Tutorial Panorama-Fotografie (1/4):
6 Regeln für die Aufnahme

Panorama des Annapurna, Himalaya

Panorama des Annapurna, Himalaya

Die digitale Fotografie hat neben vielen anderen Genres auch der Panorama-Fotografie Vorteile gebracht. Bei der Aufnahme der einzelnen Fotos allerdings gelten immer noch die gleichen Regeln, wie sie schon für Film-Panoramen anzuwenden waren.

Was versteht man unter „Panorama-Fotografie“? Am auffälligsten präsentiert sich ein Panoramabild durch seine extreme Breite, die einen deutlich weiteren Blickwinkel umfasst als ein „normales“ Einzelbild. Für diesen Blickwinkel gibt es keine Grenze, das Maximum ist die Rundumsicht von 360° in der Horizontalen. Dies ist auch in der Vertikalen möglich, ist aber dann auf einem flachen Medium wie einem Papierbild oder einem simplen Digitalbild am Computer nur sehr unvollkommen darstellbar.

Solche Panoramen entstehen aus ganz normalen einzelnen Fotografien, die im Prinzip mit jeder normalen Kamera gemacht werden können. Es ist lediglich notwendig, dass jedes Bild an das vorherige anschließt, indem es das jeweilige Vorgängerbild um ein Stück überlappt (da kann man einen Bereich von 20 bis über 30% wählen).

In der Zeit der analogen Fotografie hat man manchmal solche Panoramen – vorzugsweise mit Landschaftsmotiven – aus den Papiervergrößerungen der Einzelbilder angefertigt, indem die Berührungslinien zweier Bilder durch entsprechendes Beschneiden der einzelnen Abzüge hergestellt und die Bilder danach zusammengeklebt wurden. Auch die größte Geschicklichkeit dabei konnte aber nie beim Endergebnis vermeiden, dass man dem fertigen Panoramabild immer noch das Flickwerk aus vielen Einzelteilen sehr deutlich ansehen konnte.

Hinzu kamen deutliche Helligkeitsabfälle von der Mitte zu den Rändern (vor allem in Bereichen des Himmels), die auf dem Gesamtpanorama eine Art Gitter entstehen ließen. Auch war bei geschicktester Beschneidung manchmal nicht zu vermeiden, dass Details unmittelbar an den Nahtstellen einfach nicht ohne Bruch ineinander übergehen wollten. Im Ergebnis machte ein zusammengeschneidertes Panorama nur aus angemessener Entfernung einen halbwegs angenehmen Eindruck.

Diese Schwierigkeiten entstehen auch beim digitalen Zusammenfügen von Einzelbildern, können dort aber in bestimmten Grenzen wirkungsvoll korrigiert werden.

Regeln für die Aufnahme der Einzelbilder

Es soll aus einer Vielzahl von einzelnen Fotografien eine neues Bild entstehen, das den gesamten Blickwinkel vom äußersten linken bis zum äußersten rechten abbildet. Die Übergänge zwischen den ursprünglichen Fotografien sollen nicht mehr sichtbar sein, es sollen keine Brüche, Schatten etc. in Details auftreten und Farbton sowie Helligkeit sollen sich nicht abrupt zwischen den einzelnen Bildern ändern.

Deshalb muss bei der Aufnahme folgendes beachtet werden:

  1. Gleiche Belichtung aller Aufnahmen: Blende, Belichtungszeit und Empfindlichkeit (ISO) müssen übereinstimmen. Am besten ermittelt man zuerst die passenden Werte und stellt sie im manuellen Modus („M“) an der Kamera ein.
  2. Die gleiche Farbtemperatur ist ebenso für alle einzelnen Aufnahmen nötig. Es wäre zwar möglich, einen für die Situation passenden Weißabgleich zu erzeugen und einzustellen, macht aber viel Mühe. In diesem Fall empfiehlt es sich, den Aufnahme-Modus „RAW“ und den automatischen Weißabgleich zu wählen, weil dann problemlos später am PC eine für das Motiv passende Farbtemperatur für alle Bilder eingestellt werden kann.
  3. Falls ein Zoom-Objektiv verwendet wird, muss die einmal gewählte Brennweite unbedingt für alle Bilder beibehalten werden, ansonsten gibt es schwere Fehler bei den Übergängen zwischen den Bildern verschiedener Brennweite.
  4. Falls keine Festbrennweite verwendet wird: Der Focus sollte auch nicht zwischen den einzelnen Bildern wechseln. Er sollte vorher, z.B. mit dem Autofocus an irgendeinem passenden Punkt des Motivs eingestellt und dann das Objektiv – wenn möglich – in den manuellen Zoom-Modus geschaltet werden. Dann wird bei sämtlichen folgenden Aufnahmen nicht mehr neu fokussiert.
  5. Die einzelnen Aufnahmen müssen sich alle an den Rändern um einen ausreichenden Bildanteil überlappen. Es würde keinesfalls funktionieren, die Aufnahmen exakt an den Rändern aneinander anzuschließen, denn daraus kann keine Panorama- Software ein Gesamtbild erstellen. Es ist nicht nötig, einen genauen Prozentsatz der Überlappung einzuhalten, vielmehr ist in der Regel das Augenmaß völlig ausreichend, wenn man sich an einen Zielwert zwischen einem Viertel und maximal einem Drittel hält.
  6. Wenn man einen großen Blickwinkel in der Vertikalen abbilden will, hat man grundsätzlich zwei Möglichkeiten:
    – Verwendung eines starken Weitwinkelobjektivs, um den gewünschten Bereich mit einer einzigen Reihe von Aufnahmen „draufzukriegen“
    – Aufnahme von zwei oder sogar mehr Bilderreihen, die sich dann selbstverständlich auch in der Vertikalen überlappen müssen
    Bei der ersten Variante erspart man sich zwar viel Arbeit, bekommt aber ggf. ein Problem bei der Panoramaerstellung am Computer: je kürzer die Brennweite eines WW-Objektivs ist, umso stärker ist das Bild zum Rande hin verzerrt. Um solche Bilder im Überlappungsbereich zur Deckung zu bringen, müssen die Stitch-Programme die Verzerrung wieder ausgleichen und das Bild manchmal sehr stark verändern. Das gelingt nicht immer perfekt, so dass das Ergebnis nicht in jedem Fall fehlerfrei ist; zumindest ist mit einem wahrnehmbaren Verlust von Schärfe in den stark entzerrten Bereichen zu rechnen.

Für das Stitchen von Einzelbildern zu Panoramen kann man sich an die Regel halten, dass möglichst wenig Verzerrung in den Einzelbildern sein sollte. Dafür ist dann die Aufnahme von mehreren Bildreihen mit etwas größerer Brennweite die bessere Lösung.

Im nächsten Teil dieses Tutorials befassen wir uns mit der eigentlichen Aufnahme der Teilfotografien.

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  1. […] im ersten Beitrag dieses Panorama-Fotografie-Tutorials erwähnten Regeln zur Einstellung der Kamera gewährleisten eine durchgängig gleiche Belichtung […]

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