Handyfotografie:
Das Gelb im Sonnenschein

Die Kameras in unseren Smartphones sind inzwischen ganz schön leistungsfähig. Da ist es erfrischend, Leute zu finden, die mehr tun als Selfies aufzunehmen.

Sonnengelb

Felix Merres aus Helmstedt hat uns dieses Bild ohne Begleittext eingereicht. Man kann sagen, der Titel sagt alles.

Diese Aufnahme ist mit einem Samsung G900F (Affiliate-Link) aufgenommen worden. Entsprechend exotisch sind die Exifdaten:1/178s bei Blende 2.2 4.8mm Brennweite und ISO 40. Die Farbfotografie zeigt die Ähren von Gräsern im Sonnenauf- oder Untergang in halbdirektem Gegenlicht. In der oberen linken Hälfte des Bildes ist die Sonne zu sehen, im Zentrum stehen einige der goldenen Grasähren im Fokus, vorne rechts ragt eine direkt in den vordergründigen Unschärfebereich.

Eine nicht ganz alltägliche Fotografie, noch dazu wenn man weiss, dass sie aus einem Handy stammt. Wir fotografieren heute alles: Vom Essen auf dem Teller bis zu Bildern verschiedener Urinale legen die modernen Bilderjäger mit ihren Smartphone-Kameras Foto-Sammlungen nicht nur an, sondern teilen sie auch zugleich via Instagram und anderen Portalen mit dem Rest der Welt. Wenig davon ist originell, vieles rein dokumentarisch oder einfach dem Beweis-Zwang geschuldet – und fotografisch in irgend einer Weise inspiriert ist (noch) nicht viel.

Die fokussiert.com-Bildkritik ist die Besprechung einer von Leserseite eingesandten Fotografie. Sie zeigt Tipps und Tricks zu Technik, Komposition und Nachbearbeitung. Sie wollen dabei sein? Reichen Sie Ihre Fotografie ein. Oder buchen Sie eine private Kritik.

Dir ist hier eine Aufnahme gelungen, die mit der Reduktion punktet: Weder Sensation noch Beweispflicht, sondern einfach nur Farbe und Licht in der Natur, ansprechend und nicht ganz einfach komponiert (jedenfalls für ein Smartphone) und durch die extreme Nähe zum Motiv mit einem Schärfentiefeneffekt ausgezeichnet, den man bei Handyfotos oder schon Kompaktkamera-Bildern kaum findet.

Handyfoto mit Vektoren-Anzeige

Dynamik durch Vektoren.

Vom technischen Standpunkt her mag es auch überraschen, dass die Kamera mit dieser extremen Lichtsituation klargekommen ist – und dass das, was daraus wurde, sich sehen lassen kann: Die ausgebrannte Sonne oben links verleiht der Fotografie mit dem ins Bildzentrum ragenden Strahl eine impressionistische Note, und die gestochen scharfen Ähren in der Bildmitte zeugen davon, dass die Aufnahme kein Unfall war. Sie geben der Aufnahme ausserdem etwas, was man mit den Augen streicheln kann: Das Bild hat Rhythmus und Tiefe, Spannung und Atmosphäre. Ich nehme dennoch an, dass es sich um einen Schnappschuss handelt, der Dir gefallen hat – sonst hättest Du uns mehr dazu gesagt.

Was ich immer wieder denke, damit aber noch niemanden zu einem Kommentar habe zu bewegen vermögen: Das moderne Format von 16:9 weckt zumindest in meiner Generation immer noch Kino-Gefühle, und die machen das Bild automatisch noch lebendiger.

Egal: Ich würde dafür plädieren, mehr solche Experimente mit den Smartphones zu wagen, näher an die Dinge ranzugehen, Gegenlicht und Wetter (mit den neuen Wasserfesten Handies sowieso) zu suchen und aus dem Umstand mehr zu machen, dass wir heute wirklich immer eine Kamera dabei haben. Dass das keine vergebliche Liebesmüh ist, beweisen nicht nur die Bilder zahlreicher Profis, die inzwischen mit dem Smartphone coole Dinge tun. Es gibt auch bereits ausreichend Literatur mit Tipps und Tricks und Workshops, die zeigen, dass das Thema ernst zu nehmen ist.

1 Antwort
  1. Sebastian says:

    Es ist auf jeden Fall Wahnsinn, was für Bilder mit den heutigen technischen Voraussetzungen der Smartphones geschossen werden können (wie man an dem Foto sieht). Und die Entwicklung ist ja noch lange nicht am Ende. Fand deinen angesprochenen Punkt sehr interessant, dass viele Handybilder eher dokumentarischer Natur sind. Da ist definitiv etwas dran, wobei das vermutlich eher mit dem Fotografen als dem Medium zusammenhängt. Wie auch immer, ich bin auch für mehr Experimente. Schöner Beitrag und super Fazit am Ende!

    Viele Grüße,
    Sebastian

    Antworten

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