Flagge vor Sonne:
Maskiertes Gegenlicht

Ein heiteres Seebild nach düsterem Gefängnisbesuch: Bisweilen darf der Horizont auch mal kippen und die Farben ausbrennen.

Ausgangsbild

Leser Frank Amberger aus Frankfurt a. M. hat uns das obige Bild unter dem Titel „Stars and Gate” in der Kategorie ‚Schnappschuss‘ zur Besprechung eingereicht.

Nach der Besichtigung von Alcatraz auf dem Schiff zurück nach San Francisco wollte ich eigentlich keine Fotos machen und mich der Stimmung des zu Ende gehenden Tages hingeben. Während mein Blick so hin und herschweifte, sah ich die Sonne hinter der leicht wehenden Fahne verschwinden. Der aufmerksame Betrachter wird im Hintergrund auch noch Teile der Golden Gate Bridge ausmachen können. Aufgrund der schnellen Bewegung des kleinen Bootes mit dem sich verändernden Blickwinkel hatte ich keine Zeit zur Einstellung der Belichtung und machte das Bild mit ISO1600 bei Blendenpriorität F4.0 (die Einstellung aus dem dunklen Gefängniss) gegen die Sonne mit 1/4000s! Eigentlich habe ich nicht damit gerechnet noch etwas aus der Aufnahme machen zu können, da sie gnadenlos überbelichtet war, doch RAW sei dank habe ich doch noch ein (für meinen Geschmack) schönes Foto erstellen können. Ich mag den hellen Hintergrund, die Textur und Farbe der leicht wehenden Fahne. Auch finde ich den schrägen Horizont irgendwie interessant und dynamisch.

Zur Aufnahme wurde eine Canon EOS 600D mit Zoomobjektiv Tokina AT-X 124 PRO DX 12-24mm F4 (IF) verwendet. Die Brennweite betrug 24,0 mm (entsprechend 38,4 mm Kleinbildäquivalent bei einem Formatfaktor von 1.6) Über die Belichtungsdaten hatte Frank bereits berichtet.

Betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente.

Lustig flattert eine Fahne im Wind, wobei die Schiffs- und Meeressituation drumherum rasch erkennbar wird.

Die Bewegtheit der Fahne in ihren Umrissen (rote Linien ebd.) und Binnenstrukturen (orange Linien ebd.) verhindert, daß das Bild trotz der mittigen Anordnung nicht allzu statisch wirkt.

Komposition: BildelementeTonwerte: HistogrammFarbdichte

Wohlwollend könnte man ergänzen, daß die Verkippung des Horizonts und der Uferstrukturen (gelbe Linien ebd.) zu dieser Auflockerung des Bildeindrucks konstruktiv beitragen.

Tonwerte :

Das Histogramm zeigt sich fast bis zum Anschlag rechtsschief und -steil, bei einem Median von 215.

Maßgeblich hierfür ist die vor dem Fotografen stehende Sonne, deren Licht gerade so durch die Fahne gefiltert wird. Durch diese Lichtfülle entsteht auch ein interessanter bzw. grafisch anmutender Posterisationseffekt.

Farben:

Die wenig gebrochenen und durch das Gegenlicht nochmals hervorgehobenen Farben tragen zum frischen Bildeindruck bei.

Zusammenfassung:

Ich finde dieses Bild nett und erfrischend mit seinen akzentuierten Farben, der schier unmöglichen Lichtsituation und dem fast folgerichtig verkippten Horizont.

Es strahlt etwas Heiteres und Unbeschwertes aus, was ja auch im deutlichen Kontrast zur vorherigen Station des Gefängnisbesuchs steht. Vielleicht wäre es interessant, hier ’solche und solche Bilder in einer Serie gegenüberzustellen‘ …


Anmerkung der Redaktion: Thomas Brotzler arbeitet nicht mehr aktiv für fokussiert.com, aber er hat einige fertige Kritiken hinterlassen. Die möchten wir Euch nicht vorenthalten; eine Diskussion kann jedenfalls entstehen, und Thomas ist als Gast immer wieder zugegen.


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