Straßenlampe in München:
Minimalistisch-geometrische Komposition

Bei minimalistischen Kompositionen, insbesondere bei streng geometrischen, muß wirklich alles stimmen, denn jeder Fehler fällt sofort auf.

Sony Alpha 6000, Blende 11, 1/125 Sek., ISO 100, Brennweite 34 mm - (c) Bernhard Ruhland

Sony Alpha 6000, Blende 11, 1/125 Sek., ISO 100, Brennweite 34 mm – (c) Bernhard Ruhland

Unser Leser Bernhard Ruhland hat uns dieses Foto unter dem Titel „Straßenlampe“ eingereicht, zu dem er schreibt:

Vor kurzem habe ich die Fotografie für mich entdeckt und bin auf der Suche nach Informationen über dieses neue Hobby auf eure Seite gestoßen. Eine Anregung aus einer der Bildbesprechungen aufgreifend, habe ich mal meinen täglichen Arbeitsweg unter einem anderen Blickwinkel betrachtet. Unter anderem habe ich dieses Motiv in – besser über – einer Münchner Kreuzung gefunden. Die streng geometrische Linienführung haben mir auf Anhieb gefallen, zumal ich erst vor kurzem in Indien war und noch das Bild der dortigen chaotischen Leitungsführungen vor Augen hatte. Ich habe dann einen Tag ohne Wolken (der Hintergrund sollte nicht ablenken) und eine verkehrsarme Zeit (Sicherheitsgründe) abgewartet und das Bild aufgenommen. In Gimp habe ich den Beschnitt, eine geringfügige Drehung und die Umwandlung in Schwarz-Weiß vorgenommen. Bin schon sehr auf eure Beurteilung gespannt.

Auch, wenn Du zur Zeit der Einreichung dieses Bildes erst vor kurzem die Fotografie für Dich entdeckt hattest, hast Du doch mit dieser Aufnahme ein gutes Auge bewiesen. Nicht viele Anfänger kämen auf die Idee, sich auf einer Kreuzung mitten in München vor Autos zu werfen, um in Hans-guck-in-die-Luft-Manier eine Straßenlampe abzulichten. Auch die Art der Nachbearbeitung zeugt von einem guten Händchen, denn Du hättest sehr leicht über die Stränge schlagen können.

Bei einem Foto mit solch minimalistischer Komposition, das noch dazu mit strenger Geometrie spielt, ist es sehr wichtig, daß auch wirklich alles stimmt, denn jeder Fehler fällt sofort auf. Du bist zu 90% am Ziel.

Die EXIF-Daten sind in etwa das, was ich erwartet hätte: niedriger ISO, mittlere Blende, kurze Verschlußzeit.

Die Lampe ist auch fast perfekt mittig im Bild angeordnet, was hier paßt und die Geometrie noch unterstreicht. Dadurch muß man zweimal hinschauen, ehe man realisiert, worum es sich hier genau handelt.

Vergleichsfoto

Vergleichsfoto

Was jedoch sofort auffällt, sind zwei Flecken auf der rechten Bildhälfte, unter Umständen Sensorverunreinigungen.

Vergleichsfoto

Vergleichsfoto

Das würde ich jedenfalls überprüfen lassen. Wie auch immer sie ins Bild gekommen sind, ich hätte mir hinterher die Mühe gemacht, sie zu entfernen, denn man bemerkt sie sofort und registriert sie als störend. Auch in Gimp gibt es die Möglichkeit, per Klon-Stempel solche Elemente loszuwerden.

Weiterhin hätte ich den Kontrast sogar noch ein klein wenig erhöht, aber das ist Geschmackssache. Das Endergebnis mit bereinigten Flecken und etwas mehr Kontrast sähe dann so aus:

Vergleichsfoto

Vergleichsfoto

Insgesamt ein für mich mit diesen Veränderungen sehr gelungenes Bild.

4 Antworten
  1. fherb says:

    Ganz nebenbei amüsiert es mich immer, wenn unter einem Bild die Exif-Daten aufgeführt werden: Das Bild steht als Bild für sich. Und zwar so, wie es ist. Egal, welche Technik und Parameter verwendet wurden. Es geht um die Bildwirkung. Und wenn man aus den Daten irgend etwas Wichtiges ableiten wöllte, sind sie unzureichend: Welche Alternativsensoren hätten welche Änderungen bei welchem Iso gebracht? Wie groß war der Aufnahmeabstand und hätte sich der Fotograf besser nur 2 Meter tief eingraben sollen, um mit Objektiv XY die bessere Bildwirkung zu erzielen…. Diese Parameter sind einfach völlig unzureichend, um die Aufnahmesituation tatsächlich belastbar durch einen Außenstehenden zu bewerten.

    Ich bin Ingenieur und liebe auch einfach mal nur eine schöne Geometrie. Ein Bild völlig ohne Menschenbezug. Völlig ohne Kontext. Einfach so, wie wir auch ein frisch aufgeräumtes Zimmer mögen. Wenn es so steril ist, dass wir nichts über den Bewohner des Zimmers erfahren. Es ist so klar, dass wir neue Gedanken zufügen können. Ohne auf Alte Rücksicht zu nehmen. Mit der geometrischen Ordnung, Neues gedanklich sinnvoll platzieren zu können.

    Klar, die noch störenden Flecken müssen weichen.

    Aber schon eine weiter reichende Kontrasterhöhung würde ich vermeiden: Es würde das Foto zunehmend zu einer Foto-Grafik stilisieren. Man kann das machen. Aber ist wird deswegen nicht „besser“. Es wird anders. Und das Ergebnis ist eine reine persönliche Geschmackssache. Denn in der Ursprungsversion wirkt es realistisch und nicht störend fehlbelichtet.

    Antworten
    • Sofie Dittmann
      Sofie Dittmann says:

      Hey, und wenn wir keine EXIF-Daten auflisten, beschweren sich andere Leute. Wir machen einfach einen so kompletten Job, wie wir können, und Ihr pickt Euch dann heraus, was Ihr möchtet. :)

  2. Hendrik says:

    Glückwunsch zu einem wirklich sehr gelungenen Bild, das schon fast die Grenze zum Abstrakten überschreitet. Wenn man die Sensorflecken entfernt, bleibt kein Makel mehr.

    Antworten
  3. Bernhard Ruhland says:

    Hallo Sofie, vielen Dank für die Kritik, freut mich wenn das Bild gefällt. Das mit den Sensorflecken ist mir auf anderen Fotos nicht aufgefallen, so dass ich vermute, dass möglicherweise ein Fleck auf dem Objektiv ursächlich war. Trotzdem hätte ich sie natürlich wegstempeln sollen, hatte ich vermutlich übersehen.
    Viele Grüße

    Bernhard

    Antworten

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