Video-Bildbesprechung:
Eiserne Lady

Mit ein paar wenigen Handgriffen wird aus einem auf die Schnelle gemachten Schnappschuß ein perfektes Foto.

Udo Werner aus Mainz-Kastel schreibt zu diesem Bild:

„IRON-Man Wiesbaden. Mitzieher auf die Schnelle.“

Transkript folgt unten.

(c) Udo Werner

(c) Udo Werner

Udo Werner aus Mainz-Kastel schreibt zu diesem Bild:

„IRON-Man Wiesbaden. Mitzieher auf die Schnelle.“

Einleitende Anmerkungen

Zu sehen ist eine Frau auf einem Fahrrad. Sie trägt einen Triathlon-Anzug, das Fahrrad ist eines der Oberklasse und ebenfalls mit Triathlonlenker ausgestattet. Zusätzlich ist es mit einer Startnummer versehen; Logos eines der Hauptsponsoren prangen auf ihrem Helm, ihrem Fahrrad, ihrem Trikot und sogar als temporäres Tattoo auf ihrem Arm. Im Hintergrund sind verschwommen Passanten abgebildet. Der Betrachter errät also gleich, daß es sich um ein öffentliches Sportereignis, einen Triathlon, handeln muß. Der Kontext ist damit gut eingebunden.

EXIF-Daten waren keine vorhanden, so daß ich mich gleich der Komposition zuwenden möchte.

Komposition

Die Radfahrerin hast Du komplett in der Mitte angeordnet. Hier zum Vergleich das Foto mit Kompositionsraster. Der Goldene Schnitt in rosa, Drittelregel in grün, und Bildmitte in hellblau.

Das könnte statisch wirken, wäre da nicht erstens der Kontext – Triathlon – und zweitens die Bewegungsunschärfe, die Du durch das Mitziehen ins Foto gebracht hast. Das bedeutet bereits Dynamik genug. Ich finde Deine kompositionelle Entscheidung deshalb goldrichtig, denn die Frau anders im Bild zu platzieren, hätte hier zuviele der Passanten ins Foto gebracht.

Die bereits angesprochene Bewegungsunschärfe läßt die Außenkante der Radfahrerin etwas verschwommen erscheinen, aber das ist bei Aufnahmen dieser Art praktisch nicht zu vermeiden. Fokussiert hast Du richtigerweise auf ihren Oberkörper, da ja auch die Beine in Bewegung waren. Der Blick des Betrachters wird durch den Mitzieher auf die Fahrerin vorbei an den statischen Passanten durch die Aufnahme gelenkt.

Glückwunsch zu diesem Schnappschuß! Ein insgesamt meines Erachtens fast perfektes Foto.

Natürlich wäre das hier keine Bildbesprechung, die irgendwem etwas bringt, wenn es nur „Wow“ oder „Toll“ zu sagen gäbe, und so habe ich ein paar Vorschläge, wie man die Aufnahme noch ein klein wenig verbessern, sie gewissermaßen noch die letzten paar Zentimeter bis über die Ziellinie hiefen könnte. Sie sind nicht zwingend notwendig und daher selbstverständlich zu diskutieren, aber ich denke, daß das Foto durch sie gewinnt.

Vorschläge

Erstens einmal ist zwar Bewegungsunschärfe im Bild, aber nicht soviel, daß die Passanten im Hintergrund total verschwimmen würden. Dadurch konkurriert das rosa-gestreifte Tshirt der Frau links, wie auch das altrosa oder hellrote des Mannes rechts zu sehr mit dem Rosa im Outfit der Fahrerin.

Als erstes habe ich also die Bewegungsunschärfe in Photoshop noch verstärkt. Hier der Unterschied in Großansicht.

Das gab mir immer noch nicht den Effekt, den ich wollte, und daher habe ich dann die Farbsättigung im Foto so verändert, daß die der Radfahrerin etwas angehoben wurde, aber die der Umgebung etwas zurückgenommen. Wieviel ist Geschmackssache, und andere hätten sich wahrscheinlich für andere Levels entschieden. Zu beachten ist jedenfalls, daß man, wenn man die Farbsättigung der Person erhöht, ihr Gesicht wieder zurücknehmen muß, sonst sieht sie hinterher aus wie eine Tomate.

Da mir das immer noch nicht genug war, kam am Schluß noch eine leichte Vignette dazu, und jetzt, denke ich, ist es absolut perfekt. Die Radfahrerin hebt sich besser vor allem farblich von den Passanten ab, man wird durch diese nicht mehr so sehr abgelenkt, und es ist für mich ein rundum gelungenes Foto.

Fazit

Abschließend noch einmal alle Schritte einzeln und hintereinander weg.

Erst das Ausgangsfoto, dann erhöhte Bewegungsunschärfe im Hintergrund, schließlich noch Angleichung der Farbsättigung und eine Vignette.

6 Antworten
  1. Chilled Cat
    Chilled Cat says:

    Sehr starkes Foto. Die Vignette finde ich etwas zu dezent geraten, etwas mehr könnte da gut passen. Natürlich soll es kein Blick durch’s Ofenrohr werden.

    Ich finde den Fuß der Absperrung hinter dem Hinterrad ablenkend, den würde ich gern loswerden.

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  2. Tilman says:

    Ein tolles Bild, Udo… WOW! Dabei hätte es dann auch bleiben können :-D

    Nein, im Ernst, die Besprechung ist klasse, Sofie, auch die vorgeschlagene Nachbearbeitung ist super!!! Aber die Bearbeitungsschritte sind so dezent (was ich gut finde), dass man sie im Video einfach nicht erkennt. Also Screenshot… und da sieht man, liebe Sofie, dass Du unsauber gearbeitet hast LOL… die Werbung auf dem hinteren Rahmen ist unscharf… die Speichen verwischt, nur diese ärgerlichen horizontalen Streifen auf dem T-Shirt der Frau… na, die sind halt genauso da wie vorher.

    Aber jetzt kommen die roten Fingernägel richtig zur Geltung, das gefällt mir gut :->

    Antworten
    • Sofie Dittmann
      Sofie Dittmann says:

      Hey, ich mach mir nie die Mühe, die Arbeit, die eigentlich der Fotograf hätte machen sollen, so durchzuziehen, als sei es mein eigenes Foto; nur sage ich das nicht durchweg auch so. Was würdest Du denn sonst tun, wenn alles perfekt wäre? 3:) Ich hab mir das übrigens selbst überlegt mit der (fast zu) dezenten Nachbearbeitung, aber auch als statische Bilder fiele es kaum auf. Was, wie Du ja auch angemerkt hast, genau mein Ziel war.

    • Tilman says:

      „Was würdest Du denn sonst tun, wenn alles perfekt wäre?“
      Na, Dich bewundern, was denn sonst?

      Du hast schon recht, auch bei statischen Bildern sieht man den Unterschied nicht sofort. Da hat man aber mehr Zeit, zu vergleichen. In einem Video ist das aber frustrierend… man sucht den Unterschied, sieht keinen, und dann kommt schon das nächste Bild…

      Und wenn ich auf Pause drücke, um mehr Zeit zu haben, wird das Bild dunkler… (ich weiß nicht genau… liegt vermutlich an meinem Browser).

      MfG, Tilman

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  1. […] in denen der gleiche Effekt wie beim Motorradfahrer oben zu beobachten ist: Der Kopf und das Gesicht der Sportlerin sind wie vieles andere bereits in der Unschärfe, der kristallklare Fokus liegt irgendwo auf […]

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