Eiswürfel am Strand:
Kameratod mit Folgen

Manchmal erwächst aus Unglücksfällen Gutes. In Stefans Fall war der Unglücks- ein Fall der Kamera ins Wasser und das Gute die Fotografie, die deswegen einen Tag später entstand.

Canon 750D, Canon EF 17-40mm f/4 L , ISO 200, 27mm, f/8, 2,5s

Canon 750D, Canon EF 17-40mm f/4 L , ISO 200, 27mm, f/8, 2,5s

Stefan Wille aus Hannover schreibt zu diesem Bild:
Das Bild, aufgenommen an der Meeresmündung der Gletscherlagune Jökulsarlon in Südisland, hat eine wechselvolle Vorgeschichte: Am Vortag, noch bei herrlichstem Sonnenschein, habe ich es erstmals versucht, ein Foto von den Eiswürfeln auf dem schwarzen Sandstrand mit der verwischten Brandung zu schießen und dabei leider meine Kamera ins Wasser fallen lassen. Der Kummer war zunächst natürlich groß, aber meine Freundin schlug dann von sich aus vor, die 400km Fahrt nach Reykjavik auf uns zu nehmen, um eine neue Kamera zu besorgen. So kehrten wir dann am nächsten Nachmittag, nach 800km Fahrt, mit neuer Kamera zurück und fanden sehr isländisches Wetter vor. Hiervon zunächst ein wenig bedrückt ob der vergebenen Chance vom Vortag fiel mir aber sofort auf, dass die Eiswürfe wie auch die Eisberge in der Lagune vor grauem Himmel aus meiner Sicht deutlich besser zur Geltung kommen. So fand alles ein versöhnliches Ende, zumal auch die alte Kamera inzwischen wieder zu funktionieren scheint. Es gab nur sehr sehr kalte Füße an diesem wirklich magischen Ort.

Eine Schöne Geschichte, und das Happy End macht sie noch schöner. Wir sehen in dieser Farbfotografie fünf oder sechs Blöcke aus halbtransparenten, grünblauem Material, die auf einer dunkelgrauen, verwischt aussehenden Unterlage vor einem knapp erkennbaren Horizont und grauem, wolkenverhangenem Himmel liegen.

Was diese Fotografie auffällig macht und die Blicke anzieht, ist das Licht in den Eisklötzen: Es scheint, als wäre in ihnen ein Stück Arktis gespeichert, das über den äusseren Glanz langsam austritt. Genug der Poesie:

Du hast hier mit leichtem Weitwinkel bei relativ kleiner Blende zweieinhalb Sekunden belichtet und den Fokus auf die Eiswürfel gelegt, die so zum einzig scharfen Objekt in der Aufnahme geworden sind, denn der Himmel ist ebenso verwischt wie die Brandung, die nur noch als graue Schleier über dem schwarzen Sand zu erkennen ist.

Hier gibt es kein richtig oder falsch. Dies ist zwar dem Motiv nach oder der Situation entsprechend eine Landschaftsfotografie. Aber welchen Look Du dem Bild verleihen möchtest, ist Deine Entscheidung und hängt zu einem guten Teil von der Wahl der technischen Einstellung ab.  Anders gesagt: Wir reden hier eigentlich jetzt schon über persönlichen Geschmack.

Ich möchte deshalb die folgenden beiden Anmerkungen als Varianten oder Ideen verstanden wissen, was man mit diesem – sehr stimmungsvollen – Motiv auch noch hätte machen können. Für mich wirkt es übrigens wohl wegen des sehr unwirklich anmutenden Lichts wie die Kulisse aus einer frühen  „Star Trek“-Episode.

Zum einen verstehe ich die Langzeitbelichtung nicht ganz: Die verwischt damit die Brandung, die nicht mehr als solche erkennbar, aber auch nicht unsichtbar wird. Die 2.5 Sekunden sind nicht lang genug, um die Bewegung aus dem Wasser heraus zu belichten. Der „rasende Boden“, auf dem die Eiswürfel liegen, hat durchaus eine Blickfangwirkung, aber für mich funktioniert er danach nicht mehr.

Spannend wäre hier ein Kontrastbild mit einerseits sehr kurzer Belichtungszeit und glasklarem Wasser, das irgendwo auf dem Sand steht, oder wenn möglich dem totalen Auslöschen jeglicher Bewegung in den Wasserzonen. Ein guter Teil der Attraktivität dieses Strands besteht ja in dem Gegensatz des blauen Eises zum schwarzen Strand.

Zum anderen ist mir nicht klar, warum die Eiswürfel ganz links und ganz rechts abgeschnitten sind: War es nicht möglich, die mit einem Schritt zurück ganz ins Bild zu rücken? Selbst wenn damit dahinter liegende Eisbrocken sehr viel stärker angeschnitten in den Frame geraten wären, würde mich das weniger befremden als dieser Beschnitt auf den letzten Rand.

Mono Lake, Kalifornien, Tuffa-Formationen im Morgennebel, © PS 2010

Mono Lake, Kalifornien, Tuffa-Formationen im Morgennebel, © PS 2010

Auf jeden Fall halte ich den Umstand, dass Du die Eisblöcke nicht im prallen Sonnenschein, sondern erst mit diesem fremden Licht fotografieren konntest, für einen Glücksfall. Eine der interessanten Eigenschaften der Landschaftsfotografie ist der Faktor Wetter und Licht, die beide immer mal wieder ganz anders sind, als wir sie uns wünschten – und dann erst das aussergewöhnliche Bild ermöglichen. Ähnliches wie Dir widerfuhr mir am Mono Lake in Kalifornien, einem Salzsee auf fast 2000 Metern in der Sierra Nevada. Am Abend, als ich aus dem Death Valley hin kam, war das Wetter schön, als ich morgens im Dunkeln in Lee Vining zum See aufbrach, herrschte Dicker Nebel – und am Ufer erlaubte mir der grandiose Nebel ohne Horizont diese  einzigartige Aufnahme der Tuffa-Formationen.

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