Bildarchiv und Haltbarkeit:
Fotos für die Ewigkeit?

Wie wichtig sind dir deine Fotos? Was würdest Du tun, um sie zu schützen? Welche Methode zur Archivierung und Aufbewahrung ist die richtige?

Wie Fotos aufbewahren?

Wie Fotos aufbewahren? © Darius Ortmann

Eine der wichtigsten Aufgaben der Fotografie ist es zu dokumentieren. Obwohl es ein noch relativ junges Medium ist, gibt es bereits viele weltweit bekannte Ikonen der Fotografie, (Affiliate-Link) die wir als Bild mit einem bestimmten Ereignis verbinden. Solche Bilder haben sogar die Macht, über Jahrzehnte hinweg im kollektiven Gedächtnis der Menschheit zu überdauern, wie zum Beispiel das Foto vom sogenannten Napalm-Mädchen von Nick Út im Vietnamkrieg.

Die meisten von uns werden es zwar vermutlich nie schaffen, ein solch bedeutendes Foto zu machen, das bedeutet aber nicht, dass die eigenen Fotos keinen persönlichen Wert haben und somit schützenswert sind. Leider haben Fotos die Eigenschaft, ziemlich fragil und flüchtig zu sein. Eine Eigenschaft, die sich ziemlich schlecht zur Dokumentation eignet. Es gibt natürlich Möglichkeiten, die Dauer der Haltbarkeit zu erhöhen, diese sind aber mit Aufwand und Kosten verbunden. Es läuft also darauf hinaus, wie wichtig einem die eigenen Bilder sind und welchen Aufwand man für die Sicherung der Bilder treiben möchte.

Analog

Der übliche Analog-Fotograf fotografierte auf Film, also auf Negativen oder Dias (Ich lasse jetzt bewusst andere Träger weg, da das zu umfangreich werden würde). Diese Träger haben einen großen Vorteil: Man benötigt für das Betrachten im Grunde nur Licht. Zugegeben, Negative betrachten macht nicht viel Spaß, aber man kann die Bilder durch Licht und chemische Prozesse auf Papier als Positiv ausbelichten. Im Vergleich zur digitalen Fotografie kann man das im Prinzip mit relativ wenig Aufwand machen. Außerdem sind diese Fotos „abwärtskompatibel“, denn mit diesen Prozessen kann man Fotos entwickeln, die vor sehr langer Zeit geschossen wurden.

Schönes Beispiel dafür ist die auf einem Trödelmarkt gefundene Foto-Sammlung von Vivian Maier. Selbst nach einer radioaktiven Katastrophe mit einem EMP (elektromagnetischer Impuls), der alle elektronischen Geräte beschädigt oder zerstört, wären diese Fotos machbar und betrachtbar, sofern der Träger, also der Film oder das Papier, nicht beschädigt wurde.

Die Älteren unter uns werden das noch kennen. Man hatte Fotoalben, in denen Abzüge eingeklebt wurden. Diese konnte man sich jederzeit und ohne Strom anschauen. Man brauchte nur irgendeine Lichtquelle. Zum Beispiel die Sonne.

Der Nachteil liegt auf der Hand. Negative, Dias, Abzüge und Fotoalben benötigen Platz. Unter Umständen viel Platz. Und nicht irgendwelchen Platz, sondern solchen, der das Material möglichst vor Umwelteinflüssen schützt. Denn diese Materialien sind relativ empfindlich. Sonnenlicht, Staub, Feuchtigkeit und natürlich Feuer sind die natürlichen Feinde. Zudem kommt, dass man bei einem größeren Archiv sich auch ein Ablage-System einrichten und es streng befolgen musste um seine Bilder halbwegs auffindbar zu machen.

Insgesamt alles zeitraubend, aufwändig und meistens nicht ganz billig.

Digital

Die digitale Welt bietet viele Möglichkeiten und viele Vorteile aber auch Fallstricke. In der digitalen Welt ist ein Foto erst ein Mal eine Datei. Damit ist sie nichts Substantielles, sondern eine Abfolge von Einsen und Nullen. Dateien lassen sich schnell, beliebig oft und verlustfrei kopieren. Um eine solche Datei als Bild für uns sichtbar zu machen, benötigt man elektronische Geräte und Software. Elektronische Geräte wiederum kommen nicht ohne Strom aus. Die Datenträger (z.B. CD/DVD, USB-Sticks, Festplatten jeglicher Art), auf denen digitale Fotos in der Regel abgelegt werden, sind nicht als Langzeitdatenträger konzipiert. Und wenn ich hier von „lang“ spreche, meine ich mindestens Jahrzehnte.

Bei CDs/DVDs ist die Informationsträgerschicht irgendwann nicht mehr lesbar. Außerdem ist es gar nicht so unwahrscheinlich, dass man in Zukunft nicht so einfach an Geräte ran kommt, die diese Datenträger auch lesen können. Man denke da nur an Disketten und Diskettenlaufwerke. Konventionelle Festplatten (HDD), egal ob intern oder extern, funktionieren mechanisch und speichern die Informationen magnetisch. Beides ist anfällig. SSDs funktionieren zwar anders (elektronisch), sind aber derzeit noch anfälliger als HDDs.

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Viele Fotografen machen eine Datensicherung (Backup) auf externen Festplatten oder einem zu Hause installierten NAS. Das ist zwar schon besser als gar keine Sicherung, doch bei z.B. einem Wohnungsbrand oder einer Überschwemmung werden diese Datenträger auch beschädigt oder zerstört. Es empfiehlt sich also, wirklich wichtige Daten auf einen portablen Datenträger zu kopieren, und diesen ganz wo anders zu deponieren (Familie, Bankschließfach, …).

Eine andere Möglichkeit ist es seine Daten zusätzlich in der „Cloud“ zu sichern. Cloud bedeutet aber auch nichts anderes, dass die Daten auf irgendeinem anderen Computer abgelegt werden, über den man selbst aber keine Kontrolle hat. Viele der Online-Speicher Anbieter haben ihre Server irgendwo im Ausland stehen, und unterliegen nicht unseren Datenschutzbestimmungen, auch wenn diese auch nicht optimal sind. Bei sensiblen Daten sollte man also abwägen, ob man genügend Vertrauen zu dem Cloud-Dienst hat. Aber selbst wenn der Dienst sicher ist, kann einem keiner garantieren, dass er wirklich lange fortbesteht. Hinter solchen Diensten stehen gewinnorientierte Unternehmen. Und wenn etwas keinen Gewinn abwirft, wird es über kurz oder lang abgeschaltet (wie z.B. Googels Picasa). Doch das Nutzen solcher Dienste kann schon an einer ganz anderen Hürde scheitern. Der Trend geht momentan wieder zu mehr Auflösung und damit zu größeren Dateien. Möchte man Cloud-Dienste nutzen, ist eine große Bandbreite des Internetanschlusses notwendig. Doch selbst in Deutschland wird das schon schwierig, man braucht nur in ländliche Gegenden fahren.

JPG: Ein Transportformat

Selbst wenn man es geschafft hat, seine Bild-Dateien über Jahrzehnte lesbar zu halten, weiß niemand, wie die digitale Welt in einigen Jahrzehnten ticken wird. Wird es dann noch Software geben, die meine Dateien lesen kann? JPG-Dateien können derzeit zwar von unzähligen Programmen gelesen werden, doch das JPG-Format wurde ursprünglich als Weitergabe-Format konzipiert: Es ist darauf ausgelegt die Bild-Dateien klein zu halten, damit man sie auch über kleine Bandbreiten versenden kann. Daher enthält es logischerweise nicht den vollen Informationsumfang des Bildes, wie es aus der Kamera kommt. Bei TIFF/BMP-Dateien hat man schon deutlich mehr Informationen zur Verfügung, doch ist z.B. der Weißabgleich schon eingebrannt. RAW-Dateien sind fast alle proprietär, das heißt, nur der Hersteller der jeweiligen Kamera weiß, wie diese Dateien organisiert und zu lesen sind. Es gibt zwar noch das „Digitale Negativ“ DNG-Format, doch bei der Umwandlung von einem proprietären RAW-Format in DNG können auch Daten verloren gehen. Im Prinzip muss man sich das Problem so vorstellen, wie es die Analog-Fotografen mit großen Archiven haben. So mancher versucht sein Negativ-/Dia-Archiv zu digitalisieren, es quasi also in ein aktuelles Format zu bringen. Oder die Menschen, die ihre auf VHS-Kassette gefilmten Hochzeiten nun auf DVD brennen. Je nach dem, in welche Richtung sich die Technologie entwickelt, werden wir solche Umwandlungen von Datenträgern oder Formaten immer wieder machen müssen um unsere Bilder zu bewahren.

Welches Datenformat das richtige ist

Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Welche Backup-Strategie man wählen sollte, hängt von Faktoren wie derzeitige Datenmenge, zukünftige Datenmenge, Sensibilität der Daten, Zugriffshäufigkeit, gewünschte Dauer, Budget, Zeit usw. ab. Doch egal, was man unternimmt, egal wie viel Geld und Zeit man investiert, keine Strategie wird eine 100prozentige Sicherheit und lange Lebensdauer bringen. Aber deswegen nichts zu unternehmen wäre auch leichtsinnig.

Digital stehen einem einige Möglichkeiten offen, wie weiter oben bereits beschrieben. Ich würde zu einem Mix aus den verschiedenen Möglichkeiten raten. Erst kürzlich habe ich mir eine gute externe Festplatte mit 3 TB Kapazität unter 100 € gekauft. Speicherplatz ist heutzutage ziemlich günstig. Auf diese Platte sichere ich komplett alle Foto-Dateien und meinen Lightroom-Katalog. Das hilft zumindest gegen Datenverlust, wenn die im Rechner verbaute Festplatte ihren Geist aufgibt. Ich verbinde die externe Festplatte auch nur für die Dauer der Sicherung mit dem Rechner, damit die Dateien nicht kontaminiert oder zerstört werden, wenn ich mir zwischendurch einen Virus einfangen sollte. Besonders wichtige Bilder sichere ich zusätzlich bei einem deutschen Filehosting-Dienst. Zusätzlich drucke ich einige meiner Bilder in verschiedenen Größen, um sie ganz klassisch in ein Album zu kleben oder an die Wand zu hängen.

Für mich als ambitionierten Amateur sollte das ausreichen. Es besteht zwar ein gewisses Risiko, einen Teil meiner Bilder unwiederbringlich zu verlieren, doch sind es nicht die, die mir besonders am Herzen liegen. Natürlich würde ich mich sehr ärgern, sollte es zum Daten-GAU kommen, es wäre jedoch kein Weltuntergang. Da ich nicht von diesen Bildern leben muss, erscheint mir das derzeit ein guter Kompromiss zwischen Sicherheit und Aufwand zu sein. Dennoch stelle ich mein Verfahren immer wieder auf den Prüfstand, denn die Umstände und technische Möglichkeiten können sich ändern und mit ihnen der persönliche Wert meiner Bilder.

6 Antworten
  1. dierk says:

    Seid ca. 15 Jahren habe ich aus Performance Gründen mindestens 2 Platten im System und sichere auf externe USB Platten, seit das möglich ist. Als ich in Spanien gelebt habe kam noch eine USV dazu, da dort der Strom oft ausfiel. Ich habe in der Zeit am die 10 Platten verloren, teilweise mit Crash von beiden Platten und es war immer ein sehr großer Aufwand, meine Daten wieder herzustellen.

    Vor gut 2 Jahren hatte ich so oft Ausfälle, dass ich beschloss, das Motherboard auszuwechseln. Ich kann es mir zwar immer noch nicht erklären, aber das Motherboard machte die Platten kaputt. Seit ich das neuen Board habe ist nichts mehr passiert.

    Zur Zeit habe ich eine schnelle SSD mit 250 GB als Systemplatte und zwei 3 TB Platten, eine für Daten und die zweite ausschließlich für Bilder. Dazu kommen 2 externe Platten mit je 3 TB über USB für die Sicherung. Diese Platten werden nur zur Sicherung einmal die Woche physisch angeschlossen.

    Die Sicherung sieht so aus:
    Ich benutze das Programm SyncBackFree. Damit mache ich täglich! eine Spiegelung der wichtigsten Daten auf die jeweilige andere Platte. Z.B. sind Bilder pro Quartal gespeichert und ich sichere immer das jeweilige Quartal auf die Datenplatte. Von den Platten System und Daten sichere ich täglich die wichtigen Daten wie Dokumente usw. auf die Bilderplatte.

    Dies läuft Zeitgesteuert und konfigurierbar (Verzeichnisse, Datentypen, Filter…, Ziel Platte/Verzeichnis) vollkommen automatisch im Hintergrund ab!!

    Einmal in der Woche schließe ich die externen Platten an und mache ebenfalls über SyncBackFree die Sicherung der o.g. Daten.

    Sicherung des kompletten Systems mache ich mit Acronis True Image (sollte ich mal wieder machen :-) )

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