Dunst macht das Foto:
Am Nordufer Rügen

Auch oder gerade bei Schmuddelwetter können aussagestarke Landschaftsbilder entstehen. Wenn man diese in Schwarzweiß umwandelt, sollte man jedoch darauf achten, daß ein kohärentes Ganzes dabei herauskommt.

Nikon D610, 105mm, 1/250sec, f16, ISO 400 - (c) Patricia Stein

Nikon D610, 105mm, 1/250sec, f16, ISO 400 – (c) Patricia Stein

Patricia Stein aus Dranske schreibt zu diesem Bild:

Es war ein trüber Vormittag und ich wollte mit dem Tele die Wildheit des Ufers und die Staffelung der Steilküste zusammen raffen. Es war mir auch wichtig eine möglichst große Schärfentiefe zu bekommen so dass auch die Personen in der Ferne noch gut zu erkennen sind, sie geben einen, wie ich finde, guten Größenvergleich ab. In Schwarz – Weiß umgewandelt habe ich mit Lightroom.

Ich bin gespannt zu hören was ich noch hätte besser machen können.

Eine dieser sogenannten „Regeln“ in der Landschaftsfotografie ist, daß die Leute nur bei bestimmten Lichtverhältnissen fotografieren gehen – „Blaue“ und „Goldene Stunde“, und klare Sicht bitte. Außerdem wird Wasser gerne mit langer Verschlußzeit abgelichtet, damit es weich verschwimmt. Wie Du hier zeigst, muß das alles nicht so sein. Glückwunsch zu einem, wie ich meine, insgesamt recht gelungenem Foto.

Zunächst einmal zum Technischen: die EXIF-Daten sind in etwa das, was ich erwartet hätte. Kleine Blende, etwas höherer ISO, damit die Verschlußzeit nicht zu lang wird. Generell setzen Landschaftsfotografen eher kleinere Blenden ein, weil die ganze Szene scharf dargestellt werden soll, und hättest Du diese Regel auch gebrochen, wären Teile des Fotos, die jetzt schon eher weich wirken, vollständig verschwommen.

Wenn ich mein übliches Raster über die Aufnahme lege, stelle ich fest, daß der natürliche Horizont (gelb) fast perfekt im Goldenen Schnitt (rosa) liegt. Die Leute, die Du noch mit ins Foto gebracht hast, befinden sich perfekt in der Bildmitte (blau).

Vergleichsfoto

Vergleichsfoto

Durch die Lichtverhältnisse wurde eine gewisse Tiefe ins Bild gebracht, und dadurch entstanden mehrere visuelle Ebenen:

Vergleichsfoto

Vergleichsfoto

Die Linien, die der Strand beschreibt, führen den Betrachter ebenfalls in die Szene hinein.

Vergleichsfoto

Vergleichsfoto

Gehadert habe ich etwas mit der Nachbearbeitung, und zwar mit zweierlei Aspekten.

Erstens einmal hast Du Dein Bild mit einem hinterher hinzugefügten digitalen Rahmen eingereicht. Ich persönlich bin mir nie sicher, was damit bezweckt wird, wenn ich so etwas sehe – er trägt zum Foto für mich absolut nichts bei. Ich habe ihn für die Vergleichsfotos entfernt, aber schlußendlich ist es natürlich Deine persönliche Entscheidung.

Weiterhin bin ich mir nicht sicher, ob ich die Schwarzweißumwandlung hundertprozentig so gut finde. Es sieht beinahe aus, als gäbe es da zwei Fotos. Vorne das sehr kontrastige Schwarzweiß, hinten das weiche, kontrastarme. Auch ist das Wasser an manchen Stellen fast ausgebrannt, was den Horizont dort vollständig zum Verschwinden bringt. Dir muß das auch irgendwie aufgefallen sein, denn Du hast nachträglich noch eine Vignette über das Bild gelegt, die es aber meines Erachtens nicht unbedingt benötigt, weil das Foto schon durch die Komposition genug Tiefe hat. Aber auch in diesem Fall ist das Deine Entscheidung.

Das Ausgebrannte mag nicht zu vermeiden gewesen sein, aber ich hätte zumindest den Kontrast im Foto insgesamt angeglichen, damit ein kohärentes Ganzes dabei herauskommt. Je nachdem, wie das Ausgangsfoto aussah, hätte man unter Umständen anders vorgehen können. Und bei der Aufnahme selbst hätte ich erwogen, einen Grauverlaufsfilter zu benutzen.

Wie dem auch immer sei, mit ein wenig Kontrastausgleich sähe das Foto dann so aus:

Vergleichsfoto

Vergleichsfoto

Wie bereits eingangs erwähnt ein für mich insgesamt gelungenes Foto, das mit noch ein paar Handgriffen leicht abzurunden ist.

2 Antworten
  1. Patricia says:

    Herzlichen Dank für diese tolle Besprechung, so habe ich was dazu gelernt, besonders weil ich das Bild noch nie unter den Gesichtspunkten betrachtet habe.
    LG Patricia

    Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *