Das Sternenboot:
Lichtschreiben mit Phantasie

Lightwriting funktioniert mit Langzeit-Belichtungen in der Nacht. Und Sternspuren erzeugt man auch so ab. Warum also nicht beides kombinieren?

Lightwriting-Fotografie das Boot MIa

DAs Boot Mia. Canon EOS 5D Mark III 30s bei Blende 2.8 mit 24mm Brennweite und ISO 800

Florian Beyer aus Altdöbern schreibt: Das Foto ist eine Lightwritingaufnahme, kombiniert mit Sternenspuren. Die blauen Lichter deuten Wellen an, in denen das Boot Mia in See sticht. Hierbei handelt es sich um einen Aussichtspunkt am zukünftigen Cottbuser Ostsee. Zukünftig, weil hier bis vor kurzem noch ein Tagebau im Betrieb war. Die angedeuteten Wellen in Verbindung mit den Sternenspuren sollen bereits einen Blick auf die Zukunft der Landschaft geben.

Ich habe nachgefragt: Erstens konnte ich nicht glauben, dass die Lichtschreiberei (Affiliate-Link) in dieser Fotografie parallel zur Langzeitbelichtung der Sterne (Affiliate-Link) stattgefunden hat. Und zweitens habe ich nicht gewusst, wie man die nach hinten auslaufenden Sternspuren überhaupt erzielt. 

Denn als ich mit Nachtaufnahmen und Sternspuren angefangen habe, liessen wir noch die Kamera eine halbe Stunde mit offenem Verschluss in der stockdunklen Nacht stehen und hofften, dass weder der heisslaufende Sensor, noch ein Flugzeug am Himmel, noch ein Autoscheinwerfer aus der Ferne oder das Kontrolllicht der Canon auf dem Stativ einige Meter weiter vorne das Bild ruinieren würde.

Das war vor rund fünf Jahren. Heute werden Langzeit-Sternaufnahmen in Photoshop aus vielen wesentlich kürzeren Einzelaufnahmen zusammengesetzt: Das hat den Vorteil, dass der Sensor nicht warm wird, weil er zwischendurch ein paar Sekunden Kühlzeit bekommt, und dass man einzelne, von irgendeiner externen Lichtquelle überblendeten Aufnahmen auslassen kann.

Florian schreibt ausserdem, dass die Verjüngung der Sternschweife so zustandekommt: Man verbindet die Ebenen der einzelnen Aufnahmen in Photoshop über den Modus „Aufhellen“ und nimmt die Deckkraft der Ebenen kontinuierlich zurück, sodass die letzte Ebene nur noch mit 1% Deckkraft zum Bild beiträgt. Es gibt auch Programme, die genau diese Schritte vollautomatisch erledigen.

Anders gesagt: Wir sehen uns hier nicht eine Fotografie an, sondern 101 übereinander gelegte. Denn Florian hat für den Sternenhimmel 100 Aufnahmen à 30 Sekunden verwendet. Und die Lichtschreib-Vordergrundaufnahme mit den mit einemLeuchtstab gezeichneten Wellen hat nochmals eine Belichtungszeit von 30 Sekunden.

Das Bild selber ist ein Hingucker, auch wenn „Schiff Mia“ ein mässig attraktiver Vordergrund ist und man an den Wellen vielleicht in ein paar Durchgängen noch hätte arbeiten können – allerdings muss ich gestehen, dass ich keine Ahnung habe, wie schwierig es ist, solche Wellenbewegungen vor der Kamera im Dunkeln koordiniert zu machen…

Jedenfalls kann man wertneutral feststellen, dass allein die Idee, die beiden Techniken miteinander in einem Langzeitbelichtungsbild zu kombinieren, sehr reizvoll ist und Nachahmungen wert sind.

Die Sternspuren dürften für meinen Geschmack noch etwas länger sein – ich hab’s in den wenigen Versuchen mit meiner offenen Kamera auch nie über 40 Minuten gebracht. Der blaue Leuchtstab für die Wellen ist äusserst wirkungsvoll und, laut Florians Erklärungsmail, ein Stück aus einem Werkzeugkasten, der mit Erfahrung gefüllt ist.

3 Antworten
  1. Werner says:

    Lieber Florian Beyer,

    vielen Dank für diese extrem aufwendige Produktion und Komposition.

    Wenn Du das Schiff rausgerechnet hättest, wäre es für die künstlerische Verwendung sehr gut.

    Herzliche Grüße
    Werner Fassbender

    Antworten
  2. Paleica says:

    was sternspuren und sternenhimmel angeht muss ich noch viel üben. meine bilder werden irgendwie nie so, wie ich das gern möchte und ich weiß noch nicht genau, ob der fehler in der fotografie oder in der bearbeitung liegt.

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  3. Florian Beyer says:

    Hallo Peter,
    danke für den Kommentar zum Foto :)
    Bei dem Lightwriting ist es immer so eine Sache. Ich habe für die Aufnahme auch mehrere Anläufe gebraucht, um am Ende auf das gewünschte Resultat zu kommen. Da hilft oft nur Probieren.

    Viele Grüße
    Florian Beyer

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