Andere Foto-Perspektive:
Zwei Schritte nach rechts,
einer nach hinten

Manche Motive muss man einfach fotografieren, wenn man vor Ort ist. Dabei kann die digitale Grossbildjagd ihre Eintönigkeit verlieren, wenn man einen Perspektivwechsel anstrebt. Nach dem obligaten Blattschuss werden dabei viele andere Optionen ausprobiert.

Hamburg Speicherstadt von der Poggenmühlenbrücke aus © PS

Hamburg Speicherstadt von der Poggenmühlenbrücke aus, neuer Blick © PS

Ich war (mit Kamera und allem) in Hamburg, und das Wetter war grossartig. Was sage ich: Hamburg (Affiliate-Link) war grossartig. Tolle Stadt, Motive überall, und mit dem Hotel in Hafen City war klar, dass ich das Foto auch machen würde.

Welches? Also, kommt schon.

Fotosammlung Speicherstadt

Das halt:

Hamburg Speicherstadt. © PS

Hamburg Speicherstadt. © PS

Manche Motive sind halt nun mal Trophäen.

Allerdings war ich nicht allein auf der Poggenmühlenbrücke: Erstens war Bettina dabei, die mit dem iPhone fleissig Texturen auf Leitplanken, an Hauswänden und sonstwo ablichtete (das ist so eine Eigenart: Sie sammelt Farben, Oberflächen und dergleichen für ihre Malerei. Ich muss das immer erklären, wenn Passanten sie dabei beobachten, wie sie sich über irgendein Stück vermodertes Holz beugt und gleichzeitig ins Handy linst).

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Und ausserdem waren da schon zwei andere Kollegen mit Rucksack und Stativ, und einer fragte uns sofort, ob wir wüssten, wann den die Beleuchtung der Speicherstadt angeschaltet würde – was wir nicht wussten. Jedenfalls begann ich, während wir uns zu viert auf das Einschalten der Beleuchtung freuten und ein Touristenpärchen mit Fotoapparat, ein weiterer Amateur mit Spiegelreflex (und später sogar noch ein Schweizer) und eine Neugierige junge Frau sich zu uns gesellten, nach anderen Anblicken des Motivs umzuschauen. Dass die Brücken in der Speicherstadt alle mit ihren stählernen Rundbogen eigentlich einen reizvollen Kontrast zu den vielen Geraden der Architektur ausmachen, war mir weiter östlich schon aufgefallen, wo ich die Elbphilharmonie zusammen mit einer Zeile Speichergebäude und einem der Brückenbogen fotografiert hatte.

Aber hier oben, wo alle die Brücke nur als Standplatz nutzen, müsste sich doch was ähnliches machen lassen. Bei solchen Ideen kommt einem leider an viel frequentierten Motivorten meistens genau dieser Umstand in die Quere: Die andern Fotografinnen und Fotografen, die einem entweder im Bild stehen, oder deren Komposition man stört, wenn man sich nach einer anderen Perspektive vor ihnen umschaut.

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Von meinen Versuchen, eine andere Komposition hinzukriegen, erwies sich deswegen derjenige mit dem geringsten Aufwand als der beste – buchstäblich drei Schritte unterschied: zwei nach rechts, einer nach hinten. Ich nahm ein Stück der Brücke in den unscharfen Vordergrund. Was mir bei dieser Perspektive (oberstes Bild) besonders gefällt ist der Teil rechts im Bild, wo durch eine Aussparung in der Brücke eine Fensterreihe ausserhalb der Beleuchtung der Speichergebäude zu sehen ist.  Ebenfalls bemerkenswert ist übrigens, dass rund 50% des Bildes von unscharfem Vordergrundobjekt eingenommen werden: Beim Blick durch den Sucher braucht das viel Mut, beim Blick am Bildschirm später erscheint es genau richtig.

OK, ich bin sicher: Auch diese Versionen mit dem Blick durch die Brückenbögen kennt man schon, respektive hat schon irgendjemand da aufgenommen. Ideen haben da ja alle. Aber egal: Mit einem Vordergrund wird das Bild meiner Ansicht nach erstens spannender, und  zweitens ist es wenigstens der Versuch einer Individualisierung: Viel Spielraum hat man nicht bei Objekten, die so vor einem liegen wie die Speicherstadt.

Ein ganz normaler Montag auf der Poggenmühlenbrücke in der Hamburger Speicherstadt. ©PS

Ein ganz normaler Montag auf der Poggenmühlenbrücke in der Hamburger Speicherstadt. ©PS

Ausser, man dreht sich mal um und richtet das Objektiv auf die, die da um einen herum fotografieren. Die sind bisweilen als Motiv auch ganz reizvoll. Inzwischen habe ich schon eine kleine Kollektion von Fotografenbildern – muss mal ein eigenes Projekt daraus machen.  Versprochen.

12 Antworten
  1. Winterlicht says:

    Hallo Peter,

    ich finde es sehr kreativ mal genau das Gegenteil davon zu tun, was man sonst tut. Dein Bild hat eine Weile gebraucht bei mir. Zuerst dachte ich mmmhhh, weil das Gerüst doch arg dominant ist. Ich verstehe, dass Du da Mut beim Auslösen brauchtest ;). Aber das Bild gewinnt an Ansehen, je länger man sich damit beschäftigt. Es gewinnt, weil es mal anders ist. Ich habe rechts den Teil des Geländers, wo das Gebäude durchguckt, zugedeckt. Das ist besser. Das Foto wird ruhiger und das unscharfe Geländer erscheint wie ein Rahmen – so gefällt mir persönlich es besser.

    Hamburg, meine Perle … ;)

    Gruß, Annett

    Antworten
    • Winterlicht says:

      Hallo Peter,

      mmhh, ich wollte Dir eigentlich direkt antworten. Geht aber irgendwie nicht.

      Interessanter Schnitt. Ich meinte aber anders: rechts das Geländer nicht komplett wegschneiden, sondern nur den Teil, wo das Gebäude durchguckt.

      Gruß, Annett

  2. dierk says:

    „und siehste, schon haben wir ein erstklassiges Beispiel…“
    da fühle ich mich doch ermutigt, noch eins zu zeigen :-)

    Dieses ist aus Sony A7R mit Canon 17mm TS-E gestitcht aus 3 geschifteten Bildern. Der Himmel ist natürlich mit Nik Silver Efex „dramatisiert“.

    Ich habe dort schon in den 70er Jahren mit 9×12 Linhof Aufnahmen gemacht, ist also für mich ein Heimspiel.
    Hier sind weitere der Hafen City Hamburg:
    https://www.flickr.com/photos/dierktopp/albums/72157639707935773

    11955107994_3560010fb6_c[1]

    Antworten
    • Lehmann Paula says:

      Tolles Motiv mit gelungenem Blickwinkel!
      Natürlich ist es oft auch eine Sichtweise des Betrachters- ich finde den Bildverlauf sehr spannend!

  3. dierk says:

    Hallo (ich habe leider keinen Namen gefunden?),
    an dem Bild stört mich leider vieles :-(

    „neuer blick“ ist sicher immer ein guter Ansatz, aber hier ist es für mich zu viel des Guten.
    Das sehr unscharfe Brückendetail lenkt einfach zu sehr ab, zumal rechts noch wieder etwas von dem Gebäude zu sehen ist.
    Die Lichtstimmung ist weder blaue Stunde noch Nacht. Es gibt viele Bilder von dort, wie in deinem google search zu sehen ist, bei denen der Himmel dunkler oder ganz dunkel ist und dann wären vielleicht auch weniger Fotografen im Weg.

    Es ist hoffentlich im Sinne des Themas, wenn ich ein Bild anfüge. Es ist ein digitalisiertes Negativ 24x56mm aus der Russischen Horizon 202 Panorama Kamera, gemacht 1995 im November an „keinem Fotowetter“ :-)

    10074184284_b668d6578e_c[1]

    Antworten
    • Peter Sennhauser says:

      Hallo Dierk
      Mein Name steht oben überm Post? Klar, das Bild ist zu früh enstanden, und es soll auch nicht mehr sein als eine Anregung, mal was anderes zu probieren. Ich wusste, andere haben die Brücke auch schon drauf und besser – und siehste, schon haben wir ein erstklassiges Beispiel…

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  1. […] Herausforderung auf Exkursionen zu Touristischen Attraktionen oder Landschaftlichen Höhepunkten, das habe ich auf meinen Ausflügen zu den Hotspots der Landschaft im Westen der USA gelernt, sind […]

  2. […] die Wahl des Hintergrunds geschehen (Porträts vor grüner Gartenhecke). Dazu hättest Du etwa die Perspektive wechseln und beispielsweise drei Schritte nach links machen müssen. Oder Du hättest Dich mit dem […]

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