft erkennbaren Menschen wie Geister. Ich schoss einige Bilder und bearbeitete sie zu Hause anschließend nach (Lightroom 5). In Wirklichkeit war alles in gelblichen Dunst gehüllt. Ich finde es in Blau ein wenig interessanter … Kamera: Nikon D7000, Objektiv: Tamron 10-24, Blende: f/10, Brennweite: 11 mm, Messmodus: Mehrfeld, kein Blitz

Über Ausrüstung und Aufnahmedaten hatte Patricia bereits berichtet. Zu ergänzen wäre noch die kleinbildäquivalente Brennweite von 16,5 mm bei einem Formatfaktor von 1,5 sowie die Sensorempfindlichkeit von ISO 100.

Es ist fast ein wenig schade, daß sich Patricia so brav an unsere Vorgaben gehalten und dieses Panoramabild mit einer langen Seite von 1000 Pixel eingereicht hat – je größer das Bild, desto besser mag es zur Geltung kommen. Daher möchte ich Euch ermuntern, ruhig einmal ‚dem intelligenten Regelübertritt zu frönen‘ und Panoramabilder künftig mit einer langen Seite von 2000 Pixel einzureichen. Unser Server überlebt das schon … doch betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente.

Trotz der nebligen bzw. schemenhaften Anmutung weren die Grundelemente deutlich – zu nennen sind hierbei einige Personen, teils größer, teils kleiner, die sich wie in einer aufgelockerten Kette dem Strand entlang bewegen (rote Linien ebd.). Ein gewisser ‚Rhythmus der Gruppierung‘ ergibt sich durch die etwa im Goldenen Schnitt isolierte Person, die gleichsam als ein kleiner, aber wichtiger Blickfang fungiert und der zum rechten Bildrand hin zunehmenden Häufung der Personen (ohne spezielle Abbildung ebd.).

Wir erkennen ferner im Hintergrund, wiederum schemenhaft und fast nicht vom Horizont unterscheidbar, eine Stadtsilhouette (grüne Linien ebd.). Wichtig sind ferner die wohl von Wind und Wellengang herrührenden Verwerfungen im Sand (gelbe Linien ebd.), welche die Blickführung vom Vorder- in den Hintergrund unterstützen (blaue Pfeile ebd.).

Ich komme nochmals auf den bildwichtigen ‚Rhythmus der Gruppierung‘ zurück – wir können demnach die Einzelperson im Goldenen Schnitt als eine Art erstrangiger Fläche, die Personen insgesamt als zweitrangige und die Stadtsilhouette mit Horizont als drittrangige Fläche betrachten (blaßweiß abgestufte Flächen ebd.). Hierdurch wird auf knappem Raum und auch ohne sonderliche Schärfentiefe, mit Unterstützung besagter Fluchtlinien, ein beträchtlicher Tiefeneindruck erzeugt.

Das Histogramm zeigt sich bei einem Mittelwert von knapp 125 ausgesprochen steil, die tiefen Schatten und hellen Lichter sind kaum belegt, was dem Bild einen zu Nebelstimmmung passenden, niederkontrastigen Eindruck verleiht.

Entsprechend sanft sind die tonalen Übergänge der einzelnen Bildbereiche – der etwas dunklere Vordergrund in den Zonen III bis V hebt sich subtil vom Hintergrund in der Zone V und dieser ebenso vom Himmel in der Zone VI ab. Nur die verschiedenen Personen setzen mit den Zonen I bis II kleine, dunkle Akzente.

Subtil zeigt sich auch das Farbenspiel mit Übergängen von blau über türkis bis zu einem leiht gelblichen Grün. Alle Töne sind stark gedämpft bzw. gebrochen.

Ich kann Patricia zu dieser sehr stimmungsvollen bzw. atmosphärischen Arbeit nur gratulieren.

Ihre Beschreibung der ‚märchenhaften Kulisse und schemenhaft erkennbaren, wie Geister wirkenden Menschen‘ trifft genau das, was das Bild dem Betrachter vermittelt. Der Nebel fungiert hier tatsächlich als ‚bester Landschaftsmaler‘, indem er sanfte Übergänge in den Ton- und Farbwerten schafft. Patricia tat auch gut daran, den niederkontrastigen Eindruck zu belassen.

Zu verbessern gibt es hier aus meiner Sicht nichts.

Komposition: Grundelemente

Komposition: Bildzentren und Blickführung

Tonwerte: Histogramm und Zonenverteilung

Farben

1 Antwort
  1. Chilled Cat
    Chilled Cat says:

    Ich finde, es ist nicht nur fast ein wenig schade, dass dieses Bild so klein ist. Dieses Bild könnte ganz bestimmt ein paar Pixel mehr vertragen, ich würde mich darüber sehr freuen, es in einer größeren Version zu sehen.

    Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *