Elefanten-Dusche:
Abschied mit Gewinn

Als Tierfotograf kann man sich den idealen Zeitpunkt für eine Aufnahme nicht immer/wirklich aussuchen. Aber man kann mit Nachbearbeitung und Bildschnitt mehr herausholen.

Fotografie von Elefanten am Wasserloch

Elefanten am Wasserloch © Stefan Walter

Stefan Walter aus Krefeld:

Wir warteten Stunden an einem Wasserloch im Yala NP im Süden von Sri Lanka auf durstige Leoparden. Dann kam (leider nicht mehr im goldenen Morgenlicht) eine Herde Elefanten mit Jungtieren, um sich abzukühlen. Aus einer Bildreihe von 10 Serienbildern passte hier genau die Form der Wasserfontäne mit dem Wasserstrahl überein. Für mich macht diese Symmetrie ein „normales“ Elefantenfoto zu einem Hingucker. Den Leoparden haben wir übrigens kurz vor Sonnenuntergang doch noch in einem Gebüsch gesehen.

In dieser offensichtlich um die Mittagszeit entstandenen Farbfotografie steht eine Gruppe Elefanten in einem Wasserloch. In der Komposition steht ein Tier im Bildzentrum und spritzt mit dem Rüssel eine schlammige Wasserspirale über den eigenen Kopf; die andern drei Tiere sind rechts davon, der Kamera zugewandt, darunter ein Jungtier, das zwischen den Beinen des Haupttiers steht. Ganz am rechten Rand ist noch die Stirnpartie und der Rüssel eines Tieres zu sehen.

Ein Hingucker ist diese Aufnahme sicherlich. Du hast lange gewartet, bis Du die Tiere vor der Linse hattest, und dann mit einer Bildserie versucht, trotz der fortgeschritten schlechten Lichtsituation das Maximum herauszuholen. Das ist das Schicksal, das Safarifotografen noch mehr als Profis trifft, die drei Monate Zeit haben für das eine Elefantenbild…

Was die Aufnahme angeht, ist Dir das angesichts der Situation nicht schlecht gelungen. Das mittlere, das Bild dominierende Tier spritzt Wasser, und mit 1250/s hast Du kurz genug belichtet, um die Fontäne einzufrieren. Ich kann allerdings nicht ganz nachvollziehen, weshalb Du in diesem knallharten Mittagslicht auch noch mit einer Empfindlichkeit von 400 ISO belichtet hast.

Dazu musstest Du auf das mittlere Tier fokussieren, und ich wage zu behaupten, Du hast das mit einem zentrierten Spot-Messpunkt gemacht und das Bild deswegen nicht neu komponiert. Denn was sofort auffällt, ist der tote Raum, der praktisch die gesamte linke Bildhälfte ausmacht. Zwar ist es wichtig, dass die Gruppe der Tiere dort etwas Platz hat, aber diese Ansicht der Wasserfläche trägt so absolut nichts zum Bild bei, und der Schlammboden im linken Vordergrund schlägt zusätzlich ein Leck in die Bildkomposition.

Vor allem bei Tier- und anderen Fotografien mit Motiven, auf die man keinen Einfluss nehmen kann, tendieren wir dazu, alles, was ansatzweise „gut“ gelungen ist, im Bild behalten zu wollen. Dadurch aber verliert hier die gesamte Komposition.

Du hast hier zwar mit widrigen Lichtverhältnissen leben müssen, aber Du musst bei diesem Bild nicht mit weiteren Faktoren leben, die es vielleicht zum Hingucker, aber noch nicht zur guten Fotografie machen.

Qualitäten und Mängel in der Elefantenfotografie

Qualitäten und Mängel in der Elefantenfotografie

Neben dem toten Raum links und dem Schlammboden im Vordergrund ist das jedenfalls der angeschnittene Elefantenkopf ganz rechts, den man einzig deswegen im Bild behalten könnte, weil der Rüssel des frontal stehenden Tiers von ihm abgedeckt wird und damit bei einem Bildbeschnitt ebenfalls „angeschnitten“ werden müsste.

Für mich wurde damit klar, dass dieser Kopf, so schon das Tier in die Kamera guckt, ebenfalls aus der Komposition herausfallen muss. Damit bleibt noch das Jungtier unter der spritzenden Tante oder Mutter – das macht aber weder eine besondere Geste, noch ist es wirklich gut sichtbar. ehrlich gesagt habe ich es im ersten Moment vollständig übersehen.

Damit bist Du am Punkt, an dem Du ein paar harte Entscheidung treffen musst: Willst Du den Schnappschuss mit der ganzen Elefantentruppe als Erinnerung behalten und die Unzulänglichkeiten in Kauf nehmen – oder versuchst Du, die Fontäne zu einem Bild zu machen, das man sich an der Wand oder in einem Buch vorstellen könnte?

Elefanten-Fotografie mit isoliertem Haupttier

Elefanten-Fotografie mit isoliertem Haupttier

Im zweiten Fall hiesse das aus meiner Sicht: beherzt schneiden, und zwar links wie rechts. Wenn der Elefant zum alleinigen Motiv in der Aufnahme wird, stört die Zentrierung nicht mehr, aber der tote Raum und die leider angeschnittenen Familienangehörigen rechts fallen weg.

Ich habe in Lightroom ausserdem die Lichter etwas zurückgenommen, die Dynamik erhöht und eine leichte Vignette zugefügt.

Ich weiss, wie schwer es fällt, sich von Dingen in einer Aufnahme zu trennen, die doch eigentlich spannend sind. Häufig aber wird die Fotografie als Ganzes deutlich besser, wenn Motivteile, auch wenn sie inhaltlich interessant sind, aufgrund der Beeinträchtigung der Komposition wegfallen. Das beschreibt übrigens Gary Hart hier ganz gut. 

 

2 Antworten
  1. Stefan Walter says:

    Hallo Peter, danke für deine Bildkritik. Mit dem Beschnitt hast du eine ganz neue Bildwirkung geschaffen. Wirkt toll und macht die Symmetrie aus Fontäne und Rüssel viel deutlicher.
    Gruß Stefan

    Antworten
  2. Patricia says:

    Gefällt mir gut was aus dem Bild geworden ist und man kann ja immer das Original behalten, da tut es nicht weh bei einer Kopie radikal zu schneiden. Ich habe viel über Bildgestaltung gelernt indem ich meine Fotos zurecht geschnipselt habe.
    LG Patricia

    Antworten

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