Wolfsfütterung:
Dynamik und Tiefe

Auch gefangene Tiere erlauben bisweilen faszinierende Schnappschüsse. Diese Timberwülfe haben dem Fotografen einen solchen Gefallen getan.

Timberwölfe, fotografiert bei der Fütterung

Timberwölfe. Nikon D7000 bei ISO 280, f/4 und 1/400s © Emil Licht

Emil Licht aus Sassenburg: Wolfsfütterung in der Eifel. Mir gefallen die Gesichtsausdrücke der beiden Wölfe links. Das Ganze lief extrem schnell ab, und die Timberwölfe haben sich sofort mit ihrer Beute im weitläufigen Gehege zurückgezogen. Zu Ausflügen nehme ich gerne nur ein einziges Objektiv mit. Für diese Situation war der manuelle Fokus des AI-S 200mm f4 sicher nicht ideal geeignet.Die Aufnahme ist mit der D7000 bei ISO280 f4 und 1/400s aus der Hand entstanden.

Vier dunkle Wölfe zerren in dieser Farbfotografie im Schnee an einem Stück einer Beute. Wir sehen zwei der Tiere von Rechts hinten, die andern beiden in der linken Bildhälfte zerren nach links und nach hinten.

Ein beeindruckendes Bild: Es hat Dynamik, Bewegung, Tiefe und Detail. Aus der Hand mit einem Teleobjektiv geschossen, das auf Deiner Nikon D7000 (Affiliate-Link) beachtliche 300mm lang ist (Cropfaktor 1,5) und damit bei Blende 4, schwarzem Motiv und ISO 280 eine gehörige Belichtungszeit verlangt, ist es erstaunlich scharf, auch wenn die Zeit bereits einzelne Details verwischt und die Schärfe sehr gut, aber nicht perfekt auf den Gesichtern der beiden uns zugewandten Wölfe liegt.

Die Komposition kannst Du bei solchen Aufnahmen ja eigentlich gar nicht beeinflussen, denn selbst mit einem anderen Standort weisst Du nicht zum vornherein, in welche Richtung die Tiere sich verziehen werden – aber Du hast hier ein gutes Auge und gehörig Glück gehabt, denn die Raumaufteilung der Tiere spielt Dir in die Hand.

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Stellt man sich das Bild nur mit den beiden hinteren Wölfen vor, dann ist zwar der Blick auf das Geschehen unbehindert, aber dafür würde der Fotografie die Tiefe vollständig fehlen: Der Schnee stellt sie nämlich dermassen perfekt frei, dass der Hintergrund überhaupt keinen Einfluss mehr hat, was ebenfalls positiv ist, aber dem Bild die Tiefe nehmen würde – wären da nicht die beiden Tiere im  Vordergrund. Sie machen den ganzen Unterschied: Sie bringen die Bewegung, die Unschärfe, das Knurren und den verwischten buschigen Schwanz ins Geschehen, diesen ungewohnten Blick auf  zwei wild entschlossen kämpfende Wölfe, die keine unserer Erwartungen erfüllen und genau deshalb die Blicke fesseln.

Natürlich ist die Krönung der Aufnahme das Gesicht des linken Wolfs, ganz speziell sein Blick. Aber ohne den Vordergrund, das Gezerre und den stiebenden Schnee wäre er höchstens halb so fesselnd. das ist gewissermassen die Umkehrung dessen, was die Kühe diesem Fotografen beschert haben.

Jetzt könnte man bemängeln, dass der Ausschnitt die Tiere coupiert, und ich würde dagegen halten: Auch das, sei es nun ein nachträglicher Beschnitt oder eben die Ausschnittoptik durchs Tele, konzentriert mich als Betrachter auf die zentrale, wesentliche Szene, die Konzentration der Tiere und den Augenblick höchster Spannung.

Ich würde nachträglich nichts an der Aufnahme ändern und mich sehr darüber freuen. Auch wenn sie vielleicht nichts ist für übers Sofa…

2 Antworten
  1. Werner says:

    Lieber Peter Sennhauser,

    dem Bild fehlt es an Schärfe, 400 ist zu wenig für diese Dynamik. Die Aufnahme müsste mehr von links aufgenommen worden sein, damit man allen „Vieren“ ins Auge blicken kann und auch sieht, was die dort zerfleischen.
    Klar das ist schwierig, aber so soll es sein für ein gutes Bild.

    Herzliche Grüße
    Werner

    Antworten
  2. Mark Piontek
    Mark Piontek says:

    Erst mal vielen Dank an Emil Licht für das eingereichte Bild.

    So ganz kann ich mich Peters Bildkritik nicht anschließen. Es ist wohl richtig, dass die Dynamik der aufgenommenen Szene gut erwischt wurde und Spannung im Bild ist. Es ist auch einiges Glück notwendig, um zu dieser Aufnahme zu kommen.
    Wenn ich das Bild betrachte, dann stört es mich, dass nur der hinterste Wolf wirklich scharf abgebildet ist. Dafür, dass er nur unscharf und von hinten zu sehen ist, nimmt für mich der vordere Wolf zu viel Raum im Bild ein. Wie ich es auch drehe, so richtig glücklich werde ich mit der Aufnahme nicht.
    Ich glaube übrigens nicht, dass ein Autofokus hier ohne weiteres Zutun geholfen hätte. Wenn man ihm nicht auf die Sprünge hilft, dann stellt der vorzugsweise auf das Hinterteil des vorderen Wolfes scharf.

    Für mich ist das Bild ganz nah dran an einem wirklich tollen Naturfoto. Im Fußball wär’s ein Lattenschuss. Der sorgt auch dafür dass das Publikum aufspringt, nur zählen tut er halt nicht.
    Es hat schon seinen Grund, warum der Fotograf sich für die meisten spektakulären Naturfotos lange Zeit auf die Lauer legen muss, bis unter vielen Fehlschüssen das eine Bild dabei ist.

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