Kreativität:
Alles neu oder alles nur geklaut?

Wenn man einer kreativen Tätigkeit nachgeht, beschäftigt man sich zwangsläufig irgendwann mit der Kreativität an sich. Spätestens dann, wenn man einen Haufen teures Equipment zu Hause hat, und dann doch nicht weiß, was man überhaupt fotografieren soll.

Einige aktuelle Fotozeitschriften

Einige aktuelle Fotozeitschriften

Bei mir war es letztens wieder so weit, als ich bei einem befreundeten Fotografen war und er mir alte Fotozeitschriften aus den 1960er Jahren zeigte, die er auf einem Flohmarkt erstanden hat. Beim Durchblättern ist mir eins sehr schnell aufgefallen. Vieles von dem, was wir heute als kreativ ansehen, haben Fotografen schon vor über 50 Jahren gemacht. Nur in einer anderen technischen Qualität und mit größerem fotografischen Handwerk.

Aber in der heutigen Zeit verliert das Handwerk immer mehr an Bedeutung. Früher war Fotografie ein sehr aufwändiger und teurer Prozess. Die technischen Leistungen von damals sind daher mit anderen Maßstäben zu bewerten. Damit will ich aber nicht sagen, dass früher alles besser war, oder dass es schade ist, dass das Handwerk so einfach geworden ist. Im Gegenteil. Da uns das Equipment und die EBV vieles von der technischen Umsetzung abnimmt, können wir als Fotografen uns mehr auf das konzentrieren, worauf es wirklich ankommt, nämlich auf das Motiv und das, was man als Fotograf aussagen möchte. Leider wird dieser Vorteil viel zu selten ausgenutzt.

Deplazierte Menschen und strenge Architektur schon in den 1960ern

Deplazierte Menschen und strenge Architektur schon in den 1960ern

Nackter Mensch in Industrie-Architektur in den 1960ern

Nackter Mensch in Industrie-Architektur in den 1960ern

Aber was ist Kreativität überhaupt? Laut Wikipedia ist Kreativität die Fähigkeit, etwas vorher nicht da gewesenes, originelles und beständiges Neues zu kreieren. Oder um es ganz allgemein zu halten: Kreativität wird ganz allgemein als die Erschaffung neuer und brauchbarer Formen definiert (Amabile 1996). Das klingt einfach, ist es aber nicht, wie viele Leser vermutlich am eigenen Leib erfahren durften. Und je länger es Fotografie gibt, und je weiter verbreitet sie ist, desto schwieriger wird es etwas wirklich Neues zu machen. Karl Valentin meinte dazu: „Es wurde schon alles fotografiert, aber noch nicht von jedem“.

Gespiegelte Bilder in den 1960ern

Gespiegelte Bilder in den 1960ern

Abstrakte Strukturen in den 1960ern

Abstrakte Strukturen in den 1960ern

Nachdem man definiert hat, was Kreativität bedeutet, stellt sich direkt die Frage, ab wann ist etwas neu? In vielen Fällen dürfte die Antwort relativ einfach sein. Es gibt aber auch viele Fälle, bei denen eine scharfe Abgrenzung gar nicht möglich ist. Als Beispiel kann man einfach ein Foto eines anderen Fotografen 1 zu 1 nachfotografieren, und ein Detail verändern. Ist das neue Bild dann etwas Neues? Streng genommen ja. Aber wenn man die geistige oder kreative Leistung vergleicht, lässt sich das nicht so eindeutig festlegen. Im Prinzip kommt es immer darauf an, was geändert worden ist, und welche Auswirkung das nun auf das Bild hat. Ein geändertes Detail kann nämlich dazu führen, dass das neue Bild einfach nur eine neue Version des vorherigen Bildes ist. Es kann aber auch sein, dass das neue Bild durch die Änderung eine komplett andere Aussage erhält und somit etwas Neues ist.

Fischaugenoptik in den 1960ern

Fischaugenoptik in den 1960ern

Zufälligerweise führte ich kürzlich zu dem Thema eine Diskussion mit einem anderen Fotografen. Verkürzt gesagt war er der Meinung, dass Kreativität nur eine Illusion ist, da wir quasi nur das, was wir erleben, verarbeiten. So ganz Unrecht hat er wohl nicht. Kaum jemand, der heute fotografiert, ist ohne jeglichen menschlichen Kontakt aufgewachsen und hat dann plötzlich angefangen zu fotografieren. Und selbst wenn es so wäre, jeder Mensch macht seit dem Tag seiner Geburt Erfahrungen, die ihn im späteren Leben mal mehr mal weniger beeinflussen. Das bedeutet, niemand kann behaupten frei von jeder Beeinflussung zu fotografieren.

Mein Diskussionspartner hat mich auch darauf aufmerksam gemacht, dass Kreativität in den verschiedenen Kulturen einen unterschiedlichen Stellenwert hat. In unserer westlichen Kultur wird in der Regel das Individuum hervorgehoben und gefördert. In vielen asiatischen Kulturen ist eher die Gemeinschaft bzw. die Gesellschaft wichtig, und nicht das einzelne Individuum. Dort ist es erstrebenswert, einen Könner oder Meister bis zur Perfektion imitieren zu können. Erst dann ist es legitim, seinen eigenen Weg zu gehen, der natürlich auf dem Gelernten aufbaut. An dieser Methode ist grundsätzlich nichts auszusetzen. Allerdings bin ich der Meinung, dass man sie nicht auf alle Menschen anwenden kann. Wie ich das schon in meinem Artikel zum Thema Fotoclubs beschrieben habe, kann ein solches Vorgehen dazu führen, dass man irgendwann sehr festgefahren ist und Scheuklappen auf hat. Das Verlassen altbekannter und ausgetretener Pfade ist dann sehr schwierig. Man ist sozusagen konditioniert.

Dinge, die in volle Kaffeetassen fallen in den 1960ern

Dinge, die in volle Kaffeetassen fallen in den 1960ern

Imitation und Reproduktion sind relativ einfach bewertbar. Je näher man am Original ist, desto besser. Man fühlt sich anfangs auch geschmeichelt, wenn man so etwas gesagt bekommt, wie „Du fotografierst wie [hier beliebigen berühmten Fotografennamen einfügen]“. Man wird dadurch aus der großen Masse auf (fast) die gleiche Stufe gestellt, wie das angestrebte Vorbild. Dummerweise ist das selten ein exklusives Vorbild, es haben also noch mehr Fotografen das gleiche Vorbild und eifern diesem nach. Somit ist man wieder nur einer von Vielen.

Ungewöhnliche Perspektive in den 1960ern

Ungewöhnliche Perspektive in den 1960ern

Ungewöhnliche Perspektive in den 1960ern

Ungewöhnliche Perspektive in den 1960ern

Kreativität bietet leider auch oft eine große Fläche für Kritik. Wenn man etwas Neues macht, wird es immer Menschen geben, die es nicht verstehen. Ist ja auch kein Wunder, es ist etwas Neues. Viele innovative und kreative Künstler, also auch Maler, Bildhauer, Schriftsteller usw. mussten ihre Arbeiten „verteidigen“ und sind nicht selten damit gescheitert. Man kennt das, dass die Ideen eines Künstlers oft erst sehr spät, manchmal sogar erst post mortem, also nach seinem Tod, verstanden wurden, weil der Künstler seiner Zeit voraus war. Das bedeutet aber nicht, dass per se jede Idee gut ist, die nicht direkt verstanden wird. Manche Ideen sind tatsächlich leider einfach nicht gut.

Ich bin aber der festen Überzeugung, dass viele Menschen, wirklich kreativ sind. Sie es aber einfach verlernt haben, oder sich einfach nicht trauen. Unsere Gesellschaft honoriert in erster Linie Ideen, die einen praktischen Nutzen haben. Darauf ist auch unsere Erziehung und unsere Ausbildung ausgelegt. In der Schule wird man zum Konformismus erzogen. Selbst im Kunstunterricht hat man die Lehrkraft, der man gefallen will/muss. Will man gute Noten bekommen, muss man nicht kreativ sein, sondern es lediglich schaffen dem Lehrer zu gefallen. Irgendwann lernt man, was dem Lehrer gefällt, und passt sich an. Wer es wagt anders zu denken, wird mit schlechten Noten bestraft. Das führt dazu, dass man sich zukünftig einfach nicht mehr traut abgefahrene Ideen zu äußern oder umzusetzen, oder sogar, dass man die Fähigkeit des Querdenkens verlernt.

Bildmanipulation in den 1960ern

Bildmanipulation in den 1960ern

Bildmanipulation in den 1960ern

Bildmanipulation in den 1960ern

Ich hatte irgendwann das Glück einen Kunstlehrer zu bekommen, der anders war und mir auch eine andere Seite an der Kunst zeigte. Er stellte uns Aufgaben, wie „Der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“ oder „Die Frau von heute, und wie sie sich selbst sieht“. Anfangs dachten wir alle nur „WTF?!?“, hatten wir bis dahin doch immer nur Themen wie „Mal eine Landschaft“. Aber als man sich ein wenig damit auseinandergesetzt hat, verstand man es als Herausforderung und es machte viel Spaß. Ein Mitschüler hatte aus meiner Sicht eine tolle Idee zum Thema „Der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“, denn er malte einen Baum, an dem Bildschirme oder Fernseher als Früchte dienten. Mein Beitrag zum Thema „Die Frau von heute, und wie sie sich selbst sieht“ hängt immer noch bei mir in der Wohnung und ich bin auch immer noch stolz drauf. Wer sich ein wenig in der Pop-Kultur auskennt, der wird vielleicht merken, dass ich als Vorlage ein Poster der Comic-Reihe GEN13 hatte. Und die Vorlage für dieses Poster war wiederum ein Cover des Musikmagazins Rolling Stone mit Janet Jackson. Aus einer modernen Frau, die zu ihrer Sexualität steht, wurde bei mir eine selbstbewusste, männerfressende Femme Fatale. Ähnliche Pose, aber eine ganz andere Aussage. (Um das klar zu stellen: Das Bild zeigt natürlich nur eine von vielen Facetten einer Frau, und das auch noch bewusst überspitzt.)

Mein Bild aus meiner Schulzeit

Mein Bild aus meiner Schulzeit

Seit dem es so etwas wie die Kunst gibt, orientieren sich Künstler oft an anderen Künstlern. Man nennt das dann Inspiration. Damit ist aber nicht die Imitation gemeint. Es ist viel mehr so, dass man durch das Konsumieren der Arbeit anderer Künstler neue Wege aufgezeigt bekommt, die man aber nicht einfach so beschreiten muss. Sie zeigen einem nur, dass es mehr Möglichkeiten gibt, als einem gerade spontan einfallen und dass man offen sein soll, um selbst neue Wege zu finden.

Spiegelungen in den 1960ern

Spiegelungen in den 1960ern

Spiegelungen auf Brillen in den 1960ern

Spiegelungen auf Brillen in den 1960ern

Um noch mal auf den Ausgangspunkt zurück zu kommen. Fotozeitschriften können eine Inspirationsquelle sein, meistens geht es darin aber nicht um Kreativität. Im Prinzip sollte man sie als eine Art Katalog oder Prospekt verstanden werden, in dem gefällige Beispiele für die technischen Möglichkeiten von Kameras und Objektiven demonstriert werden. Besonders deutlich wird das im Hinblick darauf, dass die präsentierten Bilder und Motive seit Jahrzehnten gleich geblieben sind und sich nur die technische Ausarbeitung geändert hat.

Verfremdungen in den 1960ern

Verfremdungen in den 1960ern

Verfremdungen in den 1960ern

Verfremdungen in den 1960ern

Hat man also vor sich neues Equipment zu kaufen, so sind solche Zeitschriften sehr nützlich. Möchte man gefällige Bilder mit wenig Eigenleistung produzieren, so kann man sich auch damit inspirieren. Für die Inspiration für „echte“ Kreativität empfehle ich dann doch eher Bildbände, Ausstellungen und Museen. Aber vor allem nicht immer der Masse/Mode folgen, experimentieren, selbst denken und seinem Herzen folgen.

Auch damals war die Kameragröße schon ein Thema

Auch damals war die Kameragröße schon ein Thema

18 Antworten
  1. Winterlicht says:

    Danke für diesen Artikel. Ich habe ihn gern gelesen (bei den Kommentaren war ich etwas nachlässig und habe nur überflogen).Hier meine 2 cents ….

    Die Definition von Kreativität geht von einer vergleichenden Basis aus. Nämlich, dass sich ständig alle miteinander vergleichen, was ja auch tatsächlich viele machen. Ich finde Kreativität ist sehr viel persönlicher. Und wenn ich etwas für mich Neues erschaffe, dann ist das in jedem Fall kreativ. Vielleicht hat es jemand schon vor mir erschaffen. Vielleicht wußte ich es, vielleicht auch nicht. Es geht doch gar nicht darum „Erster“ zu sein (okay, in unserer Gesellschaft leider doch), sondern um den Prozess des eigenen Erschaffens (unabhängig vom Erschaffensprozess anderer Leute). Mich stört dieses „vergleichen müssen“ (die Amis sagen dazu „keeping up with the Joneses“. Ich „vergleiche“ meine Kreativität oder meine Schöpfungen nicht mit anderen. Aber genau das verlangt doch die Definition von Kreativität, wenn etwas vorher nicht Dagewesenes erschaffen werden soll, da nur das die Kreativität ausmacht. Angeblich. Ich wünschte mir, Kreativität wird so definiert, wie sie ist – nämlich sehr persönlich. Das Gute ist, dass „wir“ die Definition von Kreativität geschaffen haben, da könnten „wir“ sie auch wieder ändern …

    Inspiration hole ich mir gern von anderen und – da gebe ich Dir total Recht – mit den neueren Fotozeitschriften funktioniert das nur selten.

    Aber dann ist da noch die Sache mit der Anerkennung. Nach Anerkennung streben alle – einige mehr, einiger weniger stark ausgeprägt. Aber Anerkennung ist eine Form der Motivation und fördert die Kreativität, so lange man nicht Anerkennung „um jeden Preis“ sucht ;)

    Nochmals, danke für diesen Beitrag.

    Annett

    Antworten
    • Marcus Leusch says:

      @ Winterlicht



      „Es geht doch nicht darum, ‚Erster‘ zu sein. … „



      Genau dies war auch mein Gedanke. Kreativität ist ja kein Vorrecht einer Hand voll 
Künstler, die vorangehen (Avantgarde = militärische Vorhut), sondern sie ist jedem mitgegeben, der sich selbst zum Ausdruck bringen möchte, bildkünstlerisch oder einfach bloß in einer Alltagssituation, die von jedem individuell gemeistert werden kann. Ich denke, auch die Kunst von geistig Behinderten trägt im Kern diese befreiende Kraft, die mit ihren kreativen Äußerungen nicht minder „nach Anerkennung strebt“.
      Es ist eben immer die Frage, aus welcher Perspektive und in welchem Kontext wir auf dieses Thema blicken: Der Frosch quakt im Laub und der Vogel erhebt sich in die Lüfte, um Horizonte zu überqueren – da hätten wir das Gefälle zwischen einem Picasso und seinem Schuster, der dem Künstler die Sohle für den Fort-Schritt unter das Leder nagelt. Wem gehörte wohl die größere Anerkennung in Punkto Kreativität? …

      Beste Grüße
      Marcus

  2. Marcus Leusch says:

    „Es wurde schon alles fotografiert, aber noch nicht von jedem“ 



    1.
    Mit Deinem (übrigens sehr sprachgewitzten, sprich kreativen) Zitat von Karl Valentin ist doch eigentlich schon alles gesagt. Wenn ich das einmal positiv verstehen darf, dann ist Valentins großes „aber“ ein Plädojer für das Potential in jedem Einzelnen angesichts einer bebilderten Welt, die kaum einen Raum mehr zu lassen scheint für das wirklich Eigene, aus sich selbst heraus zu Schöpfende. Und dennoch erscheinen täglich millionenfach Fotografien in Zeitungen und im www, die mit einer mehr oder minderen Berechtigung ihren Anspruch auf Kreativität einfordern. 




    2.
    „…Das ist nun mal die Definition von Kreativität“ (Darius Kupczak)



    Es gibt zu allen Zeiten, die sich schriftlich dazu geäußert haben, Theorien und Abhandlungen zum Thema Kreativität. Alle haben sie ihre eigenen Anschauungen entwickelt, von Platon und Aristoteles bis heute, vom „göttlichen Funken“ der „Geniezeit“ (18. Jh.) bis zur Neurowissenschaft und Verhaltensbiologie (auch Affen haben Kreativität!). Insofern lese ich die Wikipedia-“Definition“ als allzu verkürzt. Mir fehlt da die zeitliche Dimension und Zuordnung von Aussagen in einem historischen und fachspezifischen Kontext (Der Biologe hat andere Erklärungsmuster als ein Wirtschaftswissenschaftler – ja, auch hier gibt es tatsächlich Kreativität). 



    3.
    „Was du ererbt hast von den Vätern, erwirb es, um es zu besitzen.“ (Goethe) 



    Deswegen schauen wir uns nicht nur alte Fotografien und Kunstwerke an, um daraus etwas mitzunehmen. Deswegen üben sich Studiofotografen in unterschiedlichen Beleuchtungsanordnungen (z. Bsp. das so genannte „Rembrandtlicht“ oder die Butterlybeleuchtung = das typische Marlene Dietrich-Licht für Portraitaufnahmen), die ihnen die Meister ihres Fachs vorgemacht haben. Bewusste Nachahmung ist in diesem Sinne kein Einspruch gegen die Kreativität, vielmehr eine Voraussetzung für diese. Insofern lohnt es auch Bildbände und alte Zeitschriften zu wälzen. 



    4.
    „Denken heißt überschreiten“ (Ernst Bloch) 



    Dies wäre sozusagen der zweite Schritt im Prozess der Kreativität, die ja (laut Definition) etwas mit Grenzüberschreitung zu tun hat. Ich wage einmal zu behaupten, dass jeder, der fotografiert, dazu in der Lage wäre, wenn er sich einmal seinem eigenen, ihm eingeschriebenen Spieltrieb überlassen würde, vorausgesetzt, er hat sich mit den Grundlagen seines eigenen Genres (Fotografie) auseinandergesetzt, um zu einer eigenen „Handschrift“ zu gelangen.



    5.
    Kreativität ist für mich eine Grundkonstante, mit der jedes Wesen ausgestattet ist, das nicht bloß instinktiv handelt und seinen Verstand nicht schon an der Kasse des Mainstream abgegeben hat. Ich sage das, für alle, die schon einmal eine defekte Waschmaschinentür mit einer großen Pinzette geöffnet haben, die eigentlich zum Füttern von Reptilien vorgesehen war.

    Beste Grüße
    Marcus

    Antworten
    • Darius Kupczak
      Darius Kupczak says:

      Zu 1.:
      Mein großes „aber“ ist eher das „Wie“ und nicht das „Was“. Der Kölner Dom gehört wohl zu den meist fotografierten Sehenswürdigkeiten in Deutschland. Und trotzdem behaupte ich, dass es möglich ist den Dom auf seine ganz eigene Art zu fotografieren. Die meisten begnügen sich aber mit den üblichen Bildern, die es schon zu Hauf gibt (ich leider meistens auch).

      Zu 2.:
      Das würde den Rahmen hier sprengen und die meisten wohl auch langweilen. Mein Artikel ist weniger als wissenschaftliche Abhandlung, sondern eher als meine persönlichen Gedanken anzusehen. Deine Argumente zielen darauf ab, wie Kreativität funktioniert, mir ging es eher um das Ziel. Daher fand ich die allgemeine Wikipedia-Definition schon ganz gut. Denn ob nun Fotograf, Wirtschaftswissenschaftler oder Affe, das Ziel ist es ausgetretene Pfade zu verlassen und neue Wege zu gehen.

      Zu 3.:
      Die von dir aufgeführten Beispiele der Beleuchtung sind Stilmittel, also Werkzeuge mit denen man beim Betrachter eine gewünschte Reaktion hervorrufen kann aus meiner Sicht kommt es darauf an, wie man diese einsetzt. Sind die Werkstatt-Fotos von Freddy Fabris Kopien? Wie sieht es mit den Bildern von Sandro Miller und John Malkovich aus? Wenn man in der Google-Bildersuche „photography last supper“ eingibt, bekommt man unzählige Versionen vom Letzten Abendmahl, die aber oft komplett anders sind.
      Wie ich schon sagte, es gibt da keine scharfe Abgrenzung.
      Ich z.B. gehe ganz gerne auf Foto-Walks, vor allem auf Instagram-Walks. Nicht, weil ich glaube da weltbewegende Bilder zu machen, sondern weil ich gerne zuschaue, wie andere Menschen an das Thema Fotografie rangehen. Man läuft mit mehreren Leuten die gleiche Strecke, und trotzdem kommen (nicht immer) sehr unterschiedliche Bilder am Ende raus.

      Zu 4.:
      Da sind wir einer Meinung. Aber da komme ich wieder auf meinen Absatz mit der Schule zurück. Ich bin ja in einem Fotoclub. Diese Clubs haben oft das Problem, dass der Altersdurchschnitt relativ hoch ist. Da sind wirklich intelligente Menschen, die ich für ihre Lebensleitung bewundere. Aber viele tun sich extrem schwer diesem von Schule, Arbeit, gesellschaftlichen Zwängen/Erwartungen und natürlich der Zeit aberzogenen Spieltrieb wieder zu finden.

      Zu 5.:
      Auch hier sind wir einer Meinung. Die Story mit der Waschmaschine hört sich nach Spaß an. Ich bin neugierig :-)

    • Marcus Leusch says:

      Ja, die Geschichte mit der Waschmaschine und der Pinzette ist gewiss filmreif und ein Beispiel für die Kreativität des Menschen im Alltag. Aber unter dieser Perspektive hätte der „Affe“ wahrscheinlich auch seine eigene Sicht vom Kölner Dom gefunden, wenn man ihn nur ließe … 


      ad. 1/2: Deine persönlichen Gedanken respektiere ich natürlich, aber das macht die Wikipedia-Definition wirklich nicht besser: Auch die Bastelarbeit in der Schule (und seien es nur Weihnachtssterne) sind ja kreative Äußerungen … Und ich habe noch nie einen selbst gebastelten Weihnachtsstern gesehen, der genau so aussah wie sein Nachfolger …

      

ad. 3: Nein: „Stilmittel“ sind nie bloße Werkzeuge. Es gibt keine Form ohne Inhalt (und umgekehrt!). Wenn dem nicht so wäre, dann versuche doch mal, einen vollständigen Satz zu formulieren, der kommunizierbar ist und der gegen dieses Kriterium verstößt! Insofern beziehe ich mich immer sowohl auf ein „Wie?“ und Dein „Was?“

      Beste Grüße
      Marcus

  3. Tilman says:

    Liebe Männerfressende Sofie :->,
    vielen Dank für Deinen Artikel den ich mit sehr viel Interesse gelesen. Den Abschnitt über die Schule finde ich nicht so gut. Es ist zu einfach, die Schule als Sündenbock hinzustellen. Wie Du auch schreibst, es ist ein gesellschaftliches Problem. Es sind bereits die Eltern, die Art, wie sie Ihre Kinder erziehen, wie sie Einfluss auf die Schule nehmen, wie sie ihre Kinder unterstützen, was sie den Kindern bieten (die Schule beginnt ja erst mit 6 Jahren…, und es gibt auch tolle Lehrer…, und Ferien, Wochenenden…)
    Ich glaube weiterhin, dass vor allem „Künstler“ ein Problem mit Kreativität haben. Es ist Erwartungshaltung, die an sie gestellt wird. Als Privatperson, die einfach nur Lust an künstlerischen Tätigkeiten hat, ist mir eigentlich immer mehr egal ob ich kreativ bin oder nicht. Inzwischen selbst (und da komme ich auf „was dem Lehrer gefällt“ zurück), was andere darüber denken.
    MfG, Tilman

    Antworten
    • Tilman says:

      Ok… es war nicht die Mânnerfressende Sofie, sondern der Darius, der so ein etwas seltsames Verständnis von Frauen hat :->
      Entschuldige, Darius !!!

    • Darius Kupczak
      Darius Kupczak says:

      Ja, ich war das :-)
      Wie ich bereits im Artikel geschrieben habe, wäre dieses überspitze Bild etwas wenig um so etwas Komplexes, wie ein Verständnis von irgendetwas wiederzugeben. Es war lediglich eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema und einem der vielen Frauenbilder von heute.
      Amüsant finde ich, dass Männer oft ein gewisses Unbehagen beim Anblick des Bildes äußern. Es ist nur ein Bild und entspricht nicht der Realität. Trotzdem scheint es etwas auszulösen.
      Aber darum geht es hier eigentlich nicht.

      Was Schule anbelangt, da hat sicher jeder so seine Erfahrungen gemacht, die unterschiedlich sind. Oft ist es aber so, dass Kinder, bevor sie zur Schule gehen, sich weitgehend frei entwickeln können. So war das zumindest bei mir. Kommt man in die Schule, ist das nicht selten ein kleiner Schock. Zuerst freut sich jeder, wenn man als Kind lernt zu sprechen und zu gehen, dann kommt das Kind in die Schule und muss still sein und lange still sitzen. Und Schule findet in der prägendsten Lebensphase statt.
      Wenn ich vor der Schule z.B. eine Landschaft mit einer lila Sonne gemalt habe, dann war das ok, wenn es mir gefallen hat und ich es so wollte. In der Schule war das anders. Wie ich bereits in meinem Artikel zu Foto-Wettbewerben ausführlich beschrieben habe, halte ich eine objektive Quantifizierung von kreativen Arbeiten für schwierig bis unmöglich. Eine lila Sonne kann manchen Leuten gefallen, anderen eben nicht. Je nach dem zu welcher Gruppe der Kunstlehrer gehört, bekomme ich die entsprechende Note. Am Ende des Schuljahres und vor allem am Ende der Schulzeit zählen nun mal allein die Noten, wenn man im Leben weiter kommen will.
      Dieses Bild bringt es ganz gut auf den Punkt, auch wenn es dort um Intelligenz geht. Das kann man genau so auf Kreativität übertragen: https://s-media-cache-ak0.pinimg.com/736x/2b/1c/53/2b1c53ea0bd3c358c9dc33f392c569fc.jpg

      Ich habe auch nicht geschrieben, dass man kreativ sein muss. Das ist jedem frei gestellt. Ich habe darauf hingewiesen, dass vieles von dem, was wir als kreativ ansehen, es per Definition nicht ist. Wenn Du bei denen privaten künstlerischen Tätigkeiten einfach nur reproduzierst, ist das dein gutes Recht. Es ist dann per Definition nur nicht unbedingt kreativ. Und wenn dir egal ist, ob deine Tätigkeit kreativ ist, ist es doch gut. Wie gesagt, alles kann, nichts muss. In der Kunst gibt es kein Richtig und Falsch. Daher ist sie ja so schwer objektiv zu bewerten.

      Ich sehe aber auch nicht, dass es ein reines „Künstler-Problem ist“. Kreativität ist überall dort gefordert, wo man vor einem noch nicht gelösten neuen Problem steht und die Lösung sucht. Darunter fallen z.B. auch viele technische Berufe. Im Prinzip gilt das für alle Lebensbereiche, also auch privat.
      Kreativität ist ein riesiger evolutionärer Vorteil. Hätte der Mensch diese Fähigkeit nicht, würden wir immer noch in Höhlen leben.

    • Tilman says:

      Hallo Darius,

      danke für Deine Antwort.

      Das mit dem seltsamen Verhältnis war eigentlich nur lustig gedacht, kein Unbehagen bei mir :-)

      „zählen nun mal allein die Noten“ Ich glaube wie Du, dass eigentlich jeder Mensch von Geburt aus kreativ ist. Aber man nimmt die Schule zu wichtig, wenn man denkt, dass diese Kreativität dort unterdrückt werden könnte. Und es stimmt letztlich auch nicht. Viele Lehrer haben auch Ideale, und es geht ihnen nicht nur um vorgeschriebene Lehrinhalte und Noten. Scheinbar hast Du ja auch diese Erfahrung gemacht.

      Ich reproduziere auch nicht nur :-), sondern habe die Freiheit zu tun, was mir gefällt. Und mich einen Dreck drum zu scheren, ob das nun kreativ ist oder nicht. Da haben es, und das war mein Anliegen, Künstler sicher schwieriger, weil sie einer Erwartungshaltung ihres Publikums entsprechen müssen (?)…, um etwas zu kreieren, was sich aus der breiten Masse abhebt.

      Mfg, Tilman

    • Darius Kupczak
      Darius Kupczak says:

      Man kann Schule bzw. Noten natürlich nicht wichtig nehmen. Doch diejenigen, die später entscheiden, ob man einen Studienplatz oder einen Job bekommt, machen es.
      Ich kenne dich nicht persönlich, ich weiß nicht, ob Du reproduziert oder was Du überhaupt machst. Das ist aber auch irrelevant (für die Sache hier). Es ist auch ok, wenn Du dir keinen Kopf darum machst, ob Du kreativ bist. Es ist halt nur so, dass viele von sich behaupten, sie wären kreativ, obwohl sie sich mit fremden Federn schmücken.

      Ich weiß, was Du mit der „Erwartung des Publikums“ meinst. Doch genau das gleiche „Problem“ haben z.B. Ingenieure auch. Aber das „Problem“ ist ja vor Antritt des Berufes bekannt. Ich habe mich genau deswegen für die Softwareentwicklung entschieden, weil man ständig dazu lernen und experimentieren MUSS und weil man fast nie das Gleiche macht. Es ist zwar oft anstrengend, aber nicht so langweilig, wie am Fließband zu arbeiten.

    • Sofie Dittmann
      Sofie Dittmann says:

      Ja, bei DARIUS entschuldigt er sich – was ist mit MIR?? :-( OK, fine, be like that. LOL

      Was ich allerdings beizusteuern hätte, sind ein paar lose Gedanken. Erstens einmal, daß ich nach dem Abitur jahrelang nichts mehr lesen wollte – das hatte man mir ausgetrieben – und zweitens, daß bei jeder kreativer Tätigkeit irgendwann mal mentale Blockaden kommen. Das ist beim Schreiben so, beim Malen etc. Das einzige, was dann hilft, ist, einfach eine Weile etwas ganz anderes zu machen.

    • Tilman says:

      Entschuldige, liebe Sofie! Und ich versichere Dir, es war nicht einmal eine Freudsche Fehlleistung… LOL… hoffentlich.

    • Tilman says:

      Der wahre Grund wird sein, dass Darius nicht sonderlich kreativ mit seinem Avatar war. Hat er Dich kopiert, Sofie? Oder umgekehrt? Oder beide? Lassen wir das… bevor ich hier ausgeschlossen werde :-)

    • Darius Kupczak
      Darius Kupczak says:

      Mein Ava ist eine Version meines FB-Avas (hier wurde aber Farbe verlangt, und ich hatte nix anderes auf die Schnelle). Mein FB-Ava ist aber auch nachgemacht von diesem Bild: https://www.fujifilm.eu/de/produkte/digitalkameras/premium-kompaktkameras/model/x100s/merkmale-7002?tx_rbproducts_products%5BpageUid%5D=8348&cHash=c51b49e8ebedf2385924e57e9d73ccae
      Und das wiederum ist nachgemacht von…usw. :-)

      Ja, mit meinem Ava war ich nicht sonderlich kreativ, habe dies aber auch nicht behauptet.
      Ich halte mich eh nicht für einen besonders kreativen Menschen. Eher Durchschnitt. Trotzdem kann ich mir Gedanken darüber machen. Ich muss ja auch kein Konditor sein, um zu beurteilen, ob mir ein Kuchen schmeckt.

    • Sofie Dittmann
      Sofie Dittmann says:

      @Tilman KLAR, war es der Avatar. hahaha Das angehängte ist mein aktuelles auf FB.

      Und hast Du noch nie den Witz gehört: Beim ersten Treffen des Fotoclubs bittet der Vorsitzende alle, sich doch einander mit vorgehaltener Kamera vorzustellen, damit die Leute aussehen, wie ihre Online-Profilfotos.

      self2013_342

  4. Chilled Cat
    Chilled Cat says:

    Ist jemand kreativ, der von Hand aus Ton eine Vase formt? Und beim Herstellen einer zweiten Vase?

    Ich weiß nicht, warum in der Fotografie der Begriff Kreativität so oft damit verbunden wird, dass etwas noch nie in ähnlicher Form dagewesen ist.

    Antworten
    • Darius Kupczak
      Darius Kupczak says:

      Das hat nichts mit Fotografie oder Töpferei zu tun. Das ist nun mal die Definition von Kreativität.

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