Photoshop-Alternative:
Affinity von Serif Labs

Die Foto-Software Affinity von Serif Labs tritt an, um dem Marktführer Photoshop Konkurrenz zu machen. Ein Blick auf das Programm zeigt: Diese digitale Dunkelkammer hat Potential.

Die Foto-Entwicklungssoftware Affinity tritt gegen Photoshop an.

Die Foto-Entwicklungssoftware Affinity tritt gegen Photoshop an.

Seit Adobe mit Photoshops erster „Ausgabe“ 1990 die Fotografie so nachhaltig veränderte, dass der Markenname zu einem Verb wurde, hat es in dieser Hinsicht nie einen ernstzunehmenden Konkurrenten (Photopaint, Gimp) gegeben.  Folgerichtig ist Adobe heute ein Industriegigant, der über die Jahre durch das Schlucken anderer Firmen und der – zugegebenermaßen – erheblichen Weiterentwicklung der Software eine Monopolstellung auszubauen wusste. Preiswertere Alternativen, die das gleiche auch nur annähernd lieferten, gab es nicht. Lightroom oder Photoshop Elements waren zwar auch für den Otto-Normal-Verbraucher erschwinglich, und wer nur minimal den Weißabgleich seiner Fotos oder deren Farbsättigung polieren wollte, war damit auch sehr gut bedient.

Für Design- und Fotografie-Profis allerdings, und für ernsthafte Amateure wurde Photoshop immer unerschwinglicher. Wo man früher noch damit durchkam, auf einem Update ein paar Jahre zu sitzen, das nächste zu überspringen und sich dann etwa die übernächste Neuauflage zuzulegen, die dann aber immer noch in meinem Fall um die $200 kostete, wurde man seit Adobe CC erst richtig ausgenommen. In den USA kostet ihr Fotobündel, das Photoshop und Lightroom umfasst, $9,99 im Monat, also $119,88 im Jahr. Wer jetzt spontan denkt, das sei aber wesentlich weniger als $200, der bedenke dies: das sind $120 im Jahr, jedes Jahr, egal, wie oft man die Programme benutzt.

Für Profis, die auch noch InDesign, Illustrator oder Dreamweaver benutzen, beläuft sich der monatliche Betrag für alle Adobe-Programme auf $69,99, also $839,88 im Jahr PRO LIZENZ. Dafür bekommt man zwar das gesamte Warenangebot, aber ein mit mir befreundeter Designer aus England sagte, er muss für seine drei Macs, die er für sein Designbüro betreibt, jährlich £1.100 berappen. Für Selbstständige ist das eine ganze Menge Holz.

Gewiss, man hat immer die neueste Versionen der Applikationen zur Verfügung, und man bekommt sie ALLE, aber in früheren Zeiten hätte man die Kosten eben über ein paar Jahre verteilen können, was insgesamt auf weniger Ausgaben hinausgelaufen wäre. Deshalb ist Adobe ja darauf gekommen, das Ganze per Abonnement laufen zu lassen: erst bindet man die Leute an sich, dann kann man praktisch verlangen, was man möchte, insbesondere, wenn es keine Alternativen gibt.

Bis jetzt.

Jener befreundete Designer schickte mir vor ein paar Wochen einen Link zu Affinity Photo, das sich damals in der Beta-Version befand. Schon beim Öffnen des Programms fällt die starke  Ähnlichkeit mit Photoshop auf; sicherlich kein Zufall, will man doch bisherige Photoshop-Nutzer für sich gewinnen.

Die Benutzeroberfläche kann an die persönlichen Bedürfnisse ohne weiteres angeglichen werden. Wenn man beispielsweise nicht mag, dass die Lagen rechts in der Ausgangsversion an einer ungewohnten Stelle platziert sind, kann man sie an einen anderen Ort ziehen.

Die Benutzeroberfläche der Foto-Software Affinity

Die Benutzeroberfläche der Foto-Software Affinity

Bei einem näheren Vergleich stellte ich fest, dass der Teufel wie erwartet im Detail steckt – wenn man seit langem Photoshop gewöhnt ist und bestimmte Dinge an bestimmten Orten sucht, muss man sich entsprechend umgewöhnen; auch, was etwa Tools wie „Lens Correction/Objektivkorrektur“ angeht, welches in Affinity unter dem Menüpunkt Filter fehlt, weil Affinity unter Layers/Ebenen mit „Live Filters“ arbeitet. Oder die Tatsache, dass statt des gewohnten Augensymbols in Photoshop zur Sichtbarmachung von Ebenen links in Affinity anzukreuzende Kästchen rechts zu finden sind. Was für mich eine Umstellung bedeutet, muss aber nicht für andere eine Umstellung sein, und umgekehrt. Man findet sich eben in das Programm hinein, wie in andere neue Software auch.

Die Ebenen liste in der Fotosoftware Affinity

Die Ebenen liste in der Fotosoftware Affinity

Womit Affinity definitiv glänzt, ist ein Live-View, den mir Photoshop nicht gibt: Will man eine Vorschau, wie sich die Veränderung einer Schrifttype oder die Anwendung eines Filters auf das Projekt auswirken wird, muss man lediglich die Liste der Schrifttypen herunterscrollen oder im Filtermenü etwas verändern; Affinity zeigt einem live, wie sich dadurch was verändert.

Ich denke, man sollte der Fotosoftware Affinity eine Chance geben, Adobe zumindest Stress zu machen und den Markt etwas aufzumischen. Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft, und, was viel wichtiger ist:

Der Preis stimmt.

9 Antworten
  1. Darius Ortmann
    Darius Ortmann says:

    Ich bin neugierig, wie sich diese Applikation beim Konvertieren von Fuji-X-RAWs schlägt. Lightroom, oder besser gesagt Camera Raw ist suboptimal, um das mal diplomatisch auszudrücken.

    Antworten
    • Peter Sennhauser says:

      Es ist eben nicht nur Funktion gegen Funktion, sondern das ganze Look-and-feel, was ein Programm ausmacht. Ist bei Autos auch so, sonst wäre mancher Traktor besser als jeder PW. Irgendwo spielen vielleicht sogar Status und Verbreitung auch noch rein… Sofie hatte weder Gimp noch Paintshop erwähnt, ich habe das unter anderem aus SEO-Gründen reinredigiert.

    • Tilman says:

      @Peter SEO-Gründen… Hat mich auch gewundert, dass Sofie so etwas schreibt :-> Es stimmt… am Anfang tut man sich mit Gimp etwas schwer. Ich benutze es zusammen mit Google Nik Collection… eine sinnvolle Erweiterung. Und versuche… gleich bessere Fotos zu machen, damit ich nicht mehr so viel in der Dunkelkammer sitze. Liebe Grüße, Tilman

  2. Jörn says:

    Ein vielversprechender Anfang für ein komplettes Review… ;-D

    Ich hatte die Software auch schon gesehen und mich für einen Beta-Test angemeldet, zu dem es aber leider noch nicht gekommen ist. Denn bezüglich Adobe bin ich völlig bei Dir.
    Umso interessanter fände ich Deine Erfahrungen mit Affinity.
    Ich jedenfalls würde mich freuen, wenn da noch ein wenig mehr Erfahrungsbericht hintendran käme…

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  1. […] Photo ist einer der Konkurrenten zu Photoshop. Ein weiterer Artikel zur Alternative wurde auf fokussiert.com veröffentlicht. Viele Leute, die sich an die Bearbeitung heran trauen […]

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