TEst (2/2):
Impossible Project Color 600 und Fujifilm Instax Wide

Sofortbildkamera und Sofortbildfilm ist nicht gleich Sofortbildkamera und Sofortbildfilm.

Polaroid 600/Fujifilm Instax Wide 300

Polaroid 600/Fujifilm Instax Wide 300

Dieser Artikel schließt sich an mein Interview mit meiner Tochter zum Thema Fujifilm Instax Wide an.

Weil ich selbst eine der alten Polaroid-Kameras besitze, habe ich meine Tochter gebeten, mir ihre Instax (Affiliate-Link) auszuleihen. Ich wollte einfach mal wissen, ob beide vergleichbar sind. Mit zwei Pack Color 600 Film, die mir Impossible freundlicherweise zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt hat, und einem Doppelpack (Affiliate-Link) für die Instax, den ich mir selbst zugelegt habe, war ich auf dem Hof einer Freundin unterwegs, die dort jede Menge schönen Schrott herumliegen hat. Der Film von Impossible trug das Produktionsdatum 12/15, war also noch bis 12/16 haltbar; der von Fuji noch bis 06/17.

Es war ein sonniger Märztag, und die Außentemperatur betrug 6 C – wichtig, weil beides besonders bei Film von Impossible die Entwicklung stark beeinflußt. Der Sonne wegen habe ich die Polaroid und die Instax beide heruntergeregelt. Den Film trug ich direkt am Körper, die belichteten Aufnahmen kamen sofort in einen Brustbeutel unter meinem Pullover.

Als „Kontrollgruppe“ hatte ich noch meine kleine DMC (Affiliate-Link) dabei, als farblichen Goldstandard sozusagen. Insgesamt habe ich jeweils 16 Aufnahmen gemacht, von denen bei der Instax eine zu dunkel belichtet war, obwohl das gleiche Motiv mit der heruntergeregelten Polaroid korrekt aussieht (ist wohl dem höheren ISO des Instax-Filmes zu verdanken).

Schnell mußte ich feststellen: aus dem ursprünglichen Plan, Äpfel mit Äpfeln zu vergleichen, wurde ein Projekt, das Äpfeln mit Orangen vergleicht. Beide sind Sofortbildfilme, und das ist es dann auch.

Nicht wirklich vergleichbar

Der Film von Fuji fühlt sich wesentlich dünner und daher etwas „billiger“ an; er kostet ja auch wesentlich weniger, denn für 20 Aufnahmen bezahlt man das gleiche wie für acht von Impossible. Sie sind jedoch fast so dünn wie Papier, und ich persönlich mag das Taktile des anderen Films. Instax kann sehr leicht knicken, Impossible nicht.

Wie bei der 600 kann man bei der Instax zwischen „nah“ und „fern“ umschalten. Die Kamera sieht wie eine ältere Filmkamera aus, und weniger klobig als die tatsächlich alte Polaroid.

Stellt man die Ergebnisse jeder Aufnahme nebeneinander, stellt man leicht fest, daß praktisch alle Aufnahmen, die ich mit der 600 gemacht habe, einen Magentastich aufweisen. Was weiß sein sollte, ist bei Tageslicht unterschiedlich farbstichig. Die Streifen auf den Fotos sind der Tatsache geschuldet, daß ich meine Kamera mal dringend reinigen muß (die Walzen sind verdreckt), aber das hätte an dem Magentastich nichts geändert. Der Retrocharakter, von dem meine Tochter spricht, ist also definitiv gegeben.

Fujis Film dagegen ist durchweg farbecht und konsistent, dadurch allerdings auch, nun ja, etwas unaufregend – für diejenigen wie mich, die perfekt eben langweilig finden. Es ist auch nicht ganz einfach, sich an den Sucher der Instax zu gewöhnen. Das Ding ist irgendwie aspherisch und man fühlt sich etwas benommen, wenn man durchschaut. Dafür bekommt man aber auch bei ihr ziemlich genau das geliefert, was man angepeilt hatte.

Hier im Vergleich ein paar der Aufnahmen, die ich gemacht habe:

VERGLEICH1

VERGLEICH2

VERGLEICH3

VERGLEICH4

Als abschließenden Test habe ich noch versucht, mit beiden einen Emulsionstransfer zu machen. Das Gute an Impossible-Film ist, daß die Emulsion etwas dicker ist als bei Polaroid (deshalb nur acht Aufnahmen pro Kassette), so daß man sie mit ein bischen Geduld ohne weiteres transferieren kann. Hier die Scheune aus dem obigen Vergleich/Beispiel:

Scheune (Emulsion Lift von Impossible Color 600 Film) - (c) Sofie Dittmann

Scheune (Emulsion Lift von Impossible Color 600 Film) – (c) Sofie Dittmann

Instax-Filme sind absolut nicht für diesen Zweck geeignet. Man kann die Vorder- und Rückseite des Films nicht trennen, zumindest habe ich es nicht geschafft. Jemand, der es wohl auch versucht hat, hat sein Ergebnis hier eingestellt. Mein Urteil: das bringt es nicht.

Das Fazit

Schon die Verpackung und der Preispunkt beider Filme richten sich an vollständig andere Zielgruppen. Wo Instax das Flair von Massenware besitzt und an die Selfie-Generation appelliert (es gibt sogar einen Selfie-Aufsatz), ist Impossible ästhetisch ansprechend designt für einen Markt, der höhere Qualität (aber nicht unbedingt Konsistenz) zu schätzen weiß, allerdings zu einem entsprechenden Preis.

Rohre (Impossible-Aufnahme) - (c) Sofie Dittmann

Rohre (Impossible-Aufnahme) – (c) Sofie Dittmann

Die Tatsache, daß Impossible-Filme keine farblich konsistenten Ergebnisse liefern, ist für mich ein künstlerischer Pluspunkt, aber für jemanden, der genau das sucht, sind sie nicht geeignet. Es dürfte interessant werden zu sehen, ob Impossible weiterhin der unter anderem von mir so geschätzte Nischenmarkt bleiben möchte, oder ob sie – es ist mit dem Instant Lab bereits irgendwo vorgezeichnet – ihre Marktbasis zu einer jüngeren Zielgruppe hin zu verbreitern suchen. In dem Fall müßten sie jedoch ihre Preisstrategie und auch die Konsistenz der Emulsion grundlegend überdenken.

Wer sich momentan eine Polaroid-Kamera und Impossible-Film zulegt, verfolgt meistens wie ich ein künstlerisches Ziel, denn Instax-Aufnahmen bekomme ich mit meiner normalen Kamera besser hin; meine Motivation ist also eine ganz andere als die meiner Tochter.

Rohre (Instax-Aufnahme) - (c) Sofie Dittmann

Rohre (Instax-Aufnahme) – (c) Sofie Dittmann

Ich hoffe jedenfalls, daß Impossible ihrer ursprünglichen Vision, anders als Polaroid, insgesamt treu bleiben.

Hier der Vergleich von Kamera und Film im einzelnen:

Impossible Instax
Anzahl der Aufnahmen pro Kassette 8 10
Doppelpack = X Aufnahmen 16 20
Preis für Doppelpack 39,50 16,00
Preis pro Bild 2,47 0,80
Aufnahmetemperatur 13 – 28 C 5 – 40 C
Empfindlichkeit 640 800
Entwicklungsdauer 30 – 40 Minuten 90 Sekunden
Batterie in Kassette integriert extern in Kamera
Dimensionen Filmkassette (cm) 11 L – 9 B – 1,5 (1) H 9 L – 11 B – 1,9 (1,4) H
Dimensionen Film/Aufnahmefläche (cm) 7,7 B – 7,9 L 10 B – 6,2 L
Konsistenz/Farbechtheit wechselt gegeben
Handhabung der Kamera einfach einfach
Stativ? nein ja
Blitz regulierbar? nein ja
Belichtung regulierbar (hell/dunkel)? ja ja
Extreme Close-ups? nein ja
Instax Wide Film/Impossible Color 600 Film

Instax Wide Film/Impossible Color 600 Film

11 Antworten
  1. dierk says:

    Polaroid 110A Pathfinder
    diese hatte ich mir damals gekauft, da sie die wohl einzige voll manuelle Polaroid war. Ich glaube, ich hatte mir nur einen Film für 35 DM geleistet, ergab ein Positiv und Negativ pro Bild.

    Hier aus dem http://camerapedia.wikia.com/wiki/Polaroid_Pathfinder

    „Pathfinder was the name given a series of cameras manufactured by Polaroid and Yashica from the early 1950s until 1964. These models were the professional-market Polaroid camera, equipped with a fast and sharp lens and made with durable steel construction. Unlike other Polaroid cameras, the Pathfinders were set to expose the film fully manually, with no aid from an electric eye. This provides the photographer with precise control over the camera. Pathfinders used 40-series rollfilm, which produced an instant print of 7.2 x 9.5 cm. Even today, although this type of rollfilm is discontunued, many photographers have found ways to use the Pathfinder. „

    it is blurred but still good for size comparision

    Antworten
  2. dierk says:

    mit der SX70 aufgenommen
    schon etwas älter, ca. 1984
    damals war ich begeistert, Spiegelreflex und Nahaufnahme!
    Leider schon sehr verkratzt und die Schichten lösen sich am Rand.
    Die Bildqualität/Auflösung ist natürlich nur in der Originalgröße erträglich.

    ich markt

    Antworten
    • Sofie Dittmann
      Sofie Dittmann says:

      „Bildqualität/Auflösung ist natürlich nur in der Originalgröße erträglich.“

      Da mußte ich grinsen. Genau aus dem Grund liebe ich diese Art des Fotografierens. Wenn man natürlich wie Du was weiß ich wieviele Megapixel gewöhnt ist, ist Polaroid eigentlich nichts für Dich. Ich habe vor kurzem eine Serie auf Impossible via Instant Lab abgezogen, die habe ich allesamt so dermaßen übertrieben schärfen müssen, sonst wären bestimmte Details verloren gegangen.

  3. Anika Neese says:

    Die Polas haben hinter dem regulären Auslöser noch einen versteckten. Damit löst der Blitz nicht aus. Ah, dann hat Deine Tochter noch eine ganz alte Instax Wide, diese frühere Version konnte noch BIlder ohne Blitz machen, das stimmt. Die heutigen können das alle nicht mehr.

    Antworten
  4. Anika Neese says:

    Den Instax Wide Film bekommt man regulär für ungefähr 20 Euro. Wo kann ich ihn denn für 16 Euro kaufen? Und inwiefern kann ich den Blitz bei der Instax Wide regulieren? Meines wissens kann ich ihn nur erzwingen, aber nicht abstellen oder abmildern. Mit der Polaroid Kamera kann ich auch ohne Blitz fotografieren. Einige Polaroid Kameras haben auch ein Stativgewinde.

    Antworten
    • Sofie Dittmann
      Sofie Dittmann says:

      Ich habe den Betrag über den Daumen gepeilt umgerechnet. Meine Polaroid 600 blitzt, ob ich das will oder nicht, und bei der Instax Kamera meiner Tochter kann man den Blitz abstellen. Es ging auch mehr um den Film, so, wie ich ihn damals in den Händen hielt. Generation 3.0 ist wesentlich besser.

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] Vor nicht allzu langer Zeit hat mir Impossible zwei Pack Farbfilm (Color 600) zur Verfügung gestellt, die beide zwar nicht abgelaufen waren, aber dennoch bestenfalls „kreative“ Ergebnisse lieferten. Mit ihrem Farbfilm der dritten Generation (Affiliate-Link), den ich als Beta-Version verbilligt gekauft habe (ich bin Impossible-Mitglied, da geht das), hat sich das grundlegend geändert. Weiß ist zwar immer noch nicht wirklich weiß, aber die Farben – insbesondere die Blaus – sind, wie ich finde, ziemlich umwerfend. […]

  2. […] Anstatt wie ursprünglich geplant einfach nur einen Vergleich von Fujifilm Instax und Polaroid/Impossible Color zu schreiben, wollte ich erst einmal erforschen, warum sich die Selfie-Generation heutzutage eine Sofortbildkamera zulegt. Der detaillierte Vergleich beider Kameras und Filme ist hier zu lesen. […]

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