Linienreiche Bildkomposition:
Kleines Schlitzohr ganz groß

Eine beeindruckende Bildanlage mit einem szenischen I-Tüpfelchen: Die Linienführung in der Säulenhalle führt dank eines Besuchers am richtigen Ort zu einer beachtlichen Konzentration der Aufmerksamkeit.

Rom Petersplatz mit kleinem Jungen

Situation in Rom, Vatikan, Säulen auf den Vorplatz. Ein kleiner Junge sieht mich beim fotografieren der Säulen und versteckt sich um dann zu schauen, ob ich noch da bin. Darauf habe ich gewartet und ihn erwischt. Leser Wolfgang Everding aus Bremen

Über Ausrüstung und Aufnahmedaten liegen keine Informationen vor.

Übersichtlich und gefällig stellt sich die Bildanlage dar. Ein kleiner Junge, dessen Kopf nur im Drittel von links unten erkennbar wird (rote Linien ebd.), wird von bogig nach links hinten verlaufenden Säulen, drei auf der linken und mit Anschnitten zehn auf der rechten Seite, eingerahmt.

Der Kopf des Jungen fungiert als Blickfang, eine Vielzahl von Linien führt auf diesen zu

Tonwerte: Etwas rechtsversetzt bei einem Median von knapp 155, dabei auch sehr ausgewogen präsentiert sich das Histogramm. Tonwertabbrüche liegen nicht vor.

Der Kopf des Jungen erscheint als vergleichsweise dunkler Auftrag in den Zonen I bis VI. Heller abgesetzt davon zeigen sich der Boden in den Zonen IV bis VI bzw. das Licht-Schatten-Spiel der Säulen in den Zonen VI bis VIII.

Farben: Gebrochen rötliche, also warme Töne überwiegen in den vorderen, gebrochen bläuliche, also kühle in den hinteren Bildpartien.

Man merkt dem Bild an, daß jemand ‚mit dem richtigen Auge und Herzen dran‘ war …

Das Foto wird von einer beeindruckenden und raumschaffenden Säulenformation bildfüllend beherrscht. Wie zur Auflockerung und als I-Tüpfelchen erscheint an optimaler Position plötzlich der kleine Kopf des Jungen. Ein kurzer Blickdialog zwischen dem Fotografen und dem Jungen entsteht und zieht uns Betrachter noch mehr in das Bild hinein.

Komposition: Grundelemente und Blickführung

Tonwerte: Histogramm und Zonenverteilung

Gelungene Arbeit, die ein Hingucken fast unausweichlich provoziert.

7 Antworten
  1. Peter Sennhauser says:

    Ja, von Thomas sind noch einige Bildkritiken in der Pipeline – wäre ja ungeheuer schade, die Besprechungen nicht mehr zu publizieren, oder? Und Thomas hat so auch noch eine Präsenz auf fokussiert.com.

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  2. Thomas Brotzler says:

    Hallo zusammen …

    Ich bin eher zufällig auf diesen (von mir schon vor längerer Zeit eingestellten und eben jetzt veröffentlichten) Beitrag gestoßen und selbst etwas überrascht. Positiv natürlich, auch über die Wiederbelebung von Fokussiert auf Basis gegenseitiger Hilfe. Formal sind es wie gesagt ältere, bereits honorierte Beiträge, die nach Ermessen der heutigen Betreiber natürlich noch verwendet werden können. Neue Beiträge wird es von meiner Seite hier (aus den bekannten, zumindest zu erahnenden Gründen) nicht mehr geben. Die meisten von Euch wissen ja, wo ich heute publizistisch (im Umfeld des dpunkt- und Heise-Verlags) und bildanalytisch (bei seen.by) unterwegs und zu finden bin …

    Herzliche Grüße in die Runde
    Thomas

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  3. Lorenz says:

    Wolfgang, dass du den berühmten Petersplatz „Vorplatz“ nennst, liess mich schmunzeln. Das Bild finde ich klasse.
    Wahrscheinlich kommt es als Wandbild in (sehr) grossem Format noch besser zur Geltung. Wie aber sähe das nicht ganz weisse Bild an einer ganz weissen Wand aus? Vielleicht hülfe ein Rahmen? Ich weiss es nicht.

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  4. Herr Martin Pitsch says:

    Schön wieder von Ihnen eine Rezension hier lesen zu dürfen!

    Dem Gesagten ist nichts hinzu zu fügen. Das Bild ist absolut gelungen und zieht den Betrachter geradezu zwingend mit seinem Blick in die Kolonnaden des Petersplatzes hin zum Jungen.
    Für mich baut sich bei der Betrachtung geradezu eine Spannung auf, zumal ich den Ort als einen durchaus lebhafteren kenne. Für mich ein Foto, welches im absolut richtigen Moment gemacht wurde.

    LG,
    Martin Pitsch

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  5. Marcus Leusch says:

    Was wären die imposanten Säulenformationen wohl ohne das menschliche Maß? Hier gelingt ein lichter Augenblick im Kolossalen. Für mich hat der Eyecatcher im Bild durchaus auch eine humorige Komponente, der den gewaltigen architektonischen Massen mit ihrer Geschichtsmächtigkeit eine gewisse Leichtigkeit verleiht, die uns in das Bild hinein zieht; geschickt in Szene gesetzt, weil der Fotograf so geduldig war, den entscheidenden Moment abzupassen: Eine gelungene Aufnahme, ja, ein schönes Street (auch wenn’s wohl unter „Architektur“ veröffentlicht wurde) mit beeindruckend einfachen Mitteln. Aber: Wer sagt denn, dass Architektur-Aufnahmen immer ohne ihren Adressaten, „Mensch“ in Zeit und Raum, auskommen müssen?

    @ Thomas
    Freue mich nicht bloß über diese besonnene Bildauswahl … Auch eine kurze Bildkritik erinnert an eine „Handschrift“, die für mich nach wie vor auf einer Goldwaage liegt … Gibt es hierzu künftig weitere
    Beispiele?

    Beste Grüße
    Marcus

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