Amsterdam:
Amstel bei Nacht

Dominierender Vordergrund kann von Vorteil sein.

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Mathias Ondraczek aus Brilon schreibt zu diesem Bild:

„Hallo mein Name ist Mathias und ich habe dieses Foto in Amsterdam geschossen an der Amstel (August 2014).

An diesem Abend war der Mond so hell und ich habe mich gleich verliebt in das gesamt bild (lichter,mond und der Breuckenpfeiler am rande des bildes.“

Wir waren vor Jahren einmal in Amsterdam. Die Grachten und der Fluß sind etwas ganz Besonderes, und nachts haben die Wasserwege etwas besonders Magisches an sich, das man nie vergißt. Das hast Du hier meines Erachtens gut eingefangen. Glückwunsch zu diesem Schnappschuß. EXIF-Daten waren leider keine vorhanden, also will ich mich auschließlich auf die Komposition konzentrieren.

Zu sehen sind hier die Amstel, rechts und links am Ufer Häuser, direkt links im Bild ein ornamentierter Brückenpfeiler. Ins Foto hinein ragen zwei Fragmente oder Balken im Wasser. Über allem steht der Mond, und das ganze Bild ist in blau/violett gehalten, akzentuiert durch die orangefarbenen Lichtquellen und die Schlieren, die sie im Wasser bilden. Nach ein bischen Stöbern kam ich zu dem Schluß, daß es wohl die Nieuwe Amstelbrug sein muß, von der aus Du fotografiert hast.

Legt man ein Kompositionsraster über das Bild, stellt man fest, daß alles aus dem Goldenen Schnitt (rosa) und der Drittelregel (grün) heraus verschoben ist. Der natürliche Horizont (gelb) liegt fast genau in der Bildmitte (hellblau).

Vergleichsfoto

Vergleichsfoto

Der Brückenpfeiler, den Du links mit ins Foto genommen hast, dominiert jenen Bildteil komplett:

Vergleichsfoto

Vergleichsfoto

Die bestimmenden Linien im Foto leiten den Blick des Betrachters nach hinten zu dem Gebäude im Fluchtpunkt.

Vergleichsfoto

Vergleichsfoto

Hättest Du dieses Bild nach Zahlen komponiert, wäre es stinklangweilig geworden. Der Brückenpfeiler links gibt mir den Kontext, wo Du stehst, auch wenn ich die Stadt nicht (gut) kenne. Ja, er dominiert das Foto auf dieser Seite komplett, aber die Textur gibt mir zusätzlich visuelles Interesse und wie gesagt eben einen Bezugsrahmen. Beschneidet man die Aufnahme entsprechend, ist der ganze Clou weg (und ob der Größe vom Foto nichts mehr übrig).

Die Komplementärfarben im Foto – violett und orange unten – empfindet man als angenehm, und die Lichtquellen sind sternförmig abgebildet, sogar der Mond. Ich habe allerdings lange mit mir selbst gerungen, ob ich den Himmel hier abgedunkelt hätte. Die Szene mag so fotografiert worden sein, aber irgendwie finde ich ihn distrahierend. Das ist jedoch absolute Geschmackssache und kein wirklicher Kritikpunkt. Jedenfalls würde das Foto (mit Nachbearbeitungsartefakten) so aussehen:

Vergleichsfoto

Vergleichsfoto

Wie gesagt, es ist Geschmackssache, und tut diesem an sich sehr guten Foto so oder so keinen Abbruch.

5 Antworten
  1. Reinhard says:

    Legt man ein Kompositionsraster über das Bild, stellt man fest, daß alles aus dem Goldenen Schnitt (rosa) und der Drittelregel (grün) heraus verschoben ist.

    Ja Gott sei Dank, dass es so ist… :-) Jetzt stelle ich mir gerade vor, dass ein Jeder von uns sich so ein „Kkompositionsraster“ in die Mattscheibe ritzt… nur um diese „Regeln“ einzuhalten…
    Und wie war das noch mit den negativen und positiven Bildräumen?
    Auch ich hätte wahrscheinlich versucht dieses ornamentierte Gebilde links mit in das Bild einzubauen. Doch irgendwie treffen hier wieder zwei Könige aufeinander. Die wahrlich interessante Struktur auf dem Bauwerk links und die grandiose Aussicht mit den top passenden Farben im allgemeinen. Von daher hätte ich mich wohl dann doch für die Farbgebung und die schöne Aussicht entschieden. Sternförmige Monde mag ich allerdings auch nicht… :-)

    Antworten
    • Sofie Dittmann
      Sofie Dittmann says:

      Ich nehme an, es ist OK, wenn ich meinerseits die Diskussion hinsichtlich des Goldenen Schnitts etc. für dahingehend erledigt halte, daß ich bereits gesagt habe, was ich zu sagen hatte. :)

  2. Tilman says:

    Hallo, ein tolles Bild. Aber mit dem Brückenpfeiler, und darum geht es ja in Deiner Besprechung hauptsächlich, Sofie, bin ich anderer Meinung. Er ist für mich zu bestimmend, dann aber wieder auch nicht… ich beginne das Bild hier zu betrachten, finde aber den Pfeiler ziemlich uninteressant, und dann gucke ich mir anschließend den Rest auch noch an. Der dann aber irgendwie durch den Pfeiler erdrückt wird. Ich hätte versucht, entweder nur den Pfeiler zu fotografieren, oder die Stimmung einzufangen, aber beides zusammen passt für mich nicht.
    MfG, Tilman

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    • Sofie Dittmann
      Sofie Dittmann says:

      Ich habe damit herumexperimentiert – ohne Pfeiler ist es ein Bild von einem Fluß irgendwo auf der Welt. MIT Pfeiler ist es ein von der Nieuwe Amstelbrug gemachtes Foto, aber zugegebenermaßen dominiert der Pfeiler das Foto total.

    • Tilman says:

      „Ich habe damit herumexperimentiert“ … ich auch

      „ohne Pfeiler ist es ein Bild von einem Fluß irgendwo auf der Welt“… genau, das habe ich auch so empfunden und deswegen das Bild so belassen, wie es ist.

      Wäre sicher interessant zu überlegen, ob man die Brücke fotografieren kann, so dass die Stimmung, die Mathias beschreibt, mit eingefangen wird.

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