Tutorial Panorama-Fotografie (2/4):
Eine Frage der Wasserwaage

Zum Fotografieren hochauflösender Panoramen ist mehr als eine ruhige Hand gefragt: Die einzelnen Aufnahmen müssen den gleichen horizontalen Ausschnitt und den gleichen NEigungswinkel aufweisen. Unterwegs ist ein Stativ deshalb sehr von Vorteil.

Panorama, dass während eines Ballonfluges über Kitzbühel und dem Wilden Kaiser aufgenommen wurde, Brennweite 26 mm. © Dietrich Kunze

Panorama, dass während eines Ballonfluges über Kitzbühel und dem Wilden Kaiser aufgenommen wurde, Brennweite 26 mm. © Dietrich Kunze

Die im ersten Beitrag dieses Panorama-Fotografie-Tutorials erwähnten Regeln zur Einstellung der Kamera gewährleisten eine durchgängig gleiche Belichtung und Schärfe sowie einen sauberen Anschluss der Aufnahmen.

Eine weitere Anforderung kommt noch hinzu und ist unter Umständen – zumindest am Anfang – die schwierigste: Jede Aufnahme sollte nach Möglichkeit in absolut der gleichen Höhe wie die vorhergehende Fotografie gemacht werden und außerdem mit einer durchgängig identischen Ausrichtung der Kamera in der Horizontalen und der Vertikalen.

Jede Abweichung in der Höhe (man könnte auch sagen: im Neigungswinkel der Kamera) zwischen den Fotografien führt am Ende zur Treppenbildung innerhalb des gesamten Panoramas. Damit dann wieder ein sauberes Rechteck entsteht, muss oben und unten beschnitten werden – dabei können wertvolle Bildanteile verlorengehen.

Sind einzelne Bilder nicht korrekt senkrecht oder waagrecht ausgerichtet, kann das resultierende Panorama alle möglichen Formen vom Zickzack über den Bogen bis zur Schlangenlinie annehmen. Auch hier ist dann das nach Zuschnitt verbleibende Panorama nur noch ein verstümmelter Rest.

Diese Fehlerquellen können nur mit viel Übung reduziert werden, wenn man unbedingt freihändig fotografieren will. Eine perfekte Reihe von Bildern mit einem identischen Neigungswinkel nach oben oder unten wird man so praktisch nie erreichen, ebenso werden immer wieder mal kleinere Abweichungen in der Vertikale oder Horizontale passieren. Mit viel Übung lassen sich diese Fehler auf ein beherrschbares Maß eingrenzen und mit entsprechender Erfahrung in der Bildbearbeitung später ausgleichen. Man ist aber nie vor der Situation gefeit, dass irgendwann sich doch massivere Fehler einschleichen und vielleicht sogar die Aufnahmen eines sehr attraktiven oder gar spektakulären Panoramas unbrauchbar machen.

Der "Tonneneffekt" dreier zusammengefügter Aufnahmen mit Brennweite 16mm © Dietrich Kunze

Der „Tonneneffekt“ dreier zusammengefügter Aufnahmen mit Brennweite 16mm © Dietrich Kunze

Verlässlich kann man eine Kamera nur mit einem Stativ so ausrichten, dass alle einzelnen Aufnahmen korrekt mit dem gleichen Neigungswinkel und genauer Horizontale/Vertikale aufgenommen werden. Die an Stativen häufig benutzten Kugelköpfe (Affiliate-Link) sind allerdings für die Panoramafotografie ungeeignet, da sie keine waagrechte Ebene fixieren können, auf der die Kamera beliebig hin und her gedreht werden könnte. Dazu wäre ein Panoramakopf oder noch besser ein Nodalpunktadapter (wir im letzten Teil des Tutorials eingehend behandelt) notwendig.

Die Aufnahme der einzelnen Bilder sollte recht zügig vom ersten bis zum letzten Bild geschehen – egal ob freihändig oder vom Stativ aus. Wechselnde Licht- und Schattenverhältnisse erschweren später die Zusammenfügung der Bilder. Sind Personen in der Szenerie, so kann ein rasches Fotografieren die später auf den Bildern sichtbaren Positionsänderungen mit etwas Glück auf ein Minimum reduzieren.

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