7 Tipps zur Portfolio-Erstellung:
Fotografisches Werk richtig präsentieren

Für den professionell wirkenden Auftritt eines Fotografen ist nichts wirksamer als ein gedrucktes Portfolio. Hier sind die wichtigsten Grundsätze eines erfolgreichen Profis, die beim Erstellen der Präsentation zu beachten sind.

Ein Portfolio sollte in einem Format präsentieren. © theimageflow

Ein Portfolio sollte in einem Format präsentieren. © theimageflow

Periodische Portfolio-Besprechungen sind ein wesentlicher Teil im Erfolgsplan eines jeden Fotografen. Nicht zuletzt handelt es sich dabei um hervorragende Gelegenheiten, Deine Arbeit buchstäblich unter die Nase der richtigen Leute zu bringen. Aber bevor Du Deine Arbeit zu einer Besprechung des fotografischen Portfolios bei einem Profi einreichst, solltest Du es in die bestmögliche Form bringen.

Um erfolgreich zu sein, muss ein Künstler eine Vision haben, die technischen Anforderungen seines Mediums meistern und ein grundsätzliches Verständnis des Kunstgeschäfts haben.

Wenn Du Dein fotografisches Portfolio präsentierst, wird nicht nur Deine Arbeit beurteilt, sondern der Künstler oder die Künstlerin selber. Der Reviewer fasst zwei Punkte ins Auge: Hinterlässt die Fotografin oder der Künstler einen seriösen Eindruck? Hat er oder sie die mentale Kraft, die es in der Kunstwelt braucht?

Dein Portfolio sollte den Betrachter also in zwei Arten beeindrucken: Mit Deiner Vision und dem Ausdruck dessen, wie gut Du die Anforderungen des Kunstwesens verstehst. Mit Deinem Portfolio solltest Du hochwertiges Künstlermaterial präsentieren.

1. Die Präsentation macht 80 Prozent des Erfolgs

Egal, was Du gehört oder gelesen hast: Deine Arbeit spricht nicht für sich selbst, die Präsentation macht 80 Prozent ihrer Bewertung aus. Eine starke Präsentation in einer schönen Portfolio-Box, einer Mappe oder einem Album ist der Schlüssel. Wann immer ein Freund, ein Kurator oder ein Galerist Dein Portfolio begutachtet, wird die Erinnerung an Deine Fotografien nur ein Teil dessen sein, was Du zurücklässt. So, wie die Verpackung einen immer grösseren Anteil am Produktmarketing hat, bist Du ein integraler Bestandteil der Präsentation.

Wenn Du von einer Galerie vertreten werden oder als kommerzieller Fotograf arbeiten willst, ist ein professionelles Portfolio absolut unumgänglich.

Deine Arbeit sollte in einem passenden Portfolio- oder Archivkarton gezeigt werden. Wenn Du deine Arbeit in einer Galerie zeigst, nutzt Du dafür am besten eine Portfolio-Box für Fine-Art-Fotografien oder ein Album für den speziellen Zweck. Was gar nicht geht, sind Plastikfolien-Einbände – Reflexionen sind ein Killer.

2. Niemals unfertige Arbeiten zeigen

Dein Portfolio sollte nur die absolut besten Arbeiten enthalten. – Niemals etwas zeigen, das noch im Entstehen begriffen ist.

Wenn die fertige Arbeit in Passepartout-Rahmen gezeigt werden soll, stelle sicher, dass die Fenster im Passepartout sauber geschnitten sind. Wenn Du Probleme damit hast, die Rahmen selber zu schneiden, lass es von einem Profi machen.

3. Das Werk organisieren

Ein gutes Portfolio zeigt Konstanz in der Entwicklung des Werks und liefert dem Betrachter einen eindeutigen Eindruck Deiner Vision – deshalb solltest Du das Portfolio sorgfältig planen. Deine Arbeit sollte nach Motiven oder fotografischem Stil geordnet sein, und die Sequenz Deiner Fotografien ist extrem wichtig.

Quer- und Hochformatige Bilder können schwierig kombinierbar sein, mein Vorschlag deswegen ist es, sich auf ein Format für die Präsentation festzulegen und alles im gleichen Format zu drucken. Das macht es viel einfacher, die Fotografien durchzusehen. Wenn Du verschiedene Formate und Grössen kombinieren musst, sollten sie separat gruppiert und organisiert werden. Farb- und Schwarzweissfotografie kann dann kombiniert werden, wenn es in der Sequenz eines Themas sinnvoll ist.

Eine lose Sammlung erstklassiger Prints in Passepartouts in einer Archivbox ergibt ein ansehliches Portfolio. © theimageflow

Eine lose Sammlung erstklassiger Prints in Passepartouts in einer Archivbox ergibt ein ansehnliches Portfolio. © theimageflow

4. Hilfe für die Auswahl suchen

Weil es schwierig ist, mit den eigenen Fotografien objektiv umzugehen, bist Du wahrscheinlich nicht die beste Fachkompetenz bei der Beurteilung deiner Bilder. Lass Dein Portfolio von jemandem besprechen, den Du respektierst, bevor Du es einem Kunden oder Galeristen zeigst. Familienmitglieder sind eine schlechte Wahl, weil die oft genauso an Deinen Bildern hängen wie Du. Finde jemanden in Deinem Bekanntenkreis, Deinen Fotografie-Freunden oder einen kreativen Geist, der gar nichts mit Kunst am Hut hat. Ausserdem solltest Du nicht zu viele Meinungen einholen: Jede und jeder hat eine neue, und das trägt nur zu Deiner Verwirrung bei.

5. Limitiere die Zahl der Fotografien, die Du zeigst

Der Hauptzweck eines ersten Besuchs in einer Galerie ist der, deine Arbeit einem neuen Publikum vorzustellen. Du must nicht gleich die ganze Bandbreite Deiner Karriere zeigen. Wenn man eine neue Galerie-Vertretung sucht oder einem Kunden seine Arbeit zeigt, kann es mehrere Portfolio-Präsentationen brauchen, bevor es zum Abschluss kommt. Limitiere die Zahl der Fotografien, die Du jeweils zeigst, auf nicht mehr als zwanzig Bilder. Das ist genug, um die Essenz Deiner Arbeit zu zeigen, ohne den Betrachter zu überfordern oder zu riskieren, dass etwas minderwertiges in die Sammlung rutscht, das den Betrachter abschreckt.

Präsentiere eine oder vielleicht zwei thematisch einheitliche oder anders verknüpfbare Arbeiten. Zeig deine störkste Arbeit zuerst und vertraue darauf, dass der Anfangserfolg es ermöglichen wird, dass Du wiederkommen kannst.

6.Sei nicht zu empfindlich im Umgang mit den Bildern

Wenn Du einen neuen Reviewer gefunden hast, danke ihm oder Ihr für die Zeit, Deine Fotografien anzusehen. Stell Dich und Deine fotografische Vergangenheit kurz vor. Das Stichwort ist kurz: Du willst möglichst bald zur Präsentation Deiner aktuellen Arbeit schreiten. Wenn es soweit ist, gehe immer davon aus, dass die person, die Dein Buch ansieht, ein Profi ist.  Verlange nicht, dass die Betrachter Baumwoll-Handschuhe tragen oder mach sonst wie grosses Aufheben um die materielle Behandlung der Arbeit. Es soll dem Reviewer so einfach fallen wie möglich, damit er Dich wieder empfangen will.

7. Der Hauptzweck einer Portfolio-Besprechung ist die Besprechung

Bei einer ersten Begegnung solltest Du nicht gleich nach Repräsentation oder gar einer Ausstellung fragen. Es ist sehr davon auszugehen, dass die Person, die Deine Arbeit begutachtet, eine klare Vorstellung davon hat, was Du möchtest. Sie wird automatisch auf diese Möglichkeiten zu sprechen kommen, wenn Dein Portfolio gut angekommen ist. Der erste Zweck einer Präsentation des Portfolios liegt darin, jemanden mit Deiner Arbeit vertraut zu machen.

Hör aufmerksam zu und zögere nicht, auch Notizen zu machen, und reduziere Deine Fragen auf ein Minimum. Versuch herauszufinden, welche Fotografien dem Betrachter am besten gefallen. Du könntest sie bei einer späteren Präsentation nochmals mitbringen.

Wenn Du eine zeitlich begrenzte Präsentation vereinbart hast, plane sie so, dass Du immer kurz vor Ablauf der Zeit fertig wärst. Die ausgemachte Zeit zu überziehen schadet fast immer mehr als es nützt – ausser, der Reviewer selber initiiert sie.


Dieser Text ist zuerst im Blog von Stuart Schwartz auf Theimageflow erschienen. Übersetzung durch Peter Sennhauser mit freundlicher Genehmigung von Stuart Schwartz.

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