Steine, Meer, Himmel:
Mehr braucht’s nicht

Eine Landschaftsfotografie, die man aufgrund der Stimmung lange ansehen möchte, ohne dass besonders aufregende Motive enthalten sind, hat sie ihre Aufgabe erfüllt.

Canon EOS 60D, 30s, f/5, 10mm bei ISO 200 © André Kayser

Canon EOS 60D, 30s, f/5, 10mm bei ISO 200 © André Kayser

André Kayser aus Dortmund schreibt zu diesem Bild: Entstanden in einem Urlaub 2014.

Die Uferpartie an einem See oder am Meer, gesäumt von grossen Kieselsteinen und Felsbrocken. Dahinter die im letzten Abendlicht nach Sonnenuntergang gleissende Wasserfläche, aus der ebenfalls noch einzelne Felsen ragen. Im oberen Drittel des Bildes der Horizont, der von links mit einer ins Bild laufenden Hügellinie ergänzt wird, und darüber, am von altrosa nach blau verlaufenden Himmel ein paar in der Bewegung verwischte Wolken.

Zuallererst denke ich bei diesem Bild: Das reicht. Mehr braucht eine Landschaft nicht. Sie hat Tiefe, Farben, Lichtspiel und Details, die man sich ansehen kann.

Im ernst: In dieser Aufnahme ist nichts Spektakuläres zu finden, noch nicht einmal in der Ruhe, die sie vermittelt.

Aber diese Ruhe ist der Inhalt des Bildes, transportiert durch die oben genannten Elemente und die – nicht übermässig originelle, aber angenehme – Komposition. Ausserdem beherrscht das Bild die – natürliche? – Vignettierung, die sehr ausgeprägt ist.

Technisch genau richtig aufgenommen, korrekt belichtet, so dass die Stimmung glaubwürdig bleibt, die Kontraste nicht zu hoch sind, die Wellen wie die Wolken leicht verwischt werden und alles in allem die Aufmerksamkeit auf die runden Steine im Vordergrund gelenkt wird, die gerade noch ausreichend beleuchtet werden für eine genaue Untersuchung.

steinemeer

Und jetzt erst zieht einem das Bild wirklich in den Fluchtpunkt, wenn sich die kaum wahrnehmbaren Linien in den Felsformationen abzeichnen, die nach links zeigen und sich in den Ritzen der grösseren Felsklötze im rechten Vordergrund leicht versetzt „spiegeln“. Mag sein, dass diese Linien durch den Wellengang in langer Zeit gebildet worden sind, mag sein, dass sie zufällig sind:

Sie fesseln jedenfalls das Auge und verleihen der „kleinen Landschaft“ das gewisse Etwas, das sie ohne Spektakel auskommen lässt, ohne dass sie langweilig wird.

Vielleicht bin ich etwas zu genügsam, aber mir persönlich liegen Landschaftsbilder, die ohne Feuerwerk auskommen, aber optisch und Stimmungsmässig überzeugen. Das ist hier gegeben.

4 Antworten
  1. Werner says:

    Lieber Peter Sennhauser,

    da stimmt was nicht. Die Linien ziehen den Blick des Betrachters wohin? Nach links, vom Meer weg, auf den dunklen Berg. Die Wolken blockieren / verstellen den Blick. Stop halt bis hierhin und nicht weiter. Wo ist das Motiv? Die Steine? Das Meer? Die Wolken? Der Himmel?

    Gruß
    Werner Faßbender

    Antworten
  2. Jonny Michel says:

    Hallo Peter, entschuldige, ich hatte das als einen Text gesehen. Vielleicht sollte man da besser trennen – oder ich nächstes Mal besser hinschauen :-)

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  3. Jonny Michel says:

    Lieber Andrè, warum erklärst Du Dein Foto so lang und breit? Es ist doch alles zu sehen, das bedarf keiner Kommentierung. Überlasse das Beurteilen den Betrachtern.

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    • Peter Sennhauser says:

      Lieber Jonny – Du hast hier einen Beitrag der Rubrik „Leserbildkritik“ vor Dir. Nicht André kommentiert sein Bild, sondern ich tue es – und genau darum geht es hier. Statt „likes“ gibt’s hier einen ausführlichen Kommentar und in den besten Fällen eine Diskussion des Publikums. Mitmachen jederzeit erwünscht!

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