Architekturfoto:
Ein veränderter Blick

Eine interessante Architekturfotografie: Der Blick von unten gegen den Himmel schafft eine spannende Tonwertverteilung und Kontrastunterschiede.

Ausgangsbild

Leser Detlef Reich aus Bonn hat uns das obige Bild unter dem Titel „Post-Tower, Bonn” in der Kategorie ‚Architektur‘ zur Besprechung eingereicht:

Anbei habe ich eine Ansicht des Post-Towers in Bonn. Bei der Aufnahme handelt es sich um meine ersten Ausflüge in die Architektur- sowie SW-Fotografie. Für mich war bei dieser Aufnahme wichtig, die gezeigten Form-Elemente dieses Gebäudes zu betonen und eine für den Betrachter ungewohnte Sichtweise zu präsentieren. Als Equipment verwendete ich eine Olympus E-M1 mit Zuiko 9-18 bei ISO 100, sowie ein Stativ.

Über die verwendete Ausrüstung hatte Detlef bereits berichtet. Die Brennweite betrug 9,0 mm (entsprechend 18,0 mm Kleinbildäquivalent bei einem Formatfaktor von 2,0), die Belichtungsdaten waren 1/6 Sekunde bei Blende f/20,0.

Betrachten wir zunächst die grundsätzlichen Bildelemente.

Komposition (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Als strukturgebende Bildteile möchte ich hier die sehr spitzen, ‚energisch in den Raum greifenden‘ Dreiecke anführen (rote Linien ebd.). Diesen gesellen sich weitere Elemente wie vertikale Streben, Stützen und Erker bei (gelbe Linien ebd.). Nicht unerwähnt bleiben sollen die beiden ‚Eckläufer‘ links unten und rechts oben, welche die für unsere Seherwartung so ungewöhnlich in den Raum ragenden Architekturelemente kompositorisch einbinden.

Von Seiten der Blickführung meine ich, zwei Hauptrichtungen ausmachen zu können (violette Linien ebd.) – eine solche von links unten nach rechts oben, wiederum unterstützt von den erwähnten Eckläufern; weiter eine solche quer zu dieser, etwas angedeuteter, von rechts unten nach links oben verlaufend und ihren angedeuteten Abschluß in der Wolkenstruktur findend (blaue Linien ebd.)

Tonwerte (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Das Histogramm zeigt sich zweigipflig mit einem kleineren Peak im Bereich der offenen Schatten und einem größeren im Bereich der hellen Mitten. Der Median liegt bei etwa 145, Tonwertabbrüche liegen nicht vor, so daß man insgesamt von einer recht kontrastreichen, aber ausgewogenen Belichtung sprechen kann.

Interessant ist die Verteilung der Zonen: jener dominante Keil von rechts unten wird durch die vergleichsweise dunklen Zonen I bis IV betont, während sich die anderen Architekturelemente davon heller und kontrastreicher in den Zonen I bis VIII absetzen. Der Himmel umspielt die Zonen VI bis IX und schafft so einen weiteren, raumgreifenden Kontrast.

Zusammenfassung:

Ich muß sagen, daß mich Detlefs  ‚erste Ausflüge in die Architektur- sowie SW-Fotografie‘ sehr beeindrucken.

Wir sehen hier eine gute angelegte und belichtete Arbeit, welche einerseits die Seherwartungen des Betrachters kalkuliert bricht, andererseits aber auch neue Sichtweisen ermöglicht.

Wie oben dargelegt, besteht das Bild aus einer Anzahl sinnvoll zusammengesetzter, spitzer Dreiecke und Blickquerungen. Die ansehnliche Tonwert- und Strukturzeichnng trägt das ihre zu dieser sehr gelungenen Arbeit bei.

Bildteil:

posttowerbonn__Komposition-Grundelemente

posttowerbonn__Komposition-Blickfuehrung

posttowerbonn__Tonwerte-Histogramm-Zonenverteilung


Anmerkung der Redaktion: Thomas Brotzler arbeitet nicht mehr aktiv für fokussiert.com, aber er hat einige fertige Kritiken hinterlassen. Die möchten wir Euch nicht vorenthalten; eine Diskussion kann jedenfalls entstehen, und Thomas ist als Gast immer wieder zugegen.


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