Gebäudeabstrakt:
„Iteration“

Eine verdichtete Bildbetrachtung.

iteration

Iteration

Leser Kay Kietzmann aus Berlin hat uns das obige Bild unter dem Titel „Iteration” in der Kategorie ‚Abstraktion‘ zur Besprechung eingereicht.

 Auch das Bild Iteration entstand im Rahmen eines Workshops. Aufgabe war es, eine Abstraktion zu erstellen. Da mir dies auf intellektueller Ebene nicht gelingen wollte, entschloss ich mich, mich einfachen geometrischen Formen hinzugeben. Abgelichtet ist das Dach eines Unterstands. Momentan bin ich mit dem Ergebnis noch absolut unzufrieden. Nur leider fehlt mir die Zeit alle Ideen (vor allem in Bezug auf die digitale Bearbeitung) auszuprobieren. Also dachte ich mir: ‚Warte ab was die Profis von fokussiert.com sagen!‘. Möglicherweise bringen Sie mich sogar auf eine ganz andere Fährte. Meine Gedankengänge möchte ich Ihnen natürlich nicht vorenthalten. Ich denke, dass mir der Bildaufbau recht gut gelungen ist. Unsicher bin ich mir aber bei den vertikalen Streben. Würde das Bild ohne sie eine bessere Wirkung erzielen? Dann ist da noch der Schmutz auf den Scheiben. Einerseits finde ich ihn interessant. Andererseits könnte ich mir auch ganz gut einen Blooming-Effekt vorstellen, der das gesamte Bild natürlich etwas weicher zeichnen würde. Es gibt so viele Möglichkeiten … Was schwebt Ihnen vor?

Kais Idee, eine überschaubare geometrische Figur in das Bild eines nach rechts gerichtetes Bewegungsmoments zu übersetzen und so das unmittelbar Gesehene zu einer Abstraktion zu verdichten, gefällt mir recht gut.

Er nannte sein Bild auch nicht etwa ’simulierte Bewegung‘, sondern eben ‚Iteration‘ – und zeigt damit auf, daß er sich mit dem Wesen der Iteration beschäftigt hat; daß diese ihren Reiz eben durch eine ‚unterbrochene Reihung wiederkehrender Elemente‘ gewinnt.

Sehr schön umgesetzt im Bild ist dies durch die pfeilartigen, von links nach rechts größer werdenden Strukturen, durch das scheinbare Anstoßen der ‚letzten Pfeilspitze‘ am rechten Bildrand, aber eben auch durch die beiden Streben, welche den entstandenen Bildrhythmus unterbrechen und ein neues Element (vertikal ausgerichteter Flächen) einbringen.

Auch der erwähnte Schmutz auf den Scheiben ist bildwirksam, er schafft einen gewissen morbiden Charme der Vergänglichkeit und verleiht der abstrakten Figur so etwas Gegenständliches und Diesseitiges.

Was mich persönlich etwas störte, waren die Bildecken links oben und unten. Diese stellen nach meinem Dafürhalten keine willkommene und bereichernde Unterbechung besagten Bildrhythmus‘, sondern eher eine Ablenkung dar, welche die Aufmerksamkeit unnötig auf sich zieht. Auch sind die Streben bei genauerer Betrachtung etwas tonnenförmig verzeichnet. Und schließlich klafft zwischen der letzten Pfeilspitze und dem rechten Bildrand meines Erachtens eine ‚Winzigkeit zuviel Raum‘.

Die untenstehende Überarbeitung zeigt skizzenhaft (man sieht die Bearbeitungsspuren, aber das mag hier als Vermittlung einer Idee genügen), wie ich mir noch eine Optimierung des Bildes vorstellen könnte. Auch eine gewisse ‚Auffrischung‘ mit Abhebung des Mitteltonkontrastes kam noch zur Anwendung.

Daß die Streben immer noch bogig erscheinen, ist hier nun eine optische Täuschung – wir neigen dazu, den ‚Knick der Pfeilspitzen‘ zu beseitigen, die Linien aufzurichten.

Überarbeitung


Anmerkung der Redaktion: Thomas Brotzler arbeitet nicht mehr aktiv für fokussiert.com, aber er hat einige fertige Kritiken hinterlassen. Die möchten wir Euch nicht vorenthalten; eine Diskussion kann jedenfalls entstehen, und Thomas ist als Gast immer wieder zugegen.

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