Fotografie krass:
Mein Crowdfunding-Erlebnis
mit Holga Digital

Crowdfunding-Kampagnen sind grundsätzlich ein super Weg, für ein Projekt, das eine normale Bank nie oder zu unmöglichen Konditionen finanziert hätte, Geld aufzutreiben. Allerdings hätte man als Unterstützer gerne auch etwas davon, wenn ein Produkt versprochen wurde.

Fehlgeschlagenes Crowdfunding-Erlebnis mit Holga Digital

Fehlgeschlagenes Crowdfunding-Erlebnis mit Holga Digital

Stand: 8.6.2016

Eigentlich sollte das hier ein Artikel über den Vergleich meines Holga-Aufsatzes für meine Canon (Affiliate-Link) und der vor kurzem neu aufgelegten digitalen Holga werden, zusammen mit einem von mir gemachten entsprechenden Titelfoto. Diese Spielzeugkamera (für Rollfilm noch erhältlich) wurde per Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter und Indiegogo letztes Jahr wieder ins Leben gerufen, und da ich ein grosser Fan von analogen und Hybrid-Techniken bin, war ich sofort Feuer und Flamme. Hörte sich ja auch gut an: Du spendest ihnen Geld und bekommst dafür im Gegenzug eine digitale Holga.

Ich hatte mir die Seite und so weiter angeschaut, alles sah soweit seriös aus, und so habe ich eine bestellt, in der Erwartung, sie in den nächsten paar Wochen wie versprochen zugestellt zu bekommen. In Crowdfunding-Speak ist das ein sogenannter „Perk“, denn nicht immer gibt es ein konkretes Produkt, das man durch seinen Beitrag erwirbt.

Das war im Februar 2016, und ich halt bescheuert. So muss man es zumindest sehen, denn bisher habe ich keine Kamera bekommen. Statt dessen kam vor einem Monat eine Ankündigung, die zweite Produktionsphase sei jetzt abgeschlossen, sie würden in der folgenden Woche Tracking-Nummern zur Verfügung stellen. Gibt man auf der entsprechenden Seite seine Emailadresse ein, bekommt man eine Nummer. Nur für meine kommt nichts, und das seit Monaten.

Emails an die Firma, die sich natürlich in Hong Kong befindet, werden grundsätzlich nicht beantwortet, und auch auf ihrer Facebook Seite kann man so viele Tiraden, wie man möchte, hinterlassen – es scheint ihnen egal zu sein. Als dann vor ein paar Tagen allerdings eine Nachricht in meiner Inbox landete, man solle doch für Vatertag eine Holga bestellen, bin ich ausgerastet. Zumindest wollte ich meinem Frust mal etwas Luft verschaffen. Auch auf diesen Ausbruch hin: Nullreaktion.

Wie dem auch sei, hier mein Fazit zu diesem Erlebnis:

  1. Kiss the money good-bye. Auch, wenn man eine Crowdfunding-Kampagne gut recherchiert, sollte man trotzdem nie spenden, wenn man tatsächlich erwartet, etwas dafür zurückzubekommen, trotzdem es explizit versprochen war. Man sitzt die Dinge zur Not auf der anderen Seite des Globus aus, in dem Bewusstsein, dass es keine wirklichen rechtlichen Schritte gibt, die die Spender ergreifen können, wenn etwas schief geht. Ich habe mich zwar bei Indiegogo beschwert, aber das wird auch nirgendwo hinführen.
  2. Lokal bleiben. Aus diesem Grund würde ich das nächste Mal lokal bleiben, also lieber jemanden mit einem Kleinbetrag in meiner unmittelbaren Umgebung unterstützen, anstatt mich von einer gut gemachten Webseite und Leuten blenden zu lassen, gegen die keine Handhabe besteht, wenn etwas schief läuft, und denen auch offenbar ihr Ruf online egal zu sein scheint.
  3. Lieber spät als früh. Frühnutzer zu sein, hört sich alles toll und aufregend an, und man möchte ja auch mal ganz vorne mitmischen. Zukünftig warte ich lieber, bis es das Zeug verbilligt auf eBay zu haben gibt.

Habt Ihr schon einmal per Crowdfunding ein Projekt unterstützt? Was waren Eure Erfahrungen?

8 Antworten
  1. Steffen says:

    Ich muss Anton mit seinen generellen Aussagen zustimmen. Ich selbst habe schon mehrere Sachen unterstützt die allerdings alle erfolgreich waren und ich auch am Schluss mein „Goodie“ bekommen habe. Generell gilt halt wie Anton schreibt man unterstützt ein Projekt und kauft kein Produkt. Ob das Projekt erfolgreich ist dafür gibt es keine Garantie. Dessen muss man sich bewusst sein.

    vG
    Steffen

    Antworten
    • Sofie Dittmann
      Sofie Dittmann says:

      Mag ja sein, aber dann sollen sie keinen Perk versprechen, wenn es keinen Perk gibt. Was mich hauptsächlich nervt, ist die mangelnde Kommunikation.

    • Steffen says:

      Ja das stimmt. Kommunikation wäre da natürlich schon wichtig. Da gibt es halt leider vorher auch keine Möglichkeit zu prüfen wie es halt läuft und ärgerlich ist es natürlich trotzdem. Da man ja finanziert um dann halt auch etwas dafür zu bekommen.

      vG
      Steffen

    • Sofie Dittmann
      Sofie Dittmann says:

      Das war, glaube ich, mein einzig wirkliches Problem. Ich bin kein besonders geduldiger Mensch, und wenn ich auch Meetings verabscheue, werde ich doch gerne auf dem laufenden gehalten.

  2. Anton says:

    Moin Sofie,

    ich kann dir von ganz anderen Erlebnissen erzählen die letztlich alle positiv enden.

    1. Man unterstützt meistens eine Idee nicht schon ein fertiges Produkt. Dh. Meist sammeln die Leute Geld um überhaupt mit den Finals anzufangen und dann geht es erst ins Produzieren.
    2. Oft wenn man eine Idee hat stößt man auf Problemen die man erst lösen muss um nicht ein völliges buggie Gerät auszuliefern.
    3. Crowdfunding ist kein Amazon wo man sich n iPhone bestellt und schwups ist es am nächsten Tag kommt ein Top Produkt geliefert ohne Fehler mit tollem Service. Nein wenn man beim Crowdfunding mitmacht unterstütz man Visionäre die eine tolle Idee haben, sie aber meist nicht alle realisieren können.
    4. Geduld muss man mitbringen. Oft kann man mit dem Produkt (siehe die oberen Produkte) erst n Jahr später mit rechnen.
    5. Risiko muss man nunmal eingehen wenn man eine Idee unterstützen möchte.

    Also wenn das Produkt nächstes Jahr im Februar nicht da ist veröffentliche den Artikel nochmal neu.
    Ich selbst war sehr interessiert an der Helga. Habs letztlich nicht unterstützt da ich schlicht weg nicht jedes Projekt unterstützen kann.

    Antworten
    • Sofie Dittmann
      Sofie Dittmann says:

      Du bist da ein netterer und geduldigerer Mensch als ich. Meiner Meinung nach, wenn man bei den großen Jungs mitbolzen will, muß man mithalten können. Hätten sie einfach nur nach Unterstützern gesucht, Option Kaufgutschein oder sowas, wäre es ja eine Sache. Aber es so aussehen zu lassen, als gäbe es tatsächlich ein Produkt, das verkaufsfertig ist etc., das man dann aber nicht liefert, oder nicht liefern kann, ist eine andere. Das schafft nur Knatsch, und ich bin, was ich online gesehen habe, nicht die einzige, die sich darüber aufregt.

    • Anton says:

      Es sind ja gerade keine großen Jungs. Sondern sie sind wie du und ich.
      Ich kann mich aber dran erinnern das es bei Holga sogar davon die Rede war Ende 2016 geliefert werden soll.

      Selbst bei den großen Jungs wie zB pebble muss man mindestens n halbes Jahr warten.
      Du musst dir also keine Sorgen machen. Der Holga der kommt schon ;)

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  1. […] habe irgendwie mit Kamera-Startups in Hong Kong wohl kein Glück. Nach meinem Ausraster über die ewig nicht bekommene digitale Holga (sie kam mittlerweile an, Artikel folgt), habe ich vor kurzem zum geringeren Medienpreis eine TL-70 […]

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