Fotowettbewerbe:
Für Ruhm und Ehre?

Fotowettbewerbe gibt es wie Sand am Meer. Die Gewinner ernten Ruhm und Ehre und können dabei auch noch was lernen. Oder?

Wer ist der beste Fotograf? - Darius Kupczak (c)

Wer ist der beste Fotograf? – Darius Kupczak (c)

Ich habe bereits mal mehr, mal weniger erfolgreich an einigen Fotowettbewerben teilgenommen. Sei es in meinem Foto-Club, beim DVF, auf der Photokina oder bei Foto-Magazinen, der Ablauf ist immer sehr ähnlich. Der Ausrichter gibt Regeln, Thema (oder mehrere Themen) vor und bestimmt, was die Teilnehmer gewinnen können. Die Teilnehmer reichen ihre Beiträge ein, eine Jury bewertet die Beiträge und am Ende steht ein Gewinner fest. So weit, so gut.

Irgendwann habe ich angefangen mir Gedanken darüber zu machen, welchen Nutzen solche Wettbewerbe haben und wer der wirkliche Nutznießer ist. Wenn man bedenkt, wie viel Aufwand, so ein Wettbewerb bedeutet (Konzept, Planung, Promotion, Durchführung, Kosten für Preise), dann wird man schnell zu der Erkenntnis kommen, dass niemand einen Wettbewerb aus reiner Freundlichkeit oder Langeweile veranstaltet (Foto-Clubs vielleicht ausgenommen). Ein Wettbewerb ist nur Mittel zum Zweck. Das Ziel ist es nicht den „besten“ Fotografen zu finden, sondern ganz einfach Werbung, die Erhebung von Daten und Kundenbindung.

Solche Wettbewerbe oder auch Gewinnspiele machen den Veranstalter und/oder die Sachpreise einer breiteren Kundschaft bekannt. Die Sachpreise, sofern sie nicht direkt von Veranstalter stammen, werden oft vom Hersteller gesponsert, weil man so mit relativ wenig Einsatz sein Produkt interessant macht. Das ist ein probates Mittel, und das nicht nur im Zusammenhang mit der Fotografie.

Hinzu kommt, dass der Veranstalter fast kostenfrei und vor allem freiwillig Daten von potentiellen Kunden bekommt.

Die Teilnehmer haben dagegen unterschiedliche Motivationen. Selbstverständlich erhofft sich jeder den ersten Platz, oder zumindest einen Platz, bei dem es noch etwas zu gewinnen gibt. Zum einen, weil man etwas dafür bekommt (Sachpreis oder Geld), und zum anderen, weil es das Ego streichelt und man damit angeben kann.

Bis hierhin ist das alles noch verständlich.

Oft wird aber auch von einem Lern- und Übungseffekt gesprochen, der den Teilnehmer fotografisch weiter bringen soll. Man reicht ein Bild zu einem Thema ein und bekommt eine Rangliste zurück, auf der steht, welchen Platz man belegt. Wobei, oft bekommt man nicht mal das, denn oft werden nur die vorderen Plätze genannt. So kann man sehen, wo man fotografisch steht und wie man sich verbessern kann.

Provokative These:

Das stimmt nicht. Aus Wettbewerben lernt man nichts bzw. nicht das, was man sich erhofft.

Begründung:

Veranstalter haben oft ein gewisses Interesse das bestimmte Bilder weiter oben in der Rangliste landen. Angenommen, der Veranstalter ist ein Kamerahersteller. Er hat selbstverständlich das Interesse, das Bilder, die mit seinen Kameras gemacht wurden, weit oben landen. Werbung eben. Ob und in welchem Ausmaß da „geflunkert“ wird, weiß ich natürlich nicht, aber die Möglichkeiten und die Motivation dafür sind nun mal gegeben.

Die Jury besteht aus einem oder mehreren Menschen. Jeder Mensch ist etwas anders. Es gibt Unterschiede im Bildungsstand (nicht nur fotografisch), kultureller Hintergrund, aktuelle fotografische Mode, Geschmack, ja sogar im Alter. All diese Faktoren beeinflussen die Bewertung eines Bildes massiv. Selbst die Tagesform des Jurors kann entscheidend sein.

Ein Bekannter hat früher an Wettbewerben auf der ganzen Welt mitgemacht. Die Ergebnisse deckten die ganze Bandbreite ab, von „abgestürzt“, über „ganz nett“ bis hin zu „gefeiert“ war alles dabei, bei ein und dem selben Bild wohlgemerkt. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Platzierung in Wettbewerben keinerlei Aussage zum fotografischen Können des Teilnehmers zulässt.
Es gibt auch Wettbewerbe, bei denen die Jury einfach die breite Masse ist (z.B. bei Internet-Abstimmungen). Hier ist es sogar noch schlimmer, weil hier die massenkompatiblen und gefälligen Bilder gewinnen.

Hinzu kommt, dass man aus einer reinen Platzierung nicht erkennen kann, was man hätte besser machen sollen. Das geht nur über eine ausführliche Bildkritik. Man kann sich dabei nur an den besser Platzierten orientieren. Doch dabei besteht die Gefahr, dass man sich deren Motive und Stil aneignet, und nur einen Abklatsch produziert. So kommt es, dass man bei Wettbewerben immer wieder sehr ähnliche, wenn nicht sogar fast die gleichen Bilder findet und das über Jahre hinweg.

Man könnte auch argumentieren, dass man lernt sich mit einem bestimmten Thema fotografisch auseinander zu setzen. Das stimmt natürlich, aber braucht man dafür einen Wettbewerb? Kann man sich nicht einfach selbst ein Thema wählen und es dann erarbeiten? Will man sich überhaupt mit Themen auseinander setzen, die von anderen bestimmt werden, und einen selbst vielleicht gar nicht interessieren?

Der Berufsfotograf macht genau das. Er bekommt einen Auftrag, also auch ein Thema vorgegeben und muss Bilder produzieren, die nicht unbedingt ihm, sondern dem Kunden gefallen. Ich glaube aber, dass man fotografisch mehr lernt, wenn man sich seine Themen selbst sucht.

Ich glaube auch, dass sich so mancher Teilnehmer Ruhm und Ehre und vielleicht Aufträge erhofft. Dabei sollte sich jeder kurz selbst testen: „Nenne den Gewinner eines beliebigen bekannten Wettbewerbs beim Namen“ (ohne zu googeln oder ähnliches). Mir persönlich fällt kein Name ein, obwohl ich mich intensiv über die Fotografische Welt informiere. Ist also nicht so weit her mit dem Ruhm. Und dieser kleine Ruhm währt auch nicht besonders lange, denn Wettbewerbe gibt es wie Sand am Meer.

Natürlich gibt es renommierte Wettbewerbe, bei denen es nicht so sehr auf die Optik, sondern auf den Inhalt und die Aussage ankommt (z.B. Oskar-Barnack-Preis oder der World Press Photo Award), mit denen man seine Karriere pushen kann. Aber um da zu gewinnen reicht es nicht mal eben ein Bild aus seinem Archiv zu ziehen, was gerade zufällig zum Thema passt.

Ich bin der Meinung, dass Wettbewerbe ein netter Zeitvertreib sind, allerdings sollte man ihnen nicht zu viel Bedeutung beimessen. Bilder sind eben so wenig quantifizierbar wie Essen. Wenn es nach dem Erfolg (Verbreitung, Bekanntheit, Umsatz) geht, ist vermutlich das Essen von McDonalds das leckerste Essen der Welt. Wenn es mehr um den Geschmack geht, dann hat jeder so seine persönlichen Favoriten. Das für mich persönlich leckerste Essen der Welt kann für meinen Nachbarn so schlecht schmecken, dass er es nicht runter bekommt. Und wer hat dann Recht?

Beide bzw. keiner, denn über Geschmack lässt sich nicht streiten.

Wie ist das bei euch so? Macht ihr regelmäßig bei Wettbewerben mit, und wenn ja, was erhofft ihr euch davon?

15 Antworten
  1. Frank says:

    Ich kann dem Autor nur zustimmen. Wettbewerbe machen Spaß und befriedigen das Ego – sofern man „vorne“ landet. Das ist es dann auch. Mir macht es Spaß mich den Aufgaben zu stellen und die Beurteilung in Form von einem Ranking durch andere ist mir schnuppe. Mir geht es eigentlich eher um meine selbstgemachten Leiblingsbilder und die finden Andere oft/meistens weniger schön als ich. Natürlich finde ich eine fundierte Kritik interessant, die gibt es aber bei solchen Wettbewerben nicht.

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  2. Carsten Schröder says:

    Hallo zusammen,
    ich finde persönlich Fotowettbewerbe spannend und gut. Mir macht es Spaß, vor allem zu bestimmten Themen, Bilder einzusenden und mir Gedanken darüber zu machen, welches Bild, wie am besten wirken kann. Nicht, um einer Jury zu gefallen, da schaue ich meistens gar nicht drauf, sondern um auch mal meine Bilder einem Publikum zeigen zu können, ja, zu präsentieren.

    Gute Ideen und Umsetzungen zu einem bestimmten Thema fordern mich auch fotografisch heraus und machen ebenso Spaß.

    Schön ist es auch, mein Bild dann in einem gedruckten Katalog, einer Fotozeitschrift oder aber auch woanders zu sehen, wenn es Erfolg hatte.
    Der/Die Preise sind nicht so wichtig (manchmal schon) und nicht ausschlaggebend, aber ich habe dann evtl. auch die Möglichkeit meine Bilder einer breiteren Masse zu zeigen. Ein guter Katalog eines Fotowettbewerbs reizt mich oft mehr wie ein gewonnener neuer Kameragurt etc.

    Wandern dann z.Tl. meine Bilder in einen sehr ansprechenden Katalog eines Fotosalons, der weltweit versendet wird, macht mich das auch stolz und ich nehme mir von Zeit zu Zeit mal einen solchen Katalog hervor und blättere darin.
    Ich lasse mich so auch inspirieren von anderen Aufnahmen und Umsetzungen andere Fotografen verschiedenster Nationalitäten und damit auch verschiedenster Sichtweisen. Man (ich) lernt nie aus und nur dazu!

    Gehen Bilder dann auch in eine Austellung, umso erfreulicher. Gerne besuche ich diese Ausstellung, schaue mir verschiedenste Fotos unterschiedlichster Genres an und oft kommt man auch in Kontakt und Gespräch mit anderen Fotofreunden und Fotografen. (Ein Glas Wein zur Vernissage ist obligatorisch!)

    Was mir nicht so gefällt, ist die entsprechende digitale Welt dazu. Fotosalonkataloge auf CD oder online finde ich nicht so prickelnd, das Gedruckte hat was Eigenes an sich! Das „digitale“ verliert sich zu schnell.

    Ob ein (gutes) Foto in einem Wettbewerb weit vorne landet, Urkunden oder Medaillen bekommt, oder gar nicht erst angenommen wird, ist meistens stark von der Zusammensetzung der Jury abhängig. Dadurch sollte mn sich nicht entmutigen lassen.
    Im Gegenteil: Ein guter Fotograf hat immer polarisierende Bilder in seinem Portfolio.
    Diese können bei einer Jury voll einschlagen und „Best of Show“ werden, aber genauso gut kann ein und dasselbe Bild in der ersten Runde raufliegen.
    Man sollte halt zu seinen Bildern, zu seinem Bildstil und zu seinen eingereichten Bildern stehen. Frei nach dem Motto: „Mach sichtbar, was vielleicht ohne dich nie wahrgenommen worden würde.“
    (Bresson, Robert)

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  3. Marcus Leusch says:

    Es ist der Zeitgeist, der misst und messen möchte. Die Guten ins Kröpfchen … Daran ist zunächst nichts auszusetzen, denn der Wettbewerb ist uns ja in die Wiege gelegt und hat schon im Grundschulalter sein „Gewicht“. Soziale Wesen mögen das ganz offenbar, wie uns auch ein Blick ins Tierreich sehr eindringlich vor Augen führt. In diesem Sinne bleiben wir also im Gespräch über das Beste am Bild und warum wir überhaupt fotografisch unterwegs sind. Erst im Austausch mit anderen fotografierenden Zeitgenossen lässt sich eine Positionsbestimmung (oder Korrektur) des Eigenen vornehmen, sonst bräuchten wir ja sogar Foto- und Kunstbände, die uns in unserem Schaffen voran bringen mögen, nicht mehr zu wälzen und umzuwälzen (auch dies ein Dialog!). Und warum zeigen wir uns obendrein geschmeichelt, wenn uns Betrachter hin und wieder darauf hinweisen, dass uns dieses oder jenes Bild recht gut gelungen ist? …

    Natürlich ist fotografische Qualität zu beurteilen und hat ihre Kriterien, an denen sich ein Bild „messen“ lässt (Komposition, Technik und Ausdruckskraft in ihrem besonderen Wechselverhältnis). Und genau aus diesem Grund gibt es eben auch Fotografien, die einfach besser (sprechender) sind als vergleichbare Aufnahmen desselben Sujets. Nichts anderes versucht die Bildkritik auf diesen Seiten in ihren hellsten Momenten herauszuarbeiten. 


    Der Stellenwert einer Fotografie hat andererseits nichts mit seiner Verwertbarkeit (persönlich/öffentlich) zu tun. Diese gilt hingegen heute als klingende Eintrittskarte, wenn es darum geht, seinen fotografischen Status zu festigen und in der bebilderten Welt (möge sie noch so klein sein) auch etwas zu gelten. Auf die Ebene der zahlreichen Fotoclubs herunter gebrochen: Thematische Ausschreibungen ohne jegliche Jurybewertung sind wahrscheinlich (nicht nur hier) weniger „sexy“ zu nennen …, auch wenn man dabei mitunter wesentlich mehr Informationen mit nach Hause nimmt als üblicherweise. – Strickmuster des „Menschlich allzu Menschlichen“.

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    • Darius Kupczak
      Darius Kupczak says:

      Das mit dem Zeitgeist könnte durchaus stimmen, wenn man an das Zitat „In the future, everyone will be world-famous for 15 minutes“ von Andy Warhol denkt. Zieht man so etwas, wie Casting-Shows dazu, dann hat der Mann nicht ganz Unrecht gehabt.

  4. Tilman says:

    Meine Zitate sind unterdrückt… habe „< <" ohne Leerzeichen getippt, das geht wohl nicht.

    Darius,

    danke für Deine ausführliche Antwort! Schnell einige Gedanken dazu.

    „so hat das meist wenig Substanz und eignet sich nicht wirklich um daraus zu lernen“

    Hast Du nur zum Teil Recht. Es gibt in der Tat wenige Leute, die wirklich inhaltlich kritisieren. Aus den von Dir genannten Gründen. Das ist schade. Aber viele beschäftigen sich schon lange mit der Fotografie… und oft reichen da nur kleine Hinweise, um weiterzukommen. Und auch ein „Like“ von einem guten Fotografen zeigt oft schon, ob man in die richtige Richtung gedacht hat.

    In unser Fotogruppe ist es übrigens immer die Sieger, der ein neues Thema stellt, und der dann auch die Jury stellt. Wenn man einmal selbst in diese Situation gerät… dann erkennt man, wie schwierig es ist, objektiv über Bilder zu urteilen.

    „Das würde ja bedeuten, dass man sich den Sieg erkaufen kann“

    Und das meinte ich, als ich über Qualität geredet habe : wie kann ich ein Bild bewerten? Gibt es Qualitätsunterschiede? Da geht es nicht nur um eine gute Ausrüstung, oder ein Einhalten von sturen Regeln. Es ist auch die Originalität, der Bezug zum Thema, die Fantasie, die Komposition, das technische Umsetzen, die Bearbeitung… Halt alles das, was wir hier bei Fokussiert lesen dürfen.

    Und ein Wettkampf ist für mich eine gute Gelegenheit, sich intensiv mit Bildern und deren Beurteilung auseinanderzusetzen.

    MfG, Tilman

    – Bei dem Essen einer großen amerikanischen Fastfoodkette habe ich wirklich kein Problem, die Qualität zu beurteilen. Die ist einfach schlecht, ob es nun schmeckt oder nicht sei mal dahin gestellt.

    – Habe einmal eine Bridge-Kamera gewonnen… das Bild hatte ich in der Tat absichtlich so gestaltet, wie es die Jury gut findet. Auch das ist spannend.

    Antworten
    • Darius Kupczak
      Darius Kupczak says:

      „Meine Zitate sind unterdrückt… habe „< <" ohne Leerzeichen getippt, das geht wohl nicht." Richtig. Mit diesen Zeichen sagt man dem Browser, dass er dazwischen ein HTML-Tag erwarten soll :-) "Und auch ein „Like“ von einem guten Fotografen zeigt oft schon, ob man in die richtige Richtung gedacht hat." Damit wäre ich vorsichtig. Mich persönlich würde viel mehr interessieren, warum er mein Bild gut/schlecht findet. Angenommen Du machst ein Akt-Bild einer wunderschönen Frau. Bei einem Mann regt sich da manchmal etwas und man klickt auf Like, weil man die Frau einfach attraktiv findet. Dumm wäre es, wenn es z.B. die Tochter des guten Fotografen wäre, und er das nicht mehr so lustig finden würde. Dann gäbe es kein Like, aber nicht weil er das Bild an sich nicht gut findet. Zugegeben, die Beispiele sind nicht optimal, aber es kann unzählige Gründe geben, warum jemand auf Like klickt, oder eben nicht. "Und das meinte ich, als ich über Qualität geredet habe : wie kann ich ein Bild bewerten? Gibt es Qualitätsunterschiede? Da geht es nicht nur um eine gute Ausrüstung, oder ein Einhalten von sturen Regeln. Es ist auch die Originalität, der Bezug zum Thema, die Fantasie, die Komposition, das technische Umsetzen, die Bearbeitung…" Das ist ja, was ich meine. Wie will man so etwas, wie Originalität oder Fantasie quantifizieren? Auch der Bezug zum Thema ist so eine Sache. Letztens gab es bei einem Wettbewerb in meinem Fotoclub das Thema "Regen". Es entstand eine hitzige Diskussion, ob ein Bild, welches eine große Pfüze zeigt, zum Thema passt. Ja, es ist auf dem Bild kein direkter Regen zu sehen. Ja, für gewöhnlich bilden sich beim Regen Pfützen. Um den Wettbewerb fair zu gestallten müsste das Thema enger gefasst werden und die Juroren müssten sich auch vorher darauf verständigen, was genau ins Thema passt, und was nicht. Aber was hat das dann noch mit Kreativität zu tun? "Bei dem Essen einer großen amerikanischen Fastfoodkette habe ich wirklich kein Problem, die Qualität zu beurteilen. Die ist einfach schlecht, ob es nun schmeckt oder nicht sei mal dahin gestellt." Und trotzdem sind sie so erfolgreich. Es ist ein gutes Beispiel um zu verdeutlichen, dass nicht alles was die Masse gut findet, auch wirklich gut ist. Ich schlage dir ein Experiment vor. In deiner Gruppe, in der ihr eure Wettbewerbe veranstalltet, macht ihr einfach mal einige Runden ohne Jurierung. Einfach ein Thema fest machen, fotografieren und hinterher die Bilder besprechen. Ich kann dir aus eigener Erfahrung prophezeien, was passieren wird. Die Leute werden davon laufen. Ist bei uns im Club auch so. Bei Jurierungen ist die Bude voll. Bei Bildkritik, wo man wirklich etwas lernen könnte, sind immer nur ein paar Leute da. Ich wäre echt neugierig, ob das nur bei uns so ist, oder ob das ein allgemeines Phänomen ist.

  5. Tilman says:

    Darius,

    danke für Deine ausführliche Antwort! Schnell einige Gedanken dazu.

    <>

    Hast Du nur zum Teil Recht. Es gibt in der Tat wenige Leute, die wirklich inhaltlich kritisieren. Aus den von Dir genannten Gründen. Das ist schade. Aber viele beschäftigen sich schon lange mit der Fotografie… und oft reichen da nur kleine Hinweise, um weiterzukommen. Und auch ein „Like“ von einem guten Fotografen zeigt oft schon, ob man in die richtige Richtung gedacht hat.

    In unser Fotogruppe ist es übrigens immer der Sieger, der ein neues Thema stellt, und der dann auch die Jury stellt. Wenn man einmal selbst in diese Situation gerät… dann erkennt man, wie schwierig es ist, objektiv über Bilder zu urteilen.

    <>

    Und das meinte ich, als ich über Qualität geredet habe : wie kann ich ein Bild bewerten? Gibt es Qualitätsunterschiede? Da geht es nicht nur um eine gute Ausrüstung, oder ein Einhalten von sturen Regeln. Es ist auch die Originalität, der Bezug zum Thema, die Fantasie, die Komposition, das technische Umsetzen, die Bearbeitung… Halt alles das, was wir hier bei Fokussiert lesen dürfen.

    Und ein Wettkampf ist für mich eine gute Gelegenheit, sich intensiv mit Bildern und deren Beurteilung auseinanderzusetzen.

    MfG, Tilman

    – Bei dem Essen einer großen amerikanischen Fastfoodkette habe ich wirklich kein Problem, die Qualität zu beurteilen. Die ist einfach schlecht, ob es nun schmeckt oder nicht sei mal dahin gestellt.

    – Habe einmal eine Bridge-Kamera gewonnen… das Bild hatte ich in der Tat absichtlich so gestaltet, wie es die Jury gut findet. Auch das ist spannend.

    Antworten
  6. Tilman says:

    Hallo Darius,

    Deine These ist zwar interessant, und ich mag auch Deine provokative Art zu schreiben. In der Sache entspricht sie aber nicht meiner Erfahrung. Wettkämpfe waren für mich schon immer faszinierend, weil man sehen kann, wie andere Fotografen dasselbe Thema behandeln. Und man kann diese Ergebnisse mit seinem eigenen Versuch vergleichen, immer mit der Fragestellung: warum gefällt mir das Bild, und das andere nicht. So habe ich unheimlich viel gelernt.

    Allerdings liegt das sicher auch an der Art und Weise, wie ein Wettkampf gestaltet wird. Früher habe ich oft bei myFinepix/Fuji teilgenommen. Da konnte jeder Teilnehmer die Bilder der anderen kommentieren, und konnte „Likes“ geben. Das war schon sehr lehrreich, zumal die Jury immer anders entschieden hat ;-). Und jetzt bei unsere privaten Google+ Seite, die wir nach Schließung von myFinepix gegründet haben: dasselbe Prinzip, die 14 tägigen Wettkämpfe (ohne Preis) machen Spaß, und man lernt von den anderen.

    Über Geschmack lässt sich vielleicht nicht streiten, aber über Qualität! Und die ist sehr wohl quantifizierbar.

    Wettkämpfe zu einem Thema, das wäre vielleicht auch eine Idee für Fokussiert? Und der Preis für das Gewinnerbild wäre eine Besprechung von Sofie ;-) Einen Teilnehmer hättest Ihr bereits!

    Antworten
    • Darius Kupczak
      Darius Kupczak says:

      Hallo Tilman,

      danke schön. Durch ein wenig Provokation bringe ich hoffentlich einige Fotografen zum Nachdenken. Es muss natürlich nicht jeder meiner Meinung sein.

      Aus meiner Sicht ist es nicht notwendig einen Wettbewerb zu veranstalten, wenn man sehen möchte, wie andere Fotografen ein bestimmtes Thema behandeln. Das kann man genau so veranstalten, nur das man einfach die Platzierung weglassen würde. Dabei kann man sich genau so Gedanken darüber machen, warum einem ein Bild gefällt oder warum nicht. Der Vorteil dabei wäre, dass man sich nicht unbewusst beeinflussen lassen kann seine zukünftigen Fotos an der Art der Sieger anzupassen, weil man auch Sieger sein möchte.
      Wenn man es sich ganz einfach machen möchte, dann kann man einfach das Thema in der google-Bildersuche eingeben, um zu sehen, wie andere Fotografen das Thema behandelt haben. Manchmal hat man sogar das Gefühl, die Sieger haben genau das gemacht, denn ihre Bilder entsprechen oft den Bildern, die in der google-Bildersuche ganz weit oben auftauchen.

      Können Teilnehmer, oder andere Unbeteiligte einen Kommentar abgeben und/oder liken, so hat das meist wenig Substanz und eignet sich nicht wirklich um daraus zu lernen. Denn meistens kommt so etwas wie „Tolles Bild!“, „Toll gesehen!“ oder „Gefällt mir überhaupt nicht.“. Zum einen können viele nicht mehr schreiben, zum anderen meidet man es Negatives anzusprechen, aus Angst, seine eigene Arbeit könnte auch negativ kritisiert werden.
      Wirklich konstruktive Kritik ist nicht in einem Satz abzuhandeln. Man braucht sich ja nur die Bildkritiken hier auf fokussiert.com anzuschauen.

      Ja, Qualität ist quantifizierbar. Aber was lernt man daraus? Dass Kamera X qualitativ bessere Bilder als Kamera Y macht? Das würde ja bedeuten, dass man sich den Sieg erkaufen kann, und zwar durch besseres Equipment. Am Ende haben alle das gleiche (das beste) Equipment, so dass bei allen die Qualität gleich ist. Und dann sind wir wider am Ausgangspunkt, nämlich der Frage, wie quantifiziere ich ein Bild. Ein technisch perfektes Foto einer Telefonbuchseite bleibt ein Foto einer langweiligen Telefonbuchseite.
      Das ist aus meiner Sicht auch das Kernproblem vieler Wettbewerbe. Heutzutage gibt es viele Foto-Magazine und Bücher mit Schritt für Schritt Anleitungen, wie man zu den gleichen optischen Ergebnissen kommen, wie der Star-Fotograf XY oder der Sieger des XY-Wettbewerbs. Das resultiert in einer Flut aus Fotos gleichen Typs, aus denen schließlich eine Mode wird, an der man sich irgendwann satt gesehen hat (z.B. HDR, ColorKey oder die momentan so beliebten überstilisierten Schwarzweiß-Architekturbilder). Der Inhalt wird zumeist völlig vernachlässigt. Sehr praktisch für die Foto-Industrie, denn so lässt sich mehr verkaufen.

      Ob fokussiert.com Wettbewerbe veranstalten wird, weiß ich nicht, ich bin Gastautor. Wenn dich das Thema ernsthaft interessiert, solltest Du dich am besten direkt an die Betreiber wenden.

  7. Marcus Leusch says:

    Es ist schon wahr, dass wir auch im Fotografischen über das Private hinaus gerne einmal auf den obersten Treppchen stehen würden. Das schmeichelt nicht bloß und winkt mitunter werbewirksam mit Sach- und Geldwerten, sondern lässt uns darüber hinaus in einen Vergleich mit anderen Fotografen eintreten, die mithin nicht schlechter oder besser sein müssen, als wir es selbst sind. Solche Wettbewerbe machen sich ja überdies recht adrett, wenn man in Künstlerkreisen etwas werden möchte, zumal ja auch Galerien vor allem mit dem Renommée ihrer Künstler und deren Ausstellungsobjekten „hausieren“ gehen. Nicht nur in einer Fotografenbiografie putzten Preise also ungemein, und weil wir in Zeiten leben, die das Messbare zu einem Fetisch erhoben hat, sind solche „contests“ gewissemaßen die Übersetzung des realen Lebens in den kreativen Alltag.

    

Ich denke, es werden wesentlich mehr herausragende Fotografien von völlig unbekannten Fotografen gemacht (bezogen auf all jene, die sich nicht an solchen Wettbewerben beteiligen können oder wollen, und bezogen auf die fotografierende Gemeinde von ernsthaft fotografierenden Zeitgenossen weltweit). Das spricht zunächst nicht gegen die Wettbewerbe selbst und deren Kommerzialisierung. Letztlich zeigen diese aber immer bloß einen bescheidenen Ausschnitt dessen, was dem Zeitgeschmack, von dem ja auch die Juroren selbst bei ernst zu nehmenden Veranstaltungen nicht frei sind, als State of the Art erscheint. Hinterdrein trottet der Kunstmarkt wie Sancho Pansa dem Don Quixote oder die Syphilis hinter der katholischen Kirche.

    

Ich persönlich würde mich wahrscheinlich gerne an solchen Veranstaltungen beteiligen, wenn sie weniger in einem Verwertungszusammenhang (persönlich/Interesse des Unternehmens) zu sehen wären, als ich dies bislang beobachten kann. Da greife ich viel lieber zu Kunst- und Fotobänden, die mir auf meinen eigenen fotografischen Wegen mehr sagen zu sagen haben.

    

P.S.: Oskar-Barnack-Preis ist nicht gleich World Press Photo Award. Ersterer richtet sich an alle (!) ernsthaften Fotografen (mit oder ohne Leica), die etwas zu sagen haben (Fotoserie), letzterer an via Beruf engagierte Fotoreporter, die mit ihren journalistischen Beiträgen das Bild von dieser Welt in unseren Medien prägen.

    Beste Grüße
    Marcus

    Antworten
    • Darius Kupczak
      Darius Kupczak says:

      Hallo Marcus,

      danke für dein ausführliches Kommentar. Ich lese daraus, dass wir zu großen Teilen eine ähnliche Meinung zu dem Thema haben.
      Ich verteufle Wettbewerbe nicht grundsätzlich, man sollte sich als Teilnehmer aber schon bewusst machen, was die eigenen Erwartungen sind, und ob diese realistisch sind. Das wird sicherlich von Wettbewerb zu Wettbewerb unterschiedlich sein, aber man merkt schon ganz deutlich eine Tendenz zur Kommerzialisierung.

      Natürlich kann eine gute Platzierung bei einem Wettbewerb die Karriere vorantreiben. Doch hier sollte man als Teilnehmer darauf achten, um was für einen Wettbewerb es sich handelt, sonst kann das sogar den gegenteiligen Effekt haben. So manch „ernsthafter“ Künstler würde die Nase rümpfen, sollte doch seine Arbeit für sich sprechen.

      Ich habe einfach mal zwei populäre Wettbewerbe raus gesucht, die ich als Beispiel verwenden konnte. Ich wollte diese beiden Wettbewerbe nicht gleichsetzen, sondern als Beispiel nehmen, dass es unterschiedliche Arten von Wettbewerben gibt. Selbstverständlich gibt es noch mehr renommierte Wettbewerbe.

      Schön finde ich deine Formulierung, dass sich der Oskar-Barnack-Preis an Fotografen richtet, die etwas zu sagen haben. Das ist für mich oft der Unterschied zwischen einem 08/15- und einem interessanten Wettbewerb. Hier reicht es nämlich nicht die der aktuellen fotografischen Mode entsprechenden Bilder nach zu fotografieren. Man braucht sich nur auf der Seite des Wettbewerbs die Siegerarbeiten der letzten Jahre anschauen.

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