Annakolibri:
„Schnellschuss“, gelungen

Kolibris im Flug zu fotografieren, ist schwierig, obwohl sie vor den Futterblüten stehen bleiben. Hier ist es mit kurzer Verschlusszeit gelungen.

Annakolibri im Flug

Annakolibri – Canon EOS 100D 1/4000s bei Blende 5.6 mit 250mm Brennweite und ISO 640. © Matthias Hoffmann

Matthias Hoffmann aus San Carlos schreibt zu diesem Bild: Ein Schnappschuss bei uns im Garten. Der Kolibri nascht an einem mexikanischen Salbei. Das ganze ist mit verhältnismäßig einfachen Mitteln aufgenommen: Canon 100D und 55-250mm Objektiv (zusammen unter $600), kein Blitz, da hilft die kalifornische Sonne.

 

Heimweh ist das erste, was mich beim Anblick dieser Vogel-Fotografie (Affiliate-Link) ankommt – selbst im kühlen San Francisco waren die surrenden Winzvögel häufige Gäste an meiner Feuerleiter (Zuckerwasser vorausgesetzt). Sie sind nicht einfach zu fotografieren, aus mehreren Gründen. 

Wir sehen einen grün gefärbten Vogel inmitten langgezogener, violetter Blütenstände. Der kleine Kolibri ist im neunziggrad Winkel vor uns am fressen, er leckt den Nektar aus einer der weissen Blüten an den violetten Blumen. In der Sonne, die ihn von links bescheint, glänzt der Rücken des Vogels grün, an der Unterseite des Halses ist ein kräftiges Rot zu sehen. Die geringe Schärfentiefe stellt das Tier vor weiteren Blütenrispen und einem undefinierbaren, wie eine Bretterwand wirkenden orangen Hintergrund frei.

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Alles in allem eine gelungene, wenn auch für „Laien“ vielleicht nicht besonders spektakuläre Aufnahme eines Kolibris.

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Ich weiss es ein bisschen besser, denn ich habe einige Zeit in Vogelfotografie investiert und auch versucht, diese Tierchen zu fotografieren. Dabei werden zwei Dinge zur Herausforderung: Ihre ungeheure Geschwindigkeit und der Lichteinfall.

Erstens sind die Vögel, obwohl sie häufig in der Luft stehenbleiben wie ein Hubschrauber, sehr schwierig im Flug zu fotografieren. Denn sie sind klein, und ihr Futterhalt vor der Blüte währt selten lang genug, um den Vogel im langen Zoom anzuviseren, scharf zu stellen und abzulichten. Immerhin rasen sie derart pfeilschnell und erratisch durch die Blüten, dass man nicht vorhersagen kann, an welcher das Tier am ehesten stehen bleibt. Ich hab’s versucht. An den orangen Wicken im Golden Gate Park war das dank deren Grösse noch etwas einfacher als hier an Deinem Salbei.

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Kolibri im GG Park – streckt die Zunge raus. © Peter Sennhauser

Mein einziger fliegender Kolibri - sieht aus wie eine abstürzende Spitzmaus.

Mein einziger fliegender Kolibri – sieht aus wie eine abstürzende Spitzmaus.

Herausforderung Nummer zwei ist der Lichteinfall – denn ohne eine im richtigen Winkel einfallende Sonnenstrahlen sind die Vögel grau bis schwarz, die wie Schuppen anmutenden glänzenden Federchen brillieren erst im richtigen Licht. Und die dritte ist eine Belichtungszeit, die kurz genug ist, um die rasend schnell schlagenden Flügel in der Bewegung einzufrieren und nicht nur ein schummriges etwas um den flügellos wirkenden Vogel in der Luft zu zeigen (siehe mein Bild).

Du hast all diese Hürden hier genommen, das Bild ist scharf, der Vogel gut beleuchtet, die Verschlusszeit war sehr kurz (man beachte: mit ISO 640 bei praller Sonne!), die Brennweite mit 250mm sehr lang und die Blende wohl mit 5.6 so weit offen, wie das Objektiv hergab. Das wiederum sorgt für ausreichend Freistellung.

Problemzonblemzonen: Lecks am Bildrand.

Problemzonen: Lecks am Bildrand.

Hier zu sagen, was Du kompositionell hättest besser machen können, ist zwar eine Anmassung, aber ich tu’s trotzdem: Ein etwas stärkere Winkel als die stumpfen neunzig Grad auf den Vogel, vielleicht leicht von links hinten oder von links oben, würde das Tier noch plastischer machen, jetzt ist es etwas gar flach vor der Linse. Die Platzierung im Bildzentrum ist wohl dem Autofokus mit Zentrumspunkt geschuldet, das hättest Du aber in der Nachbearbeitung noch leicht verändern können, was auch die „Lecks“ an den Bildrändern – oben rechts die beiden weissen Blüten, unten ind er linken Ecke ein Fragment eines Blütenstandes – eliminiert hätte.

Kolibri im Flug

Nachbearbeitet: Ausschnitt verkleinert, Vogel auf Goldenen Schnitt gelegt, Sättigung und Kontrast leicht erhöht, Vignette zugefügt.

Die letzten beiden Dinge sind in der Nachbearbeitung jederzeit möglich, die Komposition des Fotos bei der Aufnahme ist mehr eine Frage des Anspruchs, der Geduld und der Umstände. Ich habe mich damals im GG-Park stundenlang vor den Blumen auf die Lauer gelegt, an denen die Vögel gefressen haben, weil ich unbedingt einen vor einem natürlichen Hintergrund haben wollte.

Eine Flugaufnahme in der Qualität wie Deine ist mir dabei nicht gelungen. Sitzende Kolibris dagegen habe ich (zu) viele, und ein Blick in die Google-Suche zeigt, dass Flug-Aufnahmen wie diese hier wirklich nicht sehr häufig sind. Glückwunsch also!

 

 

2 Antworten
  1. Mark Piontek
    Mark Piontek says:

    Bei Fotos von sich schnell bewegenden Motiven lässt es sich die Komposition natürlich nicht in Ruhe vor dem Auslösen festlegen.
    Da ist es sicher eine gute Strategie, den Rand etwas großzügiger zu wählen statt einen scharf abgebildeten Kolibri mit abgeschnittenem Flügel zu riskieren. Was Matthias Hoffmann hier auch gut gelungen ist.

    Allerdings hat er versäumt, den Ausschnitt nach der Aufnahme passend festzulegen. Das ist Peter, als erfahrenem Bildkritiker, natürlich nicht entgangen.
    Ich stimme daher voll zu: Großartig erwischter Kolibri, der eine solide Nachbearbeitung voll verdient hat.
    Die Vignettierung hätte ich etwas weiter in die Mitte gezogen, dafür den Verlauf etwas weicher gemacht. Aber das ist Schleifen am I-Tüpfele.

    Antworten

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