Tischkicker-Stillleben:
Tristes Fussballfieber

Wie man Tristesse auf dem Tischkicker-Fussballplatz fotografiert, zeigt diese Aufnahme.

DSC-RX100 Aufnahmedaten: 1/100s bei Blende 22/10 mit 1040/100mm Brennweite und ISO 125

Sony DSC-RX100, 1/100s bei Blende f/2.2 mit 10mm Brennweite und ISO 125

Carsten S aus Köln schreibt zu diesem Bild: Das Bild entstand Mitte Juni kurz nach Beginn der Fußball-EM. Ich war am Abend in einem Dorf im Kölner Umland unterwegs. Das Wetter war mäßig, mir ging es elend und ich wollte eigentlich schöne Bilder machen – das einzige, das ich behalten habe, war dieses Foto von einem Outdoor-Tischkicker. Für mich symbolisiert es die Trostlosigkeit dieses Tages.

Zur technischen Seite: aufgenommen wurde es im Weitwinkel mit einer Sony RX100. Das Bild habe ich hinterher auf 16:9 beschnitten, in Schwarz-Weiß umgewandelt und (glaube ich) den Kontrast erhöht.

 

Die Stimmung hast Du jedenfalls getroffen: Melancholie drückt es aus, und irgendwo ist auch Fussball drin.

Wir sehen in dieser Schwarz-Weiss-Fotografie ungefähr auf „Augenhöhe“ eines Tischkickers zwischen zwei der Spielfiguren hindurch in die Reihen der Gegner. Der Platz  ist nass, der Ball liegt auf dem Anspielpunkt, die Stangen, an denen die Spielfiguren festgemacht sind, schimmern im Licht.

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Die Aufnahmedaten dieser Fotografie gefallen mir deshalb, weil nicht oft die Schärfentiefe bei Weitwinkelaufnahmen zum tragen kommt: Die Verkürzung des Schärfenbereichs ergibt sich hier nur, weil die Fokusdistanz sehr, sehr kurz und die Blende weit offen war.

Das allein schafft schon eine ungewöhnliche Stimmung. Das „Wetter“, die Umwandlung in Schwarz-Weiss und der, Verzeihung, schon fast obszön pausbäckige Gesichtsausdruck der und vor allem des zentral stehenden Spielers tun das ihre, um die Aufnahme geradezu skurril wirken zu lassen. Der Kontrast zwischen Stillstand und erwarteter Bewegung, Farbe und Schwarz-Weiss, Tristesse und Ausgelassenheit ist in dieser Fotografie spürbar erfasst. Das macht sie zum Hingucker, zum Stillleben.

Das einzige, was mich etwas stört, ist das Abkippen nach links, erkennbar an der Spielkastenbegrenzung und der Mauer im Hintergrund.  Wie so oft, wenn man etwas nachträglich gerade stellen muss, verliert man dabei Bildanteile, Ich achte deswegen vor Ort immer peinlich genau auf eine exakt horizontale Ausrichtung, jedenfalls dann, wenn wie hier künstliche Horizonte ins Spiel kommen und die Verkippung anzeigen könnten. Oder aber ich kippe die Kamera eigens so stark, dass die Abweichung aus der Horizontalen als Absicht erkennbar wird – dann muss sie aber zur Komposition beitragen.

1 Antwort
  1. Carsten S says:

    Hallo Peter,
    vielen Dank für deine Kritik. Ich freue mich, dass mein Bild nicht nur mir gefällt!
    Was den Horizont angeht, hast du recht: ich habe nicht darauf geachtet, da die RX100 eine eingebaute Wasserwaage hat, die ich beim Fotografieren eigentlich immer nutze. Anscheinend bin ich davon ausgegangen, dass das Bild daher nicht verkippt ist. Ich habe jetzt die Zeit und Muße gefunden, das Original neu zu bearbeiten und das Bild zu reproduzieren.
    Das Ergebnis könnte das erste Bild in meiner Wohnung werden, mal sehen ;)

    Viele Grüße, Carsten

    2016-06-16-30-gedreht-1366x768

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